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ALTENKUNSTADT

Gemeinde Altenkunstadt verlegt eigenes Glasfasernetz

Gemeinde Altenkunstadt verlegt eigenes Glasfasernetz
IDie Gemeinde Altenkunstadt baut ihr eigenes Glasfasernetz und übergibt den Betrieb an den wirtschaftlichsten Betreiber. Das Bild zeigt einen Techniker bei seiner Arbeit an einem Glasfaserkabelschrank. Foto: Telekom/Wolfram Scheible

Videokonferenzen abhalten, große Datenmengen vom Homeoffice aus verschicken oder lernen im Distanzunterricht – die Coronakrise hat allen vor Augen geführt, wie wichtig ein gut funktionierendes und schnelles Internet heutzutage ist. Ganz in diesem Sinne fasste der Gemeinderat am Dienstagabend in der Grundschulturnhalle einen einstimmigen Beschluss: Die Gemeinde Altenkunstadt verlegt ihr eigenes Glasfasernetz und übergibt den Betrieb an den wirtschaftlichsten Betreiber, im Fachjargon Provider genannt. Finanziert werden die durchgängigen Glasfaseranschlüsse bis ins Haus (Fttb) überwiegend aus Mitteln der bayerischen Gigabitrichtlinie, die eine Förderquote von bis zu 90 Prozent vorsieht.

Freuen dürfen sich auch die Bürger. „Sie bezahlen nichts“, verkündete Diplom-Ingenieur Siegbert Reuther vom Ingenieurbüro Reuther NetConsult aus Bad Staffelstein auf Nachfrage des Strössendorfer Ortssprechers Christoph Domes.

Mit dem Glasfaseranschluss im Keller ist es allerdings nicht getan. „Für die Datenverkabelung im Haus müssen die Eigentümer selbst sorgen, da die derzeitigen Internet- und Telefonanschlüsse für die moderne Technik nicht ausgelegt sind“, goss der Experte Wasser in den Wein der Einwohner. Ausgenommen von dem Förderprogramm sind laut Reuther alle Hauseigentümer, die über Koaxialkabel der Kabelnetzbetreiber mit gigabitfähigen Anschlüssen versorgt sind. Hier werde man, prognostizierte Reuther, fünf bis sechs Jahre warten müsse, bis diese in die Glasfaserförderung aufgenommen würden.

Daseinsvorsorge sollte in die öffentliche Hand

Die Gemeinde Altenkunstadt hätte sich auch für das Wirtschaftlichkeitslückenmodell entscheiden können. In diesem Fall hätte der wirtschaftlichste Anbieter das geförderte Fttb-Netz ausgebaut und wäre zugleich Eigentümer desselbigen geworden. Das Gremium hatte sich für das eingangs beschriebene Betreibermodell entschieden, das den Berechnungen Reuthers zufolge eine jährliche Pacht von 300 000 Euro pro Jahr verspricht. „Auch wenn die ersten sieben Jahre Pachterträge von der Förderung abgezogen werden, rechnet sich das Modell“, betonte der Redner. Er vertrat die Ansicht, das ein Thema der Daseinsvorsorge, wie das Internet, in die öffentliche Hand gehöre.

Gemeinde Altenkunstadt verlegt eigenes Glasfasernetz
Illustrationsphoto Mai 2006Glasfaserleitungen in der Foto: Telekom/Wolfram Scheible

Georg Deuerling von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) schlug vor, im Rahmen der Interkommunalen Zusammenarbeit mit Burgkunstadt und Weismain ein solches Glasfasernetz providerneutral zu betreiben. Reuther sprach von einer mittelfristig guten Idee, verwies aber zugleich darauf, dass das Förderprogramm erst einmal einen Provider vorsehe.

Seit 2020 gelten neue Richtwerte

Bislang wurden Gebiete mit einer Downloadgeschwindigkeit von weniger als 30 Mbit pro Sekunde als unterversorgt eingestuft. Seit Januar 2020 gelten den Ausführungen des Referenten neue Richtwerte: 100 Mbit pro Sekunde für Privathaushalte und 500 Mbit pro Sekunde für Gewerbetreibende. Ab 2023 soll die Untergrenze für Privathaushalte sogar auf 250 Mbit pro Sekunde angehoben werden.

Erster Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) hatte den Förderhöchstsatz pro förderfähigem Hausanschluss auf 6000 Euro und die maximale Förderhöhe auf acht Millionen Euro beziffert. Letztere Summe werde man, ergänzte Reuther, nicht erreichen, da man nicht alle Haushalte in Altenkunstadt und seinen Ortsteilen anschließen werde.

130 Gebäude in Altenkunstadt erhalten superschnelles Internet

Zeublitz, Trebitzmühle, Tauschendorf, der Kordigast und Woffendorf sind bereits komplett mit Glasfaser versorgt. Auch einige Haushalte in Strössendorf und Altenkunstadt verfügen bereits über Glasfaser, wie man den Karten entnehmen konnte, die Reuther zeigte. In Strössendorf erhalten alle übrigen Haushalte das superschnelle Internet, in Altenkunstadt sind es rund 130 Gebäude. Zu 100 Prozent angeschlossen werden Baiersdorf, Burkheim, Maineck, Pfaffendorf, Prügel und Spiesberg. „Insgesamt sind 775 Gebäude förderfähig, davon werden 160 überwiegend gewerblich genutzt“, resümierte Reuther.

 

Von Stephan Stöckel

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