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BURGKUNSTADT

Kita-Mitarbeiter und Träger fordern Erhalt der Sprach-Kitas

Kita-Mitarbeiter und Träger fordern Erhalt der Sprach-Kitas
Über eine mögliche Beendigung des Bundesprogrammes Sprach-Kita diskutierten (v. li.) Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner, die Leiterin des evangelischen Kindergartens Christuskirche in Burgkunstadt Ute Seelmann, die Trägervertreterin des Dekanats Michelau Anke Hassel, Sprachfachkraft Andrea Roderer, die Leiterin der „Villa Sonnenschein Kronach“ Elke Reif-Beck, Daniela Günther, die stellvertretende Leiterin der Kita „Grünschnabel Redwitz“ und die Sprachexpertin der Burgkunstadter Einrichtung Katrin Zalesky-Gick. Foto: Roland Dietz

Über die mögliche Beendigung des Bundesprogrammes „Sprach-Kitas“ zum Jahresende diskutierte Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner (CSU) mit Kita-Mitarbeiterinnen und Vertreterinnen der Träger im evangelischen Kindergarten Christuskirche in Burgkunstadt. Die Leiterin Ute Seelmann begrüßte dazu auch die Trägervertreterin des Dekanats Michelau Anke Hassel, Sprachfachkraft Andrea Roderer von der Kita „Villa Sonnenschein Kronach, die Leiterin der „Villa Sonnenschein Kronach“ Elke Reif-Beck, die stellvertretende Leiterin der Kita „Grünschnabel Redwitz“ Daniela Günther und die Sprachexpertin der Burgkunstadter Einrichtung Katrin Zalesky-Gick.

Die Idee zu dem Gespräch hatte Stadträtin Katrin Weißmann. Das Programm „Sprach-Kitas“ richtet sich an Kitas, die von einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Kindern mit besonderem sprachlichem Förderbedarf besucht werden. Dabei baut es auf den erfolgreichen Ansätzen des Programms „Schwerpunkt-Kitas Sprache & Integration“ auf, das seit 20011 besteht. Hieran war der evangelische Kindergarten Christuskirche in Burgkunstadt von Anfang an beteiligt.

Sprechkompetenz der Teilnehmer nachweisbar gestiegen

„Ein Ende wäre ein wesentlicher Rückschritt im Entwicklungsprozess der Sprachförderung“, warnte die als Sprachkraft arbeitende Katrin Zalesky-Gick. Seit es die „Sprach-Kitas“ gebe, habe sich laut Auswertungen in diesen Einrichtungen die Sprechkompetenz der Kinder wesentlich verbessert. „Nur mit zusätzlichen Sprachfachkräften ist diese Verbesserung möglich geworden“, betonte sie. Die Sprachförderung habe vier Schwerpunkte: die alltagsintegrierende Bildung, die Zusammenarbeit mit den Familien, Inklusion und Digitalisierung.

Sollte das Programm beendet werden, gehe den Kitas Personal verloren. Was Spracherzieherinnen leisten, könne in den Einrichtungen nicht ersetzt werden.

Kita-Mitarbeiter und Träger fordern Erhalt der Sprach-Kitas
Für den Erhalt der Sprach-Kitas plädieren (v. li.) Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner, die Leiterin des evangelischen Kindergartens Christuskirche in Burgkunstadt Ute Seelmann und die Trägervertreterin des Dekanats Michelau Anke Hassel. Foto: Roland Dietz

„Sprache ist eine wesentliche Grundlage nicht nur für die Weiterentwicklung der Kinder“, bestätigte auch Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner. Gute Sprachkenntnis seien ein Schlüssel für die Zukunft der Kinder, wenn sie in zehn bis 15 Jahren auf weiterführende Schulen wechseln oder und Berufsleben einsteigen. „Eine positive Sprachentwicklung im Kindesalter wird für die Wirtschaft früher oder später wichtig sein, um dringend benötigtes Fachpersonal ausbilden zu können“, betonte die Abgeordnete. Der Grundstock einer späteren Qualifikation werde somit schon in einer Sprachkita mitgelegt.

Deshalb werde sie sich dafür einsetzen, dass das Programm „Sprach-Kitas“ erhalten bleibe. Und für den Fall, dass das Bundesprogramm beendet würde, sollten in Bayern alle politischen Möglichkeiten für eine Weiterführung debattiert werden. Sie werde dafür alle Möglichkeiten prüfen.

„Sprach-Kitas sind auch deshalb nötig, weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist.“
Anke Hassel, Trägervertreterin Dekanat Michelau

„Hier soll an völlig falscher Stelle gespart werden“, bedauerte die Trägervertreterin des Dekanats Michelau Anke Hassel. Es sei positiv, dass Kinder mit Migrationshintergrund mehrsprachig aufwachsen, doch das müsse in die richtigen Bahnen gelenkt werden. Dazu gehöre es auch, die Eltern mit ins Boot zu nehmen. „In Sprach-Kitas werden hervorragende Erfolge erzielt und auch die Eltern werden durch ihre Mitarbeit wesentlich besser integriert“, betonte Hassel. Neben Migranten profitierten auch Kinder aus sozial schwächeren Familien von einer guten sprachlichen Bildung von Kindesbeinen an. „Sprach-Kitas sind auch deshalb nötig, weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“, sagte sie. Dies wirke sich auch positive auf den Umgang miteinander im öffentlichen Leben aus.

„Es werden positive Entwicklungen in diesem Bereich einfach ausgebremst“, ergänzte Sprachfachkraft Andrea Roderer. Schließlich hae sich die Zahl der Integrationskinder in Deutschland in den vergangenen sechs Jahren verdoppelt. Die Überlegungen, das Programm zu beenden, frustrierten die Fachkräfte, sagte Katrin Zalesky-Gick. Und Alternativen seien ohne Sprachfachkräfte nicht zu leisten.

Aufruf zum Unterschreiben einer Petition an den Bundestag

Daher sei es wichtig, die Petition „Sprach-Kitas retten“ zu unterstützen, waren sich alle Beteiligten einig. „Unterschreiben sie, damit wir möglichst viele Unterschriften im Petitionsausschuss des Bundestages übergeben können“, appellierte Kita-Leiterin Ute Seelmann. „Der Erhalt der Sprach-Kitas kommt unseren Kleinsten zugute, denn über Jahre wurden erfolgreiche Strukturen und Kompetenzen aufgebaut.“ Je häufiger und intensiver Sprachfachkräfte oder Erzieher mit einem Kind arbeiten, desto höher seien die kognitiven, sprachlichen und sozial-emotionalen Entwicklungsfortschritte des Kindes.

 

Von Roland Dietz

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