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STRÖSSENDORF

Lange war das Strössendorfer Schloss zweigeteilt

Lange war das Strössendorfer Schloss zweigeteilt
Ein imposantes Gebäude: Schloss Strössendorf von der Rückseite her gesehen. Foto: Günter Dippold

1408 hören wir zum ersten Mal von einem Adelssitz in Strössendorf. Damals vermachte Plantscha, die Witwe des Wolfram Marschalk von Kunstadt, ihren freieigenen Sitz in Strössendorf zusammen mit Besitz in der Umgebung, bis in den Raum Küps, an ihren Schwager Heinz von Schaumberg, Knoch genannt. Dieser hatte zuvor auf der Burg in Burgellern bei Scheßlitz gesessen.

Der Ort Strössendorf ist weit früher erwähnt, als nämlich 1180 Rudolf von Widence, ein Adliger aus dem nahen Weidnitz, seinen Besitz in Strössendorf dem Zisterzienserkloster Langheim übertrug. Die Abtei hatte bis zu ihrer Aufhebung 1803 einen Hof in Strössendorf.

Im 13. Jahrhundert dürfte dann das Adelsgeschlecht Marschalk, das seinen Stammsitz in Burgkunstadt hatte, eine Burg auf dem Hang über dem Main errichtet haben. Die Reste dieser ersten Burg in Strössendorf stecken wohl in der Nordostecke des bestehenden Schlosses, und auch der Bergfried dürfte im Kern auf diese Zeit zurückgehen. In der Folge wurde der Bau dann nach Nordwesten erweitert.

Versuchten die Strössendorfer ihre Fürsten gegeneinander auszuspielen?

Bald teilten die Nachkommen des Heinz von Schaumberg sie unter sich auf. Wie in manch anderer Burg lebten zwei Familienlinien nebeneinander auf dem Burgareal. Sie trugen ihre Hälften unterschiedlichen Fürsten zu Lehen auf. Das bedeutet: Sie übergaben die Burg einem Fürsten und erhielten sie als Lehen zurück. Während ein Teil ab 1419 von den Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach zu Lehen ging, erhielt der andere 50 Jahre später den Bamberger Bischof als Lehensherrn. Es bleibt unklar, ob dahinter familiärer Zwist steckte oder der Versuch, den einen Fürsten gegen den anderen auszuspielen, um sich so eine größtmögliche Unabhängigkeit zu sichern.

Im Bauernkrieg von 1525 wurde die Burg zerstört, mindestens aber schwer beschädigt. Während die Wiederaufbauarbeiten noch im Gange waren, wurden 1549 die beiden Hälften der Burg vereint, als eine der beiden Linien ausstarb. Allerdings wurde der brandenburgische Teil 1644 an Hans Wilhelm von Streitberg verpfändet, so dass bis zu dessen Tod im Jahr 1690 erneut zwei Adelsfamilien auf der Burg lebten.

Lange war das Strössendorfer Schloss zweigeteilt
Schloss Strössendorf mit Kirche um 1900. Foto: Günter Dippold

Seine äußere Gestalt erhielt der Strössendorfer Ansitz in der Zwischenzeit, als die Anlage in einer Hand war. Wohl um 1560/70 und erneut um 1600 wurde das Schloss nach Süden hin erheblich erweitert. Wenig später erhielt die Kirche unter Achaz Georg Wolf von Schaumberg ein größeres Langhaus.

Ein evangelischer Schlossprediger im katholischen Pfarrsprengel

Ab 1574 wirkten katholische Geistliche in Altenkunstadt, in dessen Pfarrsprengel Strössendorf lag. Von dieser Zeit an unterhielten die Schaumberg einen evangelischen Schlossprediger in Strössendorf, während die katholische Pfarrkirche des Nachbarorts vorerst als ihre Grablege diente.

Wie in den meisten ritterschaftlichen Orten ließ der Bamberger Fürstbischof 1629 den evangelischen Geistlichen gegen den heftigen Protest der Schlossherrschaft vertreiben. Nach Ende des Dreißigjährigen Kriegs wurde die evangelische Pfarrei allerdings wieder hergestellt. Der evangelische Geistliche blieb freilich nur für das Schlossareal zuständig, während die Dorfbewohner, unabhängig von ihrem Bekenntnis, bei der katholischen Pfarrei Altenkunstadt blieben.

Da die konfessionellen Verhältnisse im Reich von 1648 auf dem Stand von 1624 eingefroren waren, änderte sich an den Rechtsverhältnissen nichts, als im frühen 18. Jahrhundert ein Strössendorfer Schaumberg zum katholischen Glauben übertrat. Mit großem Aufwand rich-tete er sich eine Schlosskirche in einem spätmittelalterlichen Wehrturm ein. Die Decke dieses Kirchenraums ist mit einer gekonnten Illusionsmalerei aus dem Jahr 1742 geschmückt. Dank des Glaubenswechsels wurde der 1748 geborene Johann Philipp Anton von Schaumberg ins Bamberger Domkapitel aufgenommen, wo er bis zur Würde des Dompropstes aufstieg. Der einflussreiche Geistliche starb 1801 bei einem Aufenthalt in Strössendorf.

Lange war das Strössendorfer Schloss zweigeteilt
Die Karte zeigt Schloss Strössendorf mit Gartenanlagen, Mitte des 19. Jahrhunderts. Foto: Günter Dippold

Der Strössendorfer Ansitz erschien damals einem Banzer Benediktiner als „ein schön eingerichtetes Schloß mit einer Schloßkapelle“. Immerhin war der Bau zwischen 1736 und 1770 im Äußeren vereinheitlicht worden; man hatte die Fenster vergrößert und die wichtigen Räume in schlichter Form stuckiert. Ferner hatte die Schlossherrschaft „einen herrlichen Garten“ anlegen lassen.

Der letzte Schaumberg wurde im Schloss Kleinziegenfeld ermordet

1858 wurde der letzte Schaumberg zu Strössendorf in seinem anderen Schloss Kleinziegenfeld ermordet. Seine Erben verkauften beide Adelssitze an Franz Friedrich Karl Freiherrn von Seckendorff-Aberdar zu Unternzenn und Ebneth. Seine Familie ist bis heute im Eigentum von Schloss Strössendorf.

 

Von Günter Dippold

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