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ALTENKUNSTADT

Freie Wähler Altenkunstadt: Lehrschwimmbecken schlägt Wellen

Freie Wähler Altenkunstadt: Lehrschwimmbecken schlägt Wellen
Die Nutzung des Boothauses, das ins ISEK-Programm aufgenommen wurde, war Thema bei der Versammlung von Freien Wählern und FBO Foto: Dieter Radziej

Das Lehrschwimmbecken, die Neue Mitte und die Zukunft des Bootshauses sorgten bei der Jahreshauptversammlung der Freien Wähler und der Freien Bürger der Ortsteile (FBO) für Diskussionen. Der wiedergewählte FBO-Vorsitzende Georg Deuerling freute sich, dass langsam auch das Vereinsleben wieder in Gang komme.

Die Versammlung im Hotel „Fränkischer Hof“ in Baiersdorf eröffnete FW-Vorsitzender Dr. Norbert Welscher. Zum Lehrschwimmbecken sagte FBO-Vorsitzender Georg Deuerling, weder die FBO noch die Freien Wähler seien dagegen oder wollten den Bau verhindern, sondern da der Haushalt sehr spät im Jahr vorgelegt wurde, habe sich die Frage gestellt, ob Altenkunstadt sich das Bad leisten könne. Sogar der Gemeindekämmerer habe gewarnt, dass die Finanzierung der Investition 52 Jahre dauern würde. Deshalb sei die Aufnahme in die aktuelle Finanzplanung vom Gemeinderat abgelehnt worden.

Dies sei umso wichtiger als Pflichtaufgaben wie die Hochbehälter in Spiesberg und Woffendorf, die Sanierung der Kreuzberg-Kindertagesstätte und Unterhaltsarbeiten an der Mittelschule noch nicht im Finanzplan enthalten waren. Auch bei Berücksichtigung der einmaligen Zuwendungen der Stadt Burgkunstadt und des Landkreises sowie mit dem Dienst der DLRG müsste die Gemeinde Altenkunstadt als Betreiber alljährlich rund 400 000 Euro Unterhaltskosten tragen. Auch ein Vertrag, der die Badaufsicht seitens der DLRG regeln sollte, liege den Gemeinderäten nicht vor. Hilfreich wäre es gewesen, den Landkreiszuschuss für das Lehrschwimmbecken auf eine Million Euro statt der zugesagte 500 000 Euro zu erhöhen, wie es die Freien Wähler beantragt hatten. Schließlich seien für die Obermain Therme im vergangenen Jahr 1,2 Millionen Euro bereit gestellt worden. Allerdings stimmten Bürgermeister Robert Hümmer ebenso wie seine Burgkunstadter und Weismainer Kollegen im Kreistag dagegen.

„Der Bai eines Lehrschwimmbeckens würde angesichts der Finanzsituation zu einer Rekordverschuldung führen, die den Landesdurchschnitt um ein Mehrfaches übersteigt.“
Georg Deuerling, FBO-Vorsitzender

Der Bai eines Lehrschwimmbeckens würde angesichts der Finanzsituation zu einer Rekordverschuldung führen, die den Landesdurchschnitt um ein Mehrfaches übersteige. Zur Verbesserung der kommunalen Zusammenarbeit wären stattdessen die Gründung gemeinsamer Stadtwerke sinnvoll, wie die Freien Wähler schon 2017 anregten.

Kritik übten Mitglieder an Anmaßungen der DLRG, deren Vorsitzender Werner Schneider die Finanzen von Altenkunstadt offenbar besser, als die Gemeinderäte kennten. Ein anderer Diskussionsteilnehmer berichtete aus Erfahrung, dass es nicht bei den Unterhaltskosten eines Lehrschwimmbeckens bleiben werde, denn Bäder müssten nach 15 bis 20 Jahren grundlegend saniert werden und dies verursache erneut erhebliche Kosten.

Bei der Klärschlammtrocknung den Gemeinderat nicht informiert

Zur angedachten Klärschlammtrocknung auf dem Gelände der Biogasanlage zwischen Baiersdorf und Prügel habe der Gemeinderat wieder einmal recht spät Informationen erhalten, kritisierte Georg Deuerling. Dennoch hätten die Räte die Bedenken der Einwohner ernst genommen und das Vorhaben mehrheitlich abgelehnt. Lediglich Bürgermeister Robert Hümmer stimmte dafür, obwohl die betroffenen Bürger in einem Schreiben an den Bürgermeister und die Ratsmitglieder vor den Belastungen warnten. Dieses Schreiben sei nicht an die Gemeinderäte weitergegeben worden.

Durchgerungen hätten sich die Gemeinderäte zur Verwirklichung der „Neuen Mitte“ rund um die Raiffeisenbank im Rahmen des ISEK, weil dafür Fördermittel von bis zu 90 Prozent zu erwartet seien und im Zuge der Umbauarbeiten auch sämtliche Versorgungs- und Entsorgungsleitungen erneuert werden könnten. Der gemeindliche Anteil solle sich auf rund 1,3 Millionen Euro belaufen, wobei abzuwarten bleibe, ob mögliche Kostensteigerungen bei der Förderung berücksichtigt würden, ergänzte Max Deuber.

Rettung des Bootshauses mit Geld aus dem Entwicklungskonzept

Vorsitzender Georg Deuerling ging auf weitere Möglichkeiten zur innergemeindlichen Entwicklung ein, wie die Parksituation vor allem in der Langheimer Straße, bei der Porzellanfabrik, im Umfeld der Firma Baur sowie in der Klosterstraße. Ein Problem bei der geplanten Erneuerung des Bootshaus sei, dass die Brandversicherung statt der vom Bürgermeister angekündigten 100 000 Euro lediglich rund 40 000 Euro zahlen werde, was ein Umdenken erfordere. Daher habe der Gemeinderat auf Vorschlag von Max Deuber beschlossen, dieses Projekt in das ISEK-Programm aufzunehmen. Das biete der Gemeinde durch Zuschüsse die Möglichkeit, ein angemessenes Gebäude für Vereine und die Einwohner mit sanitären Anlagen zu errichten. „Lasst es nicht kaputt gehen, denn mit seinem Umfeld am Main ist es der schönste Biergarten am Obermain“, appellierte ein Teilnehmer.

Georg Deuerling konnte in seinem Rechenschaftsbericht diesmal nur auf wenige Veranstaltungen verweisen, denn sowohl der Kathreinsball als auch der politische Aschermittwoch und der Neujahrsempfang mussten aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden. Nur einige Zusammenkünfte des Vorstands und der Mandatsträger, um die kommunale Arbeit zu besprechen, waren möglich. In Vertretung gab Max Deuber Einblick in die Finanzen.

Vorgestellt hatte sich an diesem Abend auch der Bundestagskandidat der Freien Wähler, Jochen Bergmann. Er legte einige seiner Auffassungen, etwa zur Vereinsförderung, der Anerkennung des Ehrenamtes sowie zur Verkehrs- und Klimapolitik dar.

Der neue Vorstand

Bei der Vorstandwahl hatte der bisherige 2. Vorsitzende Ludwig Winkler darum gebeten, aus gesundheitlichen Gründen von seiner Wiederwahl abzusehen. Die Neuwahlen der Freien Bürger der Ortsteile führten zu folgendem Ergebnis: Vorsitzender Georg Deuerling, 2. Vorsitzender Steffen Domschke, Schriftführerin Stefanie Schweiger, Kassier Frank Fiedler, Beisitzer Jonas Neidlein und Dr. Pia Welscher.

Von Dieter Radziej

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