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Keine Klärschlammtrocknung in Baiersdorf

Keine Klärschlammtrocknung in Baiersdorf
Bürger protestierten vor der Gemeinderatssitzung im Pfarrjugendheim gegen die geplante Klärtrocknungsanlage. Die Gemeinderäte (von links) Almut Schuhmann, Gunther Czepera und Georg Deuerling gehörten zu den 17 Räten, die das Vorhaben zu Fall brachten. Foto: Stephan Stöckel

Während am Dienstagabend auf dem Marktplatz der Bau eines Lehrschwimmbeckens gefordert wurde, demonstrierten vor dem katholischen Pfarrjugendheim Bürger gegen den geplanten Bau einer Klärschlammtrocknungsanlage auf dem Gelände der Biogasanlage zwischen den Ortsteilen Baiersdorf und Prügel. „Stopp – keine Klärschlammtrocknung“, stand auf dem Transparent zu lesen, mit dem Liane Neidlein und Doris Brinschwitz die Gemeinderäte empfingen. Während für die Befürworter des Lehrschwimmbeckens der Erfolg noch in den Sternen steht, konnten die Bürger aus Baiersdorf und Prügel einen Sieg einfahren. Nur Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) stimmte für das Vorhaben. Die anderen 17 anwesenden Gemeinderäte lehnten es ab.

Die Bürger hatten in den vergangenen Wochen fleißig Unterschriften gesammelt. In Baiersdorf lehnten 98 Prozent der Erwachsenen das Vorhaben ab, in Prügel 80 und im Altenkunstadter Wohngebiet Lindig 95. „Wir befürchten einen Klärschlammtourismus, der zu einer Zunahme des Schwerlastverkehrs, einer Lärm- und einer Geruchsbelästigung führt“, erklärte Liane Neidlein im Gespräch mit dieser Zeitung. Das Coburger Müllheizkraftwerk des Zweckverbandes für Abfallwirtschaft in Nordwest-Oberfranken hält die Einwohnerin aus Prügel für ausreichend.

Frank Novotny (SPD) und Georg Deuerling von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) betonten, dass man die Bedenken der Bürger nicht übergehen dürfe. Deuerling und Joseph Jachmann (Bündnisgrüne) äußerten die Befürchtung, dass man mit einer Genehmigung der Trocknungsanlage der Schaffung eines Gewerbegebietes Tür und Tor öffne. „Es wird aufgerüstet und wir haben noch mehr Laster, die zur Biogasanlage fahren“, befürchtete Jachmann.

Hümmer, der die Befürchtung nicht teilte, hatte zuvor die technischen Details der Trocknungsanlage mit Luftreinigungsfilter erläutert, in der jährlich 5000 Tonnen kommunalen Klärschlamms verarbeitet werden sollen. Der Wärmebezug erfolgt über die Biogasanlage des Betreibers.

Agrovoltaikanlage bei der Trebitzmühle geplant

In konventionellen Solarparks gehen die Flächen für die Landwirtschaft komplett verloren. Nicht so bei der Agrovoltaik. Der Landwirt kann unter Solarmodulen arbeiten, die horizontal beziehungsweise leicht schräg mehrere Meter über der landwirtschaftlichen Fläche aufgeständert sind. Eine solche Anlage möchte der Strössendorfer Baron Christoph von Seckendorff auf einem Grundstück unweit der Trebitzmühle errichten. Mit seinem Vorhaben will er einen Beitrag dazu leisten, seinen Forstbetrieb, der unter dem Klimawandel zu leiden hat, wieder auf gesunde Beine zu stellen.

Strom für 800 Haushalte soll auf vier Hektar produziert werden

Sascha Sebald vom Planungsbüro „Solwerk“ aus Bamberg, stellte das Projekt vor. Errichtet werden soll die Agrovoltaikanlage auf einem vier Hektar großen Areal, das sich etwas abgelegen oberhalb der Trebitzmühle befindet. „Vom Ortsteil Strößendorf ist es 200 Meter entfernt, so dass keine Beeinträchtigung erfolgt“, stellte der Experte fest. Ein Einspeisepunkt ist mit der Trebitzmühle bereits vorhanden. Die Anlage mit einer Leistung von 3,1 Megawattpeak liefert Strom für 800 Haushalte, was einer jährlichen CO2-Einsparung von 3717 Tonnen entspricht. Der Strom soll nicht nur in das allgemeine Stromnetz eingespeist werden. Mit ihm soll auch Wasserstoff erzeugt werden. Damit sollen die Fahrzeuge des Forstbetriebes fahren.

Mutterschafe und eine Kräterwiese

Unter den Modulen sollen rund 20 Mutterschafe und ihre Lämmer grasen. Sie sollen Biofleisch, Fell und Wolle produzieren. Den Baubeginn datierte Sebald auf 2022. Mit der Produktion von Wasserstoff soll ab 2025 begonnen werden. Eine Kräuterwiese mit Biotopbausteinen soll das Vorhaben ökologisch aufwerten. Die Resonanz auf das Vorhaben fiel positiv aus. Ein Beschluss wurde jedoch noch nicht gefasst. Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) wies daraufhin, dass zunächst einmal ein Gesamtkonzept über geeignete Photovoltaikstandorte in der Gemeinde Altenkunstadt erstellt werde.

Lehrschwimmbecken nur am Rande ein Thema

Das Lehrschwimmbecken spielte in der Gemeinderatssitzung nur am Rande eine Rolle. Landschaftsarchitektin Susanne Augsten teilte mit, dass es in das Sanierungsgebiet für das Integrierte Städtebauliche Entwicklungsprogramm (ISEK) mit aufgenommen worden war. „Das Bad ist ein Pluspunkt für die Gemeinde. In ihm erlernt die Jugend das Schwimmen und die Senioren halten sich fit“, sprach die Rednerin den Befürworten aus der Seele. Zugleich stellte sie aber auch fest: „Die Verwirklichung steht auf einem anderen Blatt.“ Ursprünglich hatte das Sanierungsgebiet nur den Innenort umfasst. Inzwischen wurden auch Bereiche mit aufgenommen, die außerhalb des Ortskerns liegen. Die Expertin nannte neben dem Lehrschwimmbecken das Gewerbegebiet in Woffendorf, die Platzgestaltung im Bereich der evangelischen Kirche, die Sudetenstraße und das Wohngebiet „Heide“ in Woffendorf.

 

Von Stephan Stöckel

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