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ALTENKUNSTADT

Ratsbegehren zum Lehrschwimmbecken in Altenkunstadt?

Sichtlichen Spaß haben die Grundschüler aus dem östlichen Landkreis beim Schwimmunterricht, den die DLRG im Hallenbad in Michelau organisiert. Mit dem Bau eines Bads in Altenkunstadt hätten sie mehr Zeit zum schwimmen. Foto: Dieter Radziej

Der Bau eines Lehrschwimmbeckens beschäftigt die Kommunalpolitiker im östlichen Landkreis seit rund 17 Jahren. Nachdem Altenkunstadt sich 2018 bereit erklärt hatte, das Bad bei einer finanziellen Beteiligung von Burgkunstadt und Weismain zu bauen und der Gemeinderat 2019 einen Grundsatzbeschluss dazu gefasst hatte, will Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) jetzt sein Wahlversprechen einlösen und die Bürger über das Vorhaben abstimmen lassen. Der Gemeinderat soll am Dienstag, 6. Juli, über ein Ratsbegehren zu dem Thema entscheiden. Wünschenswert finden das Bad alle Fraktionen, doch viele sind skeptisch, ob Altenkunstadt sich diese freiwillige Leistung angesichts zahlreicher anderer Großprojekte leisten kann.

„Wenn ich das Bad will, kann ich es mir auch leisten.“
Robert Hümmer, Bürgermeister

„Wenn ich das Bad will, kann ich es mir auch leisten“, betont Robert Hümmer. Alle Zahlen lägen vor und mit einem zugesagten Zuschuss von 68,9 Prozent sei der Bau finanzierbar. Mit der DLRG habe man einen zuverlässigen Partner, der sicherstelle, dass die Betriebskosten nicht aus dem Ruder laufen. „Wenn wir es jetzt nicht auf den Weg bringen, wird es wohl nichts mehr, weil nach der Bundestagswahl gespart wird, und die Zusage für die Förderung heuer ausläuft“, warnt er. Daher sei es sinnvoll, die Bürger entscheiden zu lassen. Bei einer Bürgerversammlung werde er sämtliche Zahlen vorlegen, so dass diese verantwortungsvoll entscheiden könnten. Abgestimmt werden könnte aus Kostengründen parallel zur Bundestagswahl am 26. September.

„Sinnvoll wäre es gewesen, schon vor zwei Jahren zu bauen“, meint der Bürgermeister mit Blick auf die galoppierenden Baukosten. So habe Architekt Gerd Peter Lauer bei einer Aktualisierung der Kostenschätzung die 2019 auf rund 5,9 Millionen Euro veranschlagten Gesamtkosten um sieben Prozent nach oben auf etwa 6,313 Millionen Euro korrigiert. Allerdings würden auch die Zuschüsse angepasst.

Auf dem Gelände zwischen der Dreifachturnhalle (li.) und dem Pausenhof der Mittelschule (re. hinter den Bäumen) soll das gemeinsame Lehrschwimmbecken für Alten- und Burgkunstadt sowie Weismain entstehen. Foto: Stephan Stöckel

Berücksichtige man die Beteiligung des Landkreises (500 000 Euro), und der Nachbarkommunen (Burgkunstadt: 400 000 Euro, Weismain über einen Privatinvestor: 225 000 Euro), würde sich der von der Gemeinde zu finanzierende Fehlbetrag auf rund 1,7 Millionen Euro belaufen. Bei einer Finanzierung über 30 Jahre belaufe sich die Belastung auf rund 100 000 Euro jährlich, so Hümmer. Das sei angesichts der Bedeutung des Bads für Kinder und Senioren zu schultern: „Die Frage ist: Was braucht der Mensch? Nicht: Was kostet der Mensch?“

DLRG will Betrieb zu den bisherigen Kosten schultern

„Wir brauchen das Bad dringend, um den Schwimmunterricht effektiv zu gestalten“, betont DLRG-Vorsitzender Werner Schneider. Weil der Schwimmunterricht während der Pandemie ausfiel, könne nur noch jeder zweite Grundschüler schwimmen, und für die jetzt anlaufenden Kurse stünden mehr als 80 Kinder auf der Warteliste. Beim Schulschwimmen im Michelauer Hallenbad gehe die Hälfte der Zeit für den Weg verloren. Die DLRG sei bereit, das Bad zu betreiben und habe mit der Gemeinde bereits einen Vertrag über 15 Jahre Laufzeit ausarbeiten lassen. „Der Betrieb würde die Gemeinden auch nicht mehr kosten als das Schulschwimmen in Michelau“, betont Schneider.

So könnte das Altenkunstadter Lehrschwimmbecken nach den Vorstellungen des Vereins für kommunale Zusammenarbeit am Obermain aussehen. Foto: red

„Wir brauchen das Bad und der Bürgerentscheid ist die richtige Lösung“, sagt CSU-Fraktionssprecherin Melita Braun. Gerade nach dem Lockdown sei es wichtig, etwas für die Familien zu tun. Angesichts vieler junger Familien in der Gemeinde und sechs Schulen im östlichen Landkreis sei der Bedarf vorhanden. Und um schwimmen zu lernen, reiche ein Kurs für die Grundschüler nicht aus. „Die Frage ist, ob immer nur die Pflichtaufgaben im Vordergrund stehen müssen oder auch das Wohlergehen der Kinder und Familien“, betont sie.

SPD fordert, vor der Befragung die Finanzierung im Haushalt zu sichern

Er habe sich immer für ein Lehrschwimmbecken stark gemacht, aber jetzt die Bürger darüber entscheiden zu lassen sei der falsche Weg, da zahlreiche Großprojekte wie die Grundschulsanierung und die Neue Mitte die Gemeinde belasten, erklärt SPD-Fraktionssprecher Karlheinz Hofmann. Zu den rund 1,7 Millionen Euro Baukosten, die die Gemeinde schultern müsse, kämen noch jährliche Betriebskosten von 200 000 bis 300 000 Euro hinzu. Das könne sich Altenkunstadt zurzeit nicht leisten. Daher müsse mit der Regierung über eine Verlängerung der Förderzusage verhandelt werden. „Zuerst sollte die Finanzierung im Haushaltsplan gesichert und der Haushalt verabschiedet werden, dann kann man die Bürger per Ratsbegehren befragen“, betont auch Frank Novotny (SPD). Die vom Bürgermeister vorgelegten Zahlen seien nicht realistisch.

„Der Gemeinde laufen die Kosten davon“, warnt auch Maximilian Deuber (FW). Allein beim ersten Bauabschnitt der Grundschule seinen zusätzliche Kosten von 1,1 Millionen Euro entstanden. „Können wir die Verantwortung dafür tragen, uns so stark zu verschulden?“, fragt Deuber.

Mit Vorschlägen wie dem Konzept für ein Lehrschwimmbecken bringt sich der Verein für kommunale Zusammenarbeit ein. Die Vorstandsmitglieder (v. li.) Bernd Detsch, Vorsitzender Volker Thormählen, Alois Dechant und Hans Steuer hatten das Konzept an Robert Hümmer übergeben. Foto: Archiv-Dieter Radziej

„Wir können es uns nicht leisten“, befürchtet auch Ludwig Winkler (FBO) angesichts der steigenden Kosten für die Grundschulsanierung und die noch offene Rechnung für die Neue Mitte. Er habe zwar immer ein Lehrschwimmbecken und eine Bürgerbefragung dazu gefordert, doch zur Zeit seien die Chancen, ein derartiges Großprojekt zu stemmen, schlecht. „Was ist, wenn die Bürger dafür stimmen und der Haushalt gibt es nicht her?“, gibt er zu bedenken. Grundsätzlich für die Bürgerbeteiligung und für das Lehrschwimmbecken spricht sich Stephanie Dittrich (Grüne) aus. Allerdings müssten vor einem Ratsbegehren transparent sowohl die Baukosten als auch die Betriebskosten und die Finanzierbarkeit im Gemeindehaushalt der kommenden Jahre dargestellt werden. „Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust, grundsätzlich bin ich angesichts der Pflichtaufgaben eher skeptisch, ob das finanzierbar ist“, erklärt sie.

Weidner: Wir müssen wissen, was es kostet und wieviel Geld wir haben

„Im Prinzip ist es sinnvoll, die Bürger zu fragen, aber so lange wir nicht wissen, was es genau kostet und was wir noch an Geld im Sparschwein haben, finde ich es nicht gut“, sagt Marco Weidner. Fraktionssprecher der JWU. Wenn die Bürger darüber abstimmen sollen, müssten sie alle Zahlen kennen. Deshalb wäre es sinnvoll die Entscheidung bis nach der Verabschiedung bis nach der Verabschiedung des Haushalt zu verschieben.

 

Von Gerhard Herrmann

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