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WEISMAIN

Friedrich Förner, der „grimmige Hexenverdammer“

Friedrich Förner, der „grimmige Hexenverdammer“
Die Bamberger Pfarrkirche Alt-St. Martin, in der Weihbischof Förner seine letzte Ruhestätte fand. Das Gotteshaus, das am heutigen Maxplatz stand, wurde im Zuge der Säkularisation 1805 abgerissen. Foto: Repro: Fabian Brand

Über die Familie Friedrich Förners sind nur spärliche Nachrichten überliefert. Die Pfarrbücher seiner Geburtsstadt Weismain reichen nicht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Doch der gebürtiger Weismainer ist als „Hexenverfolger“ für den Tod vieler Unschuldiger verantwortlich. Er säte Hass und erntete den Tod.

Von seinen Eltern ist lediglich der Vater mit Namen bekannt: Ambrosius Förner war in Weismain verheiratet und Vater von sieben Kindern. Eine Schwester Friedrichs war Barbara Ament, die im Jahr 1600 Johann Ament aus Nordhalben heiratete. Friedrich Förner wurde kurz vor 1570, wohl 1568, in Weismain geboren. Der Vater Ambrosius war von Haus aus lutherischen Bekenntnisses, ist aber noch vor der Geburt des Sohnes zum katholischen Glauben übergetreten.

Eine akademische Karriere beginnt

Nicht nur Friedrich, sondern auch zwei seiner Brüder, sind in den geistlichen Stand eingetreten. Eine erste schulische Ausbildung erhielt Friedrich in seiner Heimat Weismain, bevor er 1588 an die Universität Würzburg geschickt wurde. Dort legte er zunächst das philosophische Examen ab, bevor er sich der Jurisprudenz widmete. Im Juni 1593 wurde Förner zum Diakon geweiht und schon im Dezember des gleichen Jahres wurde er vom Bamberger Bischof zum Studium nach Rom ans Collegium Germanicum geschickt.

ünf Jahre sollte Förner in Rom bleiben. Dort wirkte er unter anderem als Prediger für die Schweizer Garde und erwarb sich viele Freunde aus dem Kreis der römischen Kurie. Den Rückweg nach Deutschland, den Förner 1598 antrat, nahm er über Perugia, um dort den Doktorhut der Theologie zu erwerben.

Zurück in Bamberg hatte der Bischof ein besonderes Amt für Förner ausersehen: Er sollte eine Visitation in der Diözese durchführen mit dem Ziel, jene Gläubigen, die vom katholischen Glauben abgefallen waren, wieder in den Schoß der Kirche zurückzuholen. Friedrich Förner begann diese Aufgabe in seiner Heimatstadt Weismain.

Lutherische Prediger als eine Gefahr

Die Angelegenheit ging nur langsam voran, da er in Weismain (nach eigener Aussage) „gar harte, grobe Köpfe zu behandeln“ habe. Große „Gefahr“ ging von den lutherischen Predigern aus Strößendorf, Maineck und Arnstein aus, wobei letzterer „den Weismainern ein großer Spreißel im Auge ist“.

1599 wurde Förner Pfarrverweser der Oberen Pfarre in Bamberg, ein Amt, das er bis 1613 innehatte. Nach einem weiteren Romaufenthalt wurde Förner vom Bamberger Bischof erneut mit einer Visitation der Diözese betraut. So kam er am 23. Juli 1611 unter anderem nach Ebensfeld, Isling, Mistelfeld und Banz. Im Jahr darauf wurde Förner zum Weihbischof der Bamberger Diözese ernannt, die feierliche Weihe vollzog man in der ersten Oktoberwoche 1612 in der Oberen Pfarre in Bamberg.

Friedrich Förner, der „grimmige Hexenverdammer“
Ansicht und Grundriss des Drudenhauses nach einer Radierung aus dem Jahr 1627. Bis Ende 1631 wurde es im Zuge der Hexenverfolgungen als Gefängnis genutzt und schließlich Mitte des 17. Jahrhunderts abgerissen. Foto: Repro: Fabian Brand

Hauptzelebrant war Bischof Johann Gottfried von Aschhausen, assistiert wurde er vom Würzburger Weihbischof und dem Langheimer Abt Petrus Schönfelder. 1613 wurde Förner die Pfarrei St. Martin in Bamberg anvertraut. Als Ende des Jahres 1622 Bischof von Aschhausen verstarb, wurde Johann Georg II. Fuchs von Dornheim zu dessen Nachfolger ernannt.

Ein besessener Hexenbrenner

Damit begann auch eine traurige Zeit, denn Fuchs von Dornheim gilt als einer der eifrigsten „Hexenbrenner“, die jemals auf dem Bamberger Bischofsstuhl saßen. Tatkräftige Unterstützung erhielt er dabei von seinem Weihbischof Friedrich Förner, dessen Hexenwahn äußerst makabre Formen annahm. Mit Wort, Schrift und Tat ging der Weihbischof gegen die Hexen vor.

Die „Hexenprozesse“ erlebten in Bamberg in den Jahren 1617/18 einen enormen Anstieg, es ist die Zeit, in der Förner die Geschäfte des Bistums führt. Fuchs von Dornheim bezeichnet Förner gar als „grimmigen Hexenverdammer“. Durch eine Reihe von drastischen „Hexenpredigten“ trug Förner wesentlich zur Verschärfung der Lage bei. Außerdem regte er den Bau eines Drudenhauses an; das Gefängnis für vermeintliche Hexen wurde schließlich 1627 in der heutigen Franz-Ludwig-Straße erbaut.

Lassen wir den Weihbischof selbst zu Wort kommen: Magier „rufen Dämonen an, mit denen sie durch einen festen Vertrag verbunden sind und benutzen deren Hilfe. Der Teufel hat nämlich mit den Zauberern eine Abmachung getroffen, dass er gewillt ist, deren Gaukeleien durch geeignete Mittel zu unterstützen und dabei mitzuwirken, sofern sie nur ihrerseits ihn als ihren Gott ehren und anbeten. Das ist die Grundlage einer jeden Magie und Zauberei, dass sie aus einem mit dem Teufel abgeschlossenen Vertrag entsteht.“

600 Bambergerinnen und Bamberger wurden ermordet

Dieser Ausschnitt aus einer Predigt Förners zeigt, wie sehr er selbst von der Idee besessen war, dass Hexerei auf einen Bund mit dem Teufel zurückgehe, den Menschen mit ihm geschlossen hätten. Über 600 Menschen sind diesem Wahn in Bamberg allein in den Jahren 1626 bis 1630 zum Opfer gefallen.

Friedrich Förner, der „grimmige Hexenverdammer“
Unter dem Titel „Panoplia armaturae dei – Gottes vollständiger Waffenrüstung gegen jeglichen Teufelsdienst des Aberglaubens“ erschienen die 35 „entsetzlichen Hexenpredigten“ Förners 1625 im Druck. Foto: Repro: Fabian Brand

Auffallend ist dabei, dass Friedrich Förner selbst der Hexerei beschuldigt wurde. In diesen wirren Zeiten war Verleumdern und Intriganten Tür und Tor geöffnet. Unliebsame Mitmenschen konnte man durch Anzeigen aus dem Weg räumen. So scheint es auch im Fall Förners gewesen zu sein. In den Stricken, die er selbst ausgelegt hatte, wollte man ihn zu Fall bringen. Der Ankläger freilich ist anonym, und nur Dank seiner Vertrauensstellung, die er dem Bamberger Bischof gegenüber einnahm, wurde Förner vor einem Prozess bewahrt. Zu wichtig scheint der Weihbischof für Fuchs von Dornheims Hexenwahn gewesen zu sein.

Eine letzte Reise führte Förner noch nach Regensburg, bevor er am 5. Dezember 1630 zwischen acht und neun Uhr vormittags verstorben ist. Die genaue Todesursache ist unbekannt. Förner wollte ohne großes Aufsehen in der Pfarrkirche St. Martin begraben werden. Dieser Wunsch blieb unerfüllt: Unter vielstimmigem Chorgesang und feierlicher Instrumentalmusik wurde Förner in der Martinskirche in der Gruft der Weihbischöfe beigesetzt.

Von Fabian Brand

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