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BURGKUNSTADT

Ortsumgehung Mainroth: Der Damm soll niedriger werden

Auf einer Länge von 4,7 Kilometern soll die Bundesstraße 289 verlegt werden, um Mainroth, Rothwind und Fassoldshof vom Durchgangsverkehr zu entlasten. Die Baukosten werden auf 45,4 Millionen Euro geschätzt. Für Mainroth fordert der Stadtrat Nachbesserungen beim Lärmschutz und zur Anbindung der landwirtschaftlichen Flächen. Foto: Grafik: Staatliches Bauamt Bayreuth

Mit der Planfeststellung rückt der Bau der Ortsumgehung Mainroth-Rothwind-Fassoldshof, für den sich die Stadt Burgkunstadt seit Jahrzehnten einsetzt, in greifbare Nähe. Die Planung des Staatlichen Bauamts Bayreuth hat der Stadtrat am Dienstagabend grundsätzlich begrüßt, aber gleichzeitig in der Stellungnahme der Stadt Verbesserungen beim Lärmschutz und bei den Zufahrten der Landwirte zu den Mainwiesen gefordert.

Wichtig ist den Mainrothern, dass der Damm der neuen Trasse nicht wie geplant sechs Meter hoch, sondern nur drei Meter hoch wird. Um das und Verbesserungen für die Landwirte zu erreichen, regte Michael Foltes (CSU) eine Prioritätenliste mit Forderungen an. So wird vorrangig eine Offenhaltung des Bahnübergangs Mainroth-West gefordert, was Brücken und Unterführung überflüssig machen würde und somit der geringste Eingriff in die Natur wäre. Weitere Forderungen sind eine Auffahrt auf die Bundesstraße mit Ampelregelung für Landwirte, eine weitere Überfahrung an der Sandgasse und eine Unterfahrung an der Horlache, die unterhalb des „Urgeländes“ liege, damit der Damm hier niedriger gebaut werden könnte.

Erhalt des Bahnübergangs West würde Eingriff in die Natur verringern

Außerdem fordert die Stadt einen aktiven Lärmschutz, um die Grenzwerte nicht nur zu erreichen, sondern möglichst zu unterschreiten. Die derzeitige B 289 von Mainroth bis zur Ortsumgehung solle komplett als Kreisstraße gewidmet werden, um die Unterhaltskosten zu senken – nicht nur das Teilstück von der Gärtenrother Straße in Richtung Burgkunstadt, fordert der Stadtrat. Schließlich diene das Teilstück hauptsächlich dem überörtlichen Verkehr zwischen den Landkreisen Kronach und Kulmbach und sei mit 870 Fahrzeugen am Tag auch stärker belastet als in Richtung Burgkunstadt (570 Fahrzeuge). Hinzu kommen Bitten um die Berücksichtigung von Wasserleitungen und Kanälen im Trassenverlauf.

Eine 3-D-Animation der geplanten Ortsumgehung finden sie hier

 

Zahlreiche Initiativen hat Burgkunstadt zur Stärkung der Innenstadt ergriffen – vom Stadtumbaumanagement bis zur Teilnahme an der Förderinitiative „Innen statt außen.“ Mit den Ergebnissen scheinen nicht alle Stadträte zufrieden zu sein. Erst nach längerer Diskussionen über die grundsätzliche Ausrichtung der Anstrengungen wurden die Erhebung der Innenentwicklungspotenziale durch die KlimaKom Kommunalberatung (11 841 Euro) und die Verlängerung des Vertrags über das Stadtumbaumanagement bis 2022 (jeweils 70 000 Euro pro Jahr) beschlossen. Eine Förderung von bis zu 80 Prozent hat die Regierung in Aussicht gestellt.

„Allein schon um die Dörfer zu beleben, lohnt sich die Erhebung.“
Christine Frieß, Bürgermeisterin

Die Erfassung der Innenentwicklungspotenziale ist die Voraussetzung für das Projekt „Innen statt außen“, wie Dr. Sabine Hafner von KlimaKom erklärte. Ziel sei die Entwicklung attraktiver Ortskerne: Die Stadtstruktur, die bisher eher einem Donut mit Speckgürtel und leerer Mitte gleiche, solle künftig die Form eines Krapfens mit leckerer Füllung annehmen. Um das zu erreichen, sollen alle Leerstände und von Leerstand bedrohten Flächen erfasst, Entwicklungsziele auf Karten dargestellt und eine Prioritätenliste für die Verwirklichung erstellt werden. Außerdem soll der Bedarf an Wohngebäuden bis 2034 ermittelt werden. Erstmals werden auch die Stadtteile untersucht.

Mit der Einrichtung sogenannter „Schuhfenster“ in leer stehenden Schaufenstern haben die Initiatoren vom Stadtumbaumanagement einen Beitrag zur Belebung der Altstadt geleistet. Außerdem machen sie Besucher auf das Schustermuseum neugierig. Foto: Roland Dietz

Auf den Einwand von Thomas Müller (BV), dass solche Erhebungen bereits für das Integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept und das Stadtumbaumanagement gemacht worden seien, erklärte Hafner, das es sich um eine Ergänzung und Aktualisierung der bis zu zehn Jahre alten Daten handele. Ziel sei eine Reduzierung des Flächenverbrauchs für Bau- und Gewerbegebiete. „Macht es Sinn, jeden einzelnen Leerstand zu erfassen, wenn die Hauptprobleme bekannt sind, wir aber bei der Beseitigung nicht weiterkomme?“, fragte Niklas Stadelmann (CSU). Auf den Einwand von Marco Hennemann (CSU), die Erhebung nütze wenig, wenn die Eigentümer nicht verkaufen wollten, meinte Hafner, dass dafür mehr unternommen werden müsse, als sie einmal anzuschreiben. „Allein schon um die Dörfer zu beleben, lohnt sich die Erhebung“, betonte Bürgermeisterin Christine Frieß.

Kritik an schleppender Umsetzung von Projekten wie Immobilienbörse

Den Vertrag für das Stadtumbaumanagement nur für ein Jahr zu verlängern und die Auftragssumme auf die bisherigen 50 000 Euro zu reduzieren, forderte Thomas Müller. Damit könne Druck aufgebaut werden, um Projekte abzuschließen. Mehr Zwischenergebnisse forderte Marco Hennemann. Für eine Prioritätenliste der Vorhaben und eine schnellere Umsetzung bei kleineren Vorhaben wie etwa Grünflächen und Sitzgelegenheiten am Marktplatz sprach sich Zweite Bürgermeisterin Susanne Bock von Wülfingen (FW) aus. Bürgermeisterin Frieß verwies auf zahlreiche Projekte des Stadtumbaumanagements von Innenentwicklung, Leerstandsmanagement und einer Immobilienbörse, bis zur Aufwertung des Marktplatzes, dem Stadtentwicklungskonzept mit dem Schustermuseum im Mittelpunkt und die Zukunftswerkstatt, die fortgesetzt werden sollten. Auch Kathrin Weißmann (CSU) warb dafür, deren Verwirklichung nicht durch eine kürzere Frist zu gefährden. Schließlich einigten sich die Räte bei zwei Gegenstimmen (Thomas Müller und Joachim Ruß) darauf, in einer weiteren Sitzung mit den verantwortlichen Architekten Franz Ullrich und Edith Obrusnik die Kritikpunkte zu diskutieren und eine Prioritätenliste für die Verwirklichung der Vorhaben zu erstellen.

Aus dem Stadtrat und Bauausschuss

Für die Schulen und Kindertagesstätten werden dort, wo sich die Fenster zum Lüften nicht öffnen lassen, Luftreinigungsgeräte (je 3500 Euro) und CO2-Messgeräte (Festbetragsförderung) angeschafft, teilte Kämmerin Heike Eber auf Frage von Dr. Ulrike Dinglreiter (BV) mit. Die Kosten tragen die Träger.

„Bei Steuern und Schlüsselzuweisungen gibt es wegen der Pandemie ein großes Fragezeichen“, sagt Eber auf Frage von Thomas Müller (BV) nach der Aufstellung des Haushaltsplans für 2021. Mangels Zahlen könne der Hauhalt erst im Frühjahr erstellt werden.

Abgelehnt hat der Stadtrat den Antrag auf Bau einer 10,1 Hektar großen Freiflächenphotovoltaikanlage bei Lopphof. Insgesamt seien im Stadtgebiet nur zehn Hektar für solche Solaranlagen vorgesehen, und das Vorhaben erreiche nicht die erforderliche Punktezahl im Leitfaden der Stadt, erklärte Bürgermeisterin Christine Frieß. Bei einer Investition von 5,7 Millionen Euro sei die Wertschöpfung von rund 30 000 Euro für heimische Handwerker zu gering, meinte Dr. Ulrike Dinglreiter. Ebenso wie Sebastian Callens (Grüne) sprach sie sich stattdessen für mehrere kleine Anlagen aus.

Um die Wasserversorgung gegen Cyberangriffe und Hardwareausfälle zu schützen, hat der Stadtrat die Umstellung des Prozessleitsystems beschlossen. Das 2014 installierte System wird durch einen Server und Leitrechner am Arbeitsplatz für 14 325 Euro von der Firma Wilo Emu Anlagenbau ersetzt. Zusätzlich fallen jährlich 2460 Euro für das Software-Update an. Alternativen wären ein Server und ein Leitrechner (12 260 Euro) oder die Erneuerung des bestehenden Serversystems (34 438 Euro) gewesen.

Der Bauausschuss hat den Einbau eines Fahrstuhls in der Realschule genehmigt. Für Diskussionen sorgte der Antrag auf Errichtung von drei Garagen und sieben Parkplätzen auf dem Grundstück Goethestraße 17 und 19, wegen der Versiegelung. Mit dem Hinweis, dass begrünte Dächer und Rasengittersteine verwendet werden sollten, wurde das Vorhaben bei vier Gegenstimmen gebilligt. Abgelehnt wurde der Tekturplan zum Neubau des Wohn- und Geschäftshauses Am Mühlbach 4, weil eine Absturzsicherung des Balkongeländers aus Milchglas nach Ansicht der Räte nicht ins Bild der Altstadt passt, mit 6:5 Stimmen. Ablehnung auf für einen1,90 Meter hohen Zaun mit Kunststoffstreifen im Meschleingraben 17, weil im Baugebiet Lerchenbühl I nur Holzzäune oder Hecken zulässig sind.

Der Ausbau der Bergstraße mit Wasserversorgung, Kanal, und Fahrbahn und Leerrohren für die Breitbandversorgung hat mit 442 633 Euro 151 066 weniger gekostet als zuvor geschätzt, wie die Bürgermeisterin mitteilte. Dank Zuschüssen der Rzwas muss die Stadt davon nur 347 684 Euro zahlen.

Für das Projekt „Jugend entscheidet“ der Hertie-Stiftung bewirbt sich Burgkunstadt auf Initiative von Bernarda Callens (Grüne). Um Jugendliche für Politik zu interessieren und sie an Entscheidungen zu beteiligen, wird Kommunen ohne Jugendparlament die Chance gegeben, jungen Menschen Wege zur Mitbestimmung zu geben.

Der Ausbau der Gemeindeverbindungsstraße von Eben nach Schmeilsdorf ist abgeschlossen, der Ausbau der Dr.-Bullinger-Straße soll spätestens zum 18. Dezember fertiggestellt sein, teilt Frieß auf Anfrage von Susanne Bock von Wülfingen (FW) mit.

Von Gerhard Herrmann

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