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WEISMAIN

Funkmast wäre höher als die Kirche in Modschiedel

Funkmast wäre höher als die Kirche in Modschiedel
In Modschiedel soll ein Mobilfunkmast errichtet werden, der zehn Meter höher wäre als der Kirchturm. Dagegen regt sich Widerstand. Foto: red

In den Weismainer Stadtteilen Frankenberg, Modschiedel, Wallersberg und Wunkendorf will die Deutsche Funkturm, eine Tochter der Telekom, vier Mobilfunkmasten bauen. In Wunkendorf und Wallersberg sollen Dachaufbauten, in Frankenberg und Modschiedel zwei jeweils 36 Meter hohe Masten errichtet werden. Vor allem in Modschiedel erregten die Pläne die Gemüter. „Mit 36 Metern wäre er rund zehn Meter höher als die Kirche von Modschiedel“, sagte Nicole Schmitt bei einer Informationsveranstaltung zum Thema Mobilfunk im Tanzcenter Deuber.

Auch der Standort ist ihr und Helga Krapp ein Dorn im Auge. Der Mast soll auf dem Parkplatz des Tanzcenters Deuber errichtet werden, der sich nur 260 Meter entfernt vom Kindergarten Modschiedel befindet. Laut Bürgermeister Michael Zapf (GUB) sei ein entsprechender Bauantrag bei der Stadt eingegangen. In allen vier Orten hätten die Netzbetreiber mit Grundstückseigentümern Vereinbarungen über die Nutzung ihrer Grundstücke abgeschlossen.

„Wir wollen einen funktionierenden Mobilfunk, aber die Standortwahl von Funkmasten in unserer Region soll vernünftig, abgewogen und gesundheitsschonend erfolgen.“
Nicole Schmitt, Modschiedel
Funkmast wäre höher als die Kirche in Modschiedel
Auf dem Jura sollen Mobilfunkmasten errichtet werden. Claudia Schmitt (2. v. li.) und Helga Krapp (re.) befürchten eine Strahlenbelastung der Bürger. Darüber diskutierten sie mit (v. li.) Michael Kolb und Bernhard Christoph von der BI „Strahlungsarmer Mobilfunkausbau“ und Joachim Weise vom Netzwerk Risiko Mobilfunk aus Heinersreuth. Foto: Stephan Stöckel

Die beiden Bürgerinnen befürchten eine hohe Strahlenbelastung für die Kinder, aber auch für die Bewohner in Modschiedel und den anderen drei Dörfern, die sich negativ auf die Gesundheit auswirken könne. Aus diesem Grund hatten sie die Bürger zu einem Informationsabend eingeladen. Bernhard Christoph und Michael Kolb von der Lichtenfelser Bürgerinitiative (BI) „Strahlungsarmer Mobilfunk“ stellten ihnen ein Vorsorgekonzept für einen gut durchdachten Mobilfunkausbau vor.

„Wir wollen einen funktionierenden Mobilfunk, aber die Standortwahl von Funkmasten in unserer Region soll vernünftig, abgewogen und gesundheitsschonend erfolgen“, betonte Schmitt. Zugleich teilte sie mit, dass es in Modschiedel zur Gründung einer eigenen BI kommen werde (Infobox). „Wir nehmen das Thema Mobilfunk in Stadt und Verwaltung nicht auf die leichte Schulter“, versicherte Bürgermeister Zapf. Der Stadtrat habe jüngst den Antrag auf Errichtung eines Schleuderbetonmastes in Frankenberg abgelehnt, weil der Stadtverwaltung keine Informationen vorgelegen hatten.

Vertreter der Telekom bei Stadtratssitzung in Modschiedel

Inzwischen habe man allerdings herausgefunden, dass der Netzbetreiber viermal im Januar und Februar 2019 Kontakt mit der Stadtverwaltung aufgenommen habe: „Der Netzbetreiber hat also frühzeitig Verbindung aufgenommen, um der Stadt die Möglichkeit zu geben, den Bürger zu informieren. Ob das dann passiert ist, entzieht sich meiner Kenntnis“, konstatierte Zapf.

Um sich eine Meinung zu bilden, müsse man beide Seiten hören. Aus diesem Grund habe er zur nächsten Stadtratssitzung am Dienstag, 25. August, um 19.30 Uhr im Tanzcenter Deuber in Modschiedel auch Vertreter der Telekom, des Landesamtes für Umweltschutz und einen Fachmann zum Thema Bundesimmissionsschutzverordnung eingeladen. Sein Ziel sei es, eine Zwischenlösung zu finden, mit der alle leben könnten. Einerseits wolle man die Gesundheit nicht gefährden und das Landschaftsbild nicht verschandeln, andererseits aber einen guten Empfang. „Wir versuchen das Bestmögliche für das Stadtgebiet herausholen“, versprach Zapf.

Funkmast wäre höher als die Kirche in Modschiedel
In Modschiedel soll auf dem Parkplatz der Firma Deuber ein Mobilfunkmast errichtet werden. Bürger befürchten eine Strahlenbelastung für die Kinder im katholischen Kindergarten. Foto: Stephan Stöckel

Christoph und Kolb empfahlen der Stadt Weismain, ein Mobilfunk-Vorsorgekonzept zu erstellen. Dafür sollte ein unabhängiges Gutachterbüro die Immissionsbelastung der geplanten Mobilfunkanlagen feststellen und dann geeignetere Standorte suchen. „Mit Hilfe eines unabhängigen Gutachters kann die Kommune die Entscheidung für einen weniger belastenden Standort fachlich begründen und meist auch durchsetzen“, sagte Christoph. Für den Fall, dass die Mobilfunkbetreiber nicht kompromissbereit seien, könne die Stadt im Wege der Bauleitplanung verbindliche Festsetzungen treffen, in welchen Gebieten Sendeanlagen errichtet werden dürften und wo nicht. Zudem legten die Experten der Stadt Weismain ans Herz, Bebauungspläne mit Veränderungssperren zu belegen. Ein Instrument, das sich in Altenkunstadt und Lichtenfels bewährt habe.

Grundstücke am Goßnerberg oder „Am Hoch“ als Alternative?

Als idealen Mobilfunkstandort empfahlen die Referenten den Goßnerberg zwischen Weiden und Modschiedel. Schmitt teilte mit, dass ihre Familie ihr Waldgrundstück „Am Hoch“ in Richtung Bamberg für einen Mast zur Verfügung stellen würde.

Bürgerinitiative macht mobil

Nach dem Infoabend in Modschiedel zum Thema Mobilfunkausbau haben die Modschiedler Bürger sich versammelt und am Freitag eine Bürgerinitiative gegründet, teilte Nicole Schmitt mit. Die Referenten Christoph Bernhard und Michael Kolb hätten die Bürger von Modschiedel vom Sinn und Nutzen eines Vorsorgekonzeptes überzeugt. „Wir wollen alle einen gut funktionierenden Mobilfunkausbau, aber die Standortwahl von Funkmasten in unserer Region sollte vernünftig, abgewogen und gesundheitsschonend erfolgen“, betonte Schmitt. „Wir wollen keinen Mast in unserem Dorf und ein Vorsorgekonzept für einen gut funktionierenden und strahlungsarmen Mobilfunk.“ Dies wolle die Bürgerinitiative auch bei der öffentlichen Stadtratssitzung am 25. August in Modschiedel verkünden.
Funkmast wäre höher als die Kirche in Modschiedel
Auf dem Jura sollen vier Mobilfunkmasten errichtet werden. Bernhard Christoph (li.) und Michael Kolb (sitzend, re) von der BI „Strahlungsarmer Mobilfunk“ stellten den Bürgern ein Vorsorgekonzept für einen gut durchdachten Mobilfunkausbau vor. Foto: Stephan Stöckel

Von Stephan Stöckel

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