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ALTENKUNSTADT

Baiersdorf zeigt Nahwärme die kalte Schulter

Baiersdorf wird nicht mit Wärme aus der Prügeler Biogasanlage versorgt. Nicht genug Bürger erwärmten sich für die Idee, ihre Häuser an ein Nahwärmenetzes anzuschließen. Foto: Stephan Stöckel

Vor Ort Wärme erzeugen – dafür können sich mancherorts die Bürger erwärmen, andere aber nicht. In Oberleiterbach funktioniert das, im Altenkunstadter Ortsteil Baierdorf nicht. Auf wenig Interesse stieß der Plan, ein Nahwärmenetz in Baiersdorf zu bauen, um die Bürger mit Abwärme aus der Prügeler Biogasanlage versorgen.„Es wäre eine super Sache in punkto Umweltschutz gewesen“, bedauerte Gemeinderat Frank Novotny (SPD) aus Baiersdorf das Scheitern des Projektes.

Eine Auswertung zu Beginn des Jahres hatte ergeben, dass nur 24 Hauseigentümer an das Nahwärmenetz angeschlossen werden wollen. Selbst wenn die zwölf Gebäude im Neubaugebiet, das gerade von der Gemeinde erschlossen wird, und die sechs Häuser in einem derzeit privat erschlossenen Areal hinzukämen, wäre die Zahl noch immer zu klein, erklärte Bürgermeister Robert Hümmer am Dienstagabend im Gemeinderat.

Eine 3,4 Kilometer lange Leitung für 24 Häuser wäre zu teuer

Um die Gebäude zu versorgen, müsste man rund 3,4 Kilometer Wärmeleitung verlegen. „Aufgrund der geringen Belegungsdichte wären die Wärmeverluste mit mehr als 70 Prozent der erwarteten Wärmeabsätze nicht mehr tragbar. Andererseits wäre das Wärmenetz durch die hohen Kapitalkosten der Wärmeleitung nicht konkurrenzfähig gegenüber den Kosten üblicher Heizsysteme“, bilanzierte Hümmer.

Novotny betonte, dass man nun die Dorferneuerung von Baiersdorf und die Erneuerung der Mainecker Straße in Baiersdorf mit voller Kraft vorantreiben müsse. Nachdem bereits die Arbeiten an der Machbarkeitsstudie eingestellt worden waren, beschloss der Gemeinderat mit 16 zu vier Stimmen den Bau eines Nahwärmenetzes nicht weiter zu verfolgen.

Im November hatten die Räte beschlossen, ein eigenes Glasfasernetz zu verlegen und den Betrieb an den wirtschaftlichsten Betreiber zu übergeben, im Fachjargon Provider genannt. Finanziert werden die Glasfaseranschlüsse bis ins Haus (Fttb) überwiegend aus Mitteln der bayerischen Gigabitrichtlinie, die eine Förderquote von 90 Prozent vorsieht. In der jüngsten Sitzung wurde das Erschließungsgebiet für das Auswahlverfahren festgelegt, das sich in drei Lose aufgliedert.

Schnelles Internet für 717 Anwesen

Insgesamt 717 Anwesen sollen mit dem besonders schnellen Internet versorgt. Los eins umfasst die Gemeindeteile Burkheim, Pfaffendorf und Spiesberg sowie all jene Anwesen von Strössendorf, in denen noch keine Glasfaseranschlüsse verlegt wurden. Die Gemeindeteile Zeublitz und Tauschendorf wurden bereits an das Gigabitnetz angeschlossen. Georg Deuerling (FBO) wies darauf hin, dass man dabei einen Neubau in Zeublitz übersehen habe.

Im Lostopf zwei befinden sich 104 Haushalte aus Altenkunstadt und 20 aus Woffendorf. Die niedrige Zahl erklärt sich dadurch, dass viele Einwohner in diesen beiden Orten über einen Koaxialanschluss von Vodafone (vormals Kabel Deutschland) verfügen. Er ermöglicht bereits Downloadgeschwindigkeiten von über 100 Mbit pro Sekunde. Zudem wurde eine Wirtschaftlichkeitsprüfung durchgeführt. Nur dort, wo mehr als zehn Häuser ohne Koaxialanschluss in unmittelbarer Nähe zusammenkommen, wurden diese in das Erschließungsgebiet aufgenommen. Einwohner aus dem Zentralort Altenkunstadt und aus Woffendorf, die wissen wollen, ob ihr Anwesen mit angeschlossen wird, können bei der Gemeindeverwaltung nachfragen.

Außerdem bilden Baiersdorf, Maineck und Prügel eine Einheit. Einstimmig billigte der Rat das Erschließungsgebiet und ermächtigte Bürgermeister Robert Hümmer in das Auswahlverfahren einzusteigen.

Aus dem Gemeinderat: 122 500 Euro für Luftreinigungsgeräte in den Schulen

Abstand, Hygiene, Masken und eine Luft frei von Aerosolen sind der beste Schutz vor dem Coronavirus. Daher werden 13 Räume in der Grundschule und 22 in der Mittelschule mit mobilen Luftreinigungsgeräten ausgestattet. Die Gesamtkosten bezifferte Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) in der jüngsten Gemeinderatssitzung auf 122 500 Euro. Zudem teilte er mit, dass der Gemeinderat im Februar in nichtöffentlicher Sitzung einen Antrag auf Förderung bei der Regierung von Oberfranken gestellt habe.

Das Gremium hatte in nichtöffentlicher Sitzung zwei weitere Beschlüsse gefasst. Die Tragwerksplanungen für Altenkunstadts „Neue Mitte“, dem Areal rund um die Raiffeisenbank, wurden an das Büro Klamt in Naila zum Preis von 14 161 Euro vergeben. Bei der Generalsanierung der Grundschule verteuerten sich aufgrund geänderter Brandschutzanforderungen die Trockenbauarbeiten der Firma A.S.T. aus Pettstadt um 16 665 Euro.

Ludwig Winkler (FBO) erkundigte sich, ob das kürzlich montierte Mühlrad der Neumühle überdacht und beleuchtet werde. „Nur der Generator zur Stromerzeugung, der vom Eigentümer der Neumühle angebracht worden war, wird überdacht. Für die Beleuchtung sorgt ein Dynamo, der am Mühlrad installiert wird“, erklärte Bürgermeister Hümmer.

Der neue Mobilfunkmast sendet seit einem dreiviertel Jahre vom Altenkunstadter Hausberg Külmitz. Hümmer gab auf Nachfrage von Karlheinz Hofmann (SPD) bekannt, dass der alte Mast auf dem Hochhaus in der Woffendorfer Straße zwar noch stehe, aber abgeschaltet sei. Dies hätten Messungen von Bürgern und eine schriftliche Nachfrage bei der Betreiberfirma Deutsche Funkturm ergeben. Man werde wegen des Mastabbaus noch einmal beim Unternehmen nachhaken, versicherte Hümmer.

Der Strössendorfer Ortssprecher Christoph Domes monierte, dass der geschotterte Weg zum Kordigast, der im vergangenen Jahr neu befestigt worden war, nicht gut abtrockne und sich in einem schlechteren Zustand als vorher befinde. „Man kann wunderbar darauf fahren“, wies der Bürgermeister die Kritik zurück. Viele Autofahrer würden sich nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern halten. Dass der Winterdienst bei seinen Einsätzen Schotter zur Seite schiebe, lasse sich nicht verhindern. Außerdem habe der Verkehr zugenommen. Dass man das Auto nach einer Fahrt auf dem verschneiten Weg in die Waschanlage fahren müsse, wie Domes beklagte, sei normal, so Hümmer.

Von Stephan Stöckel

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