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ALTENKUNSTADT

Eine musikalische Zeitreise im Altenkunstadter Apfelgarten

Eine musikalische Zeitreise im Altenkunstadter Apfelgarten
Mit Werken bekannter Komponisten begeisterten (v. li.) Tenor Martin Fösel, Rebekka Wagner (Violine) und Pianist Patrik Hévr beim ersten Konzert „Musik im Apfelgarten“, zu dem die Caritas-Projektgruppe „In der Heimat wohnen“ alle älteren Bürgerinnen und Bürger eingeladen hatte. Foto: Bernd Kleinert

„Welch ausgezeichnete Akustik. Ein Konzertsaal unter freiem Himmel“, schwärmte Martin Fösel. Begeistert waren auch die vielen Zuhörerinnen und Zuhörer, die sich zum ersten Konzert für Senioren im Innenhof der neuen Wohnanlage „Wohnen im Apfelgarten“ eingefunden hatten. Eingeladen hatte dazu die Caritas-Projektgruppe „In der Heimat wohnen“, die seit 13 Jahren in der Gemeinde Altenkunstadt aktiv ist und in den neuen Gebäuden ihren Stützpunkt hat.

Die Quartiersmanagerinnen Angela Lohmüller und Mareike Link dankten der in München beheimateten Internationalen Stiftung zur Förderung von Kultur und Zivilisation, die die Veranstaltung ermöglicht habe. 1995 von Erich Fischer gegründet, möchte sie vor allem älteren Menschen mit musikalischen Darbietungen auf hohem künstlerischem Niveau schöne Stunden bereiten.

Ältere Menschen unterhalten und Jugendliche für Musik begeistern

Unter dem Motto „Durch Länder und Jahrhunderte“ präsentierten drei Künstler 75 Minuten lang Werke bekannter Komponisten. Rebekka Wagner, die an der Hochschule für Musik in Nürnberg studiert hat, begeisterte auf der Violine. Aus Tschechien stammt Patrik Hévr. Er studierte in Prag und Nürnberg und hat bei vielen internationalen Musikwettbewerben Preise gewonnen. Beim Konzert in Altenkunstadt saß er am Klavier. „Mit unserem Können und unserer Erfahrung wollen wir sowohl ältere Menschen unterhalten, als auch der Jugend die Schönheit eines wichtigen Stücks Kulturgut näherbringen. Deshalb sind wir auch viel in Schulen unterwegs“, erzählte Tenor Martin Fösel als „Dritter im Bunde“. Der Oberfranke, der in Salzburg studierte, glänzte nicht nur mit seiner ausdrucksstarken Tenorstimme, sondern führte auch humorvoll und charmant durch das Programm.

Die mit amüsanten Anekdoten gewürzte „Reise durch Länder und Jahrhunderte“ gestaltete sich für die Zuhörerinnen und Zuhörer zu einem kurzweiligen Klangerlebnis. Aufmerksam lauschten sie dem Stück „Come again“ aus John Dowlands „First Book of Ayres“. „Der Komponist lebte vor 400 Jahren im Zeitalter der Renaissance, galt als Star seiner Zeit und ist von der Popularität her mit den Beatles vergleichbar“, erklärte Fösel. Giuseppe Tartini (1692 bis 1770) gelte als der größte Geiger und Geigenkomponist seiner Zeit. „Eigentlich war er ja für eine geistliche Laufbahn vorgesehen. Daraus wurde aber nichts, da er zuvor heiratete und das auch noch ohne die Einwilligung seiner Eltern“, wusste der Moderator. „Und das war auch gut so“, mochten sich die Zuhörenden gedacht haben, denn die „Sonate in F-Dur allegro assai“ aus der Feder des italienischen Meisters erwies sich als wahrer Ohrenschmaus.

Sogar ein Lied des Winnetou-Autors Karl May interpretiert das Trio

Nicht minder hörenswert waren das Stück „Mei Maidle“ aus Friedrich Silchers „24 Volkslieder“ und Friedrich Kückens „Auf dem Berge grünem Saume“. Die Sehnsucht nach einer Welt ohne Krieg, nach einer Welt der Verbrüderung bringt das als Europa-Hymne bekannte Werk „Freude schöner Götterfunken“ aus der „9. Symphonie“ von Ludwig van Beethoven zum Ausdruck. Der berühmte Komponist soll laut Fösel kein einfacher Mensch gewesen sein: „Von ihm wird behauptet, dass er in seinem Leben nicht weniger als 70 mal umgezogen ist“. Karl May ist den meisten als Autor der Winnetou-Romane ein Begriff. Dass er auch ein großartiger Komponist war, verdeutlichten die Interpreten an dem von ihm geschriebenen „Ave Maria“.

„Man muss durch das Leben tanzen“, zitierte Martin Fösel den Philosophen Friedrich Nietzsche. Und dass die Musik dabei helfen kann, veranschaulichten die Künstler an Johannes Brahms Werk „Ungarischer Tanz Nr. 5“. Lieder wie „Suse, liebe Suse“, „Brüderlein, komm tanz mit mir“ und „Ein Männlein steht im Walde“ waren den meisten Zuhörerinnen zwar bekannt, doch die wenigsten wussten, dass diese aus Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ stammen. Umso aufmerksamer lauschten sie deshalb einem Potpourri mit Liedern aus dem berühmten Musikwerk. Auszüge aus Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ rundeten die musikalische Reise ab.

Im zweiten Teil sangen Mitwirkende und Zuhörende beliebte Volkslieder wie „Alle Vögel sind schon da“ und Mozarts „Komm, lieber Mai, und mache“. Der Applaus des Publikums war derart herzlich, dass die Interpreten um eine Zugabe nicht herumkamen. „Das war einfach wunderschön“, schwärmten die Quartiersmanagerinnen Angela Lohmüller und Mareike Link und sprachen damit auch den Besuchern aus dem Herzen. Im Anschluss hatten die Senioren und Seniorinnen die Möglichkeit, den neuen Stützpunkt der Caritas-Projektgruppe „In der Heimat wohnen“ zu besichtigen.

Von Bernd Kleinert

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