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ALTENKUNSTADT

Ganzjahreskrippe in Altenkunstadt zeigt biblische Geschichte

Ganzjahreskrippe in Altenkunstadt zeigt biblische Geschichte
Seit zehn Jahren betreut Heinz Wudel die von Georg Siedersleben und seinem Kreativkreis geschaffene Jahreskrippe in der evangelischen Kreuzbergkirche. Die Hintergrundbilder malte der Strössendorfer Hobbykünstler Leopold Frommelt. Foto: Bernd Kleinert

Ist von einer Krippe die Rede, so denken die meisten an einen Kinderhort für die Jüngsten oder an die Weihnachtskrippe. Während Letztere nach dem Dreikönigstag beziehungsweise zum Fest Mariä Lichtmess (2. Februar) aus Gotteshäusern und Wohnzimmern wieder verschwindet, besitzen die evangelischen Christen in Altenkunstadt eine Krippe, die das ganze Jahr über den Altarraum der Kreuzbergkirche schmückt. Sonntag für Sonntag können Gottesdienstbesucher dort plastisch eindrucksvoll dargestellte Szenen aus dem Neuen Testament bewundern.

Das Leben und Wirken Jesu steht dabei im Mittelpunkt. Geschaffen wurde die Jahreskrippe von einem kleinen Kreativkreis unter der Leitung von Georg Siedersleben. Der mittlerweile verstorbene Hobbykünstler aus Prügel und seine Mitstreiter haben in den Bau der Jahreskrippe viel Zeit und Arbeit investiert. Man wählte wichtige Ereignisse aus dem Neuen Testament aus und überlegte, wie diese in Szene gesetzt werden könnten. Nach und nach entstanden Figuren mit detailgetreuen Gesichtszügen sowie Landschaftsanlagen mit Wiesen, Bäumen, Bergen und Tieren.

Ausdrucksvolle Figuren und kunstvoll gestaltete Landschaften

Für biblische Geschehnisse, die nicht im Freien spielen, bauten die kreativen Frauen und Männer für den Betrachter nach vorne hin geöffnete Räume mit hölzernen Fußböden, Wänden und Fenstern. Die Zimmer wurden wohnlich eingerichtet, die Figuren dem Stil der damaligen Zeit entsprechend gekleidet. Die Jahreskrippe wird regelmäßig umgebaut, sodass Kirchenbesucher immer wieder neue Szenen zu sehen bekommen.

Die Reihenfolge ergibt sich aus den Festen des Kirchenjahres. Die Zahl der biblischen Ereignisse, die in der Jahreskrippe dargestellt werden, ist groß. Die Verkündigung durch den Engel, dass Maria den Heiland zur Welt bringen wird, der Besuch von Maria bei der schwangeren Elisabeth, das Geschehen im Stall von Bethlehem, der Leidensweg Jesu, die Kreuzigung auf Golgatha und das offene Grab als Symbol für die Auferstehung sind nur einige Geschehnisse, die die Jahreskrippe zeigt.

Ganzjahreskrippe in Altenkunstadt zeigt biblische Geschichte
Ein Motiv aus frühchristlicher Zeit: In der Wüste tauft Philippus einen dunkelhäutigen Äthiopier. Der Apostel läutet damit die Missionsarbeit in Afrika ein. Foto: Bernd Kleinert

Große Liebe zum Detail prägt die Darstellung des „Letzten Abendmahls“, das Jesus mit seinen Jüngern vor dem Verrat durch Judas feierte. Georg Siedersleben und sein Kreativkreis haben daran monatelang gearbeitet. Auch die Bergpredigt mit den Seligpreisungen aus dem Matthäus-Evangelium wurde kunstvoll in Szene gesetzt. Jesus gibt dabei seinen Jüngern Anleitungen für das richtige Beten und lehrt sie das „Vaterunser.“ Faszinierend und originell dargestellt ist die Geschichte vom Zöllner Zachäus aus dem Lukas-Evangelium. Besonders imposant der etwas zu klein geratene Zollbeamte, der auf einen Maulbeerbaum klettert, um Jesus bei seinem Besuch in Jericho unter den vielen Menschen besser sehen zu können. Auch das biblische Gleichnis vom „guten Hirten“ wurde in beeindruckender Weise plastisch umgesetzt.

Taufszene in einer Oase mit Tieren und einem Spiegel als Wasserloch

Zu den faszinierendsten Krippenmotiven zählt eine Oase mit Tieren und einem Wasserloch inmitten einer Wüstenlandschaft. Philippus tauft dort den Kämmerer aus Äthiopien und Finanzminister am Hofe der Königin Kandake. Es ist die erste Taufe, die die Grenzen des Judentums überschreitet, und zugleich bildet die Taufe des dunkelhäutigen Äthiopiers den Startschuss für die Missionsarbeit in Afrika. Die Wasserstelle wird durch einen Spiegel angedeutet.

Im Januar 2010 legte Georg Siedersleben seinen Posten in jüngere Hände. Seitdem sorgt Heinz Wudel dafür, dass den Gläubigen Sonntag für Sonntag „biblische Geschichte zum Anfassen“ vermittelt wird. „Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn vor und nach dem Gottesdienst Besucher, darunter auch Kinder, sich die Krippe anschauen und dabei etwas von Jesus erfahren wollen“, freut er sich. Die schönen Hintergrundbilder, darunter das Häusermeer von Jerusalem, schuf der Strössendorfer Hobbykünstler Leopold Frommelt.

Von Bernd Kleinert

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