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Leserforum: Kosten kein Grund zur Ablehnung eines Hallenbads

Aus für ein Lehrschwimmbecken in Röhrig
Kinder lernen Schwimmen mit Schwimmbrettern. Das wird es in Altenkunstadt nicht geben. Der Gemeinderat besiegelte das Aus für das geplante Lehrschwimmbecken. Foto: DLRG

Beim Lesen der Aussagen einiger Gemeinderäte muss man sich fragen, ob es

wirklich faktenbasierte Vernunftsentscheidungen sind oder ob es sich um ideologische Bauchentscheidungen handelt, die zum „Aus" für das Lehrschwimmbecken führten. Denn die

Notwendigkeit eines Lehrschwimmbeckens steht ja gar nicht zur Diskussion.

Den Bedarf hat das Kultusministerium anhand der Schulen und der Schülerzahlen bereits ermittelt und die schulaufsichtliche Genehmigung erteilt. Nur mit dieser Genehmigung sind Zuschüsse vom Freistaat Bayern für ein Bad überhaupt möglich. D.h. bereits die drei

Grundschulen, die Förderschule, die Mittelschule, die Realschule und das

Gymnasium rechtfertigen für den Freistaat bereits den Bau eines Bades.

Dazu kommen dann noch die Vereine, die Senioren, VHS-Kurse wie etwa

Aquazumba, die Familien, Kinderschwimmkurse, Babyschwimmen für junge Eltern oder einfach sportbegeisterte Schwimmer, die gerne einige Bahnen nach Feierabend ziehen.

Am fehlenden Bedarf kann die Ablegung des Gemeinderats also nicht liegen. Möglicherweise sind die Baukosten ein Problem?

Der Freistaat Bayern fördert, wie oben ausgeführt den Bau von Bädern normalerweise mit 35 Prozent. Altenkunstadt bekäme fast 70 Prozent Fördergelder. Außerdem haben die Nachbarkommunen (Weismain sogar über eine

Privatinitiative) und der Landkreis zugesagt, sich an den Baukosten zu beteiligen. Über diesen Umstand würde sich jeder andere Bad-Bauer freuen. Die

meisten Kommunen müssen für den Bäderbau alleine aufkommen und das bei niedrigerer Förderung als für Altenkunstadt möglich wäre.

Natürlich verbleibt eine Restsumme für Altenkunstadt, die je nach Rechenmodell auf 25 oder 30 Jahre getilgt werden muss. D.h. der Haushalt, der rund 28 Millionen Euro umfasst, würde mit weniger als 100 000 Euro zusätzlich belastet, vermutlich sogar nur 68 000 Euro.

Natürlich kostet der Schwimmunterricht der Gemeinde Altenkunstadt heute schon Geld. Nur fließt dieses eben nach Michelau, anstatt dass es vor Ort in ein eigenes Bad gesteckt wird. Vom

Zeitaufwand und Bustransfer ganz zu schweigen. An den Baukosten kann es also auch nicht liegen, dass das Hallenbad abgelehnt wurde.

Vielleicht sind es also die Betriebskosten? Größter Posten dürften die Personalkosten sein. Kosten, die bei einem

ehrenamtlichen Betrieb nicht entstehen. Küps wird beispielsweise so

betrieben. Es gibt keinen Bademeister (Fachangestellten). Die DLRG-Küps leistet dort Wachdienst und ermöglicht so der Bevölkerung, schwimmen zu gehen. Fünf Jahre lang hat die DLRG Burgkunstadt das Kathi-Baur-Bad betrieben. Man darf also unterstellen, dass der Verein das Know-How dazu besitzt,

ein Bad kostendeckend zu führen.

Übrigens werden junge Familien nicht

danach fragen, was ein Bad im Jahr die Kommune im Haushalt kostet, sondern sie werden fragen: „Gibt es Möglichkeiten, mit meinen Kindern während der langen Wintertage auch mal was zu unternehmen?" oder „Können meine

Kinder vor Ort schwimmen lernen?" Andere Kommunen, darunter Marktgraitz als sehr kleine Kommune, können sich Bäder leisten und ganz

offensichtlich wollen sie sich Bäder leisten, weil sie den Vorteil für Ihre Bevölkerung erkannt haben.

Es bleibt die Frage, wie sich die Gemeinderäte, die gegen das Bad gestimmt haben, ins Projekt eingebracht haben?

Wer hat sich Gedanken gemacht, ob man über Stiftungen zusätzliche Gelder

bekommen kann? Wer hat andere Bäder besucht und sich über Kosten und Betriebsmodelle informiert? Wer hat sich Gedanken gemacht, was in der Kalkulation eingespart werden könnte,

um ein Hallenbad doch noch realisieren zu können? Ablehnen ist leichter,

als Arbeit zu investieren.

Betrachtet man sich die Argumente bleibt also nur noch ein Punkt übrig.

Die Ideologie. Es scheint für einige Gemeinderäte eher ein politisch-ideologisches Thema zu sein, das Bad zu verhindern. Über die Gründe kann man nur mutmaßen. In jedem Fall aber eine Bauchentscheidung gegen die Bevölkerung und Kinder.

Thomas Schneider Burgkunstadt

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