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Leserforum: Gesellschaft braucht Respekt vor anderen Meinungen

Ein Abonnent schreibt einen Leserbrief an das Obermain-Tagblatt.
Ein Abonnent schreibt einen Leserbrief an das Obermain-Tagblatt. Foto: Daniel Naupold (dpa)

Die geographische Spaltung Deutschlands wurde 1949 vollzogen, bei uns in Oberfranken beispielsweise in der Ortschaft Mödlareuth, wo 41 Jahre lang die innerdeutsche Grenze verlief. Die gesellschaftliche Spaltung Deutschlands, die aktuell zwischen Geimpften und Ungeimpften passiert, ist zwar nicht geographisch sichtbar, jedoch wird täglich Nährboden für gegenseitige Anfeindungen geschaffen, festgelegt durch die Politik und propagiert durch die Medien. Die Frage die sich mir hierzu stellt: „Wie kann es in einem technisch und gesellschaftlich hoch entwickelten Land wie Deutschland zur Generierung einer solchen Spaltung kommen?“

Die etablierten, alteingesessenen Medien, ob nun staatlich oder privat, ob Radio oder Printmedien, sollten auf Fakten basierend uns als Bevölkerung objektiv und neutral berichten und gerade hinsichtlich dieser Pandemie auch aufklären. Berichterstattungen dieser Medien haben sich zu Vasallen des RKI, des Gesundheitsministeriums und dessen Minister instrumentalisieren lassen. Kritische Stimmen und Fachleute, die anderer Meinung sind, werden der Öffentlichkeit vorenthalten.

Von einer unabhängigen und freien Medienlandschaft sind wir, zumindest bei dem Thema Corona, meilenweit entfernt. Zensur in den sozialen Medien, wie z.B. Facebook, ist zum erschreckenden Alltag geworden, obwohl wir dies einst nur von Ländern wie z.B. China und Belarus kannten. Vor Corona kannte ich niemanden, der dies für gut hielt. Heute scheint es vielen egal zu sein aufgrund der Tatsache, dass sie es nicht wissen oder aber die Augen davor verschließen.

Dezember 2020 – Bundesgesundheitsminister Spahn: „Wenn alles gutgeht, könnte dadurch im Herbst / Winter 2021 eine Herdenimmunität aufgebaut sein.“ Juni 2021 – Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärt in Berlin: „Wer sich nicht impfen lässt, wird sich früher oder später mit dem Coronavirus infizieren!“ „Impfung oder Infektion – das ist die Wahl für jeden einzelnen!“ Doch wo ist sie, die ach so hoch gelobte Herdenimmunität?

Ganz leise und zögerlich wurden auf einmal Impfdurchbrüche öffentlich gemacht, weil man sie nicht mehr verheimlichen konnte. Da in diesen Sphären jedoch keine Fehler gemacht werden, musste die Bevölkerung nun davon überzeugt werden, dass die Impfung vor einem schweren Verlauf schützt, wenn sie schon kein Schutz vor Ansteckung mit Corona ist. Auch dies lässt sich aber mittlerweile nicht mehr als Fakt der Öffentlichkeit verkaufen, denn sowohl Geimpfte als auch Ungeimpfte sind auf den Intensivstationen vorzufinden. Wie kann man denn unseren politischen Entscheidungsträgern nach solchen Nachrichten noch Glauben schenken?

Wahllose und weder einheitlich noch verständlich dargestellte Regelungen und Informationen für uns Bürgerinnen und Bürger runden das Bild eines überforderten Konglomerats aus Bundes- und Landespolitik sowie des RKI ab.

Unsere Politik wirbt mit dem „Booster.“ „Der Booster ist der beste Schutz“ so unser Bayerischer Ministerpräsident Söder auf seiner Instagram Seite, und zeitgleich ruft er die Pandemie der Ungeimpften aus. Wie kann es sein, dass ein Ministerpräsident, nach all den Erkenntnissen und Fakten der letzten Monate, so eine Hetze auf die Ungeimpften betreibt und in diesem Zuge so viel Angst und Panik verbreitet, welche die Gesellschaft noch mehr spaltet?

Sollte sich unsere Politik nicht eher darum kümmern, dass Krankenhausbetten aufgestockt und nicht – selbst während der Pandemie – abgebaut werden? Sollten unsere Pflegeberufe nicht lukrativer werden? Sollten die Bedingungen für unser Pflegepersonal nicht verbessert werden?

Anfänglich sprach man lediglich von einem Impfangebot für alle, was so viel heißt: Wer eine Impfung haben möchte, der bekommt sie auch. Doch jetzt erleben wir genau das Gegenteil. Wer keine Impfung möchte, ist ein Querdenker und oftmals geht man sogar noch einen Schritt weiter und drückt sie damit in die rechte Ecke.

Querdenken oder laterales Denken war einst Ausdruck einer Denkmethode, welche zur Lösung von Problemen oder zur Ideenfindung eingesetzt wurde. Durch Politik und Medien wurde es zum Synonym für Leute, die die Regierungsmeinung einfach nur hinterfragen.

Das ist nicht mehr das Deutschland, das ich bisher kannte. Den Glauben an Politik und Medienlandschaft habe ich persönlich verloren. Jedoch glaube ich fest an eine Gesellschaft, die aufgrund dieser Pandemie und dieser undurchsichtigen Vorgehensweise der Politik, enger zusammenrückt, sich als Einheit präsentiert und jedem Menschen den Respekt auf freie Meinungsäußerung zollt.

Angelika Popp Weismain

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