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WEISMAIN

Christuskirche Weismain: Gute Gemeinschaft seit 60 Jahren

Christuskirche Weismain: Gute Gemeinschaft seit 60 Jahren
Hinter der Altstadt Weismains liegt die 60 Jahre alte evangelische Christuskirche idyllisch. Foto: Roland Dietz

Die Christuskirche ist seit 60 Jahren der Mittelpunkt der evangelischen Kirchengemeinde Weismain. Das Jubiläum wurde jetzt wegen der Corona-Pandemie in einem kleinen Rahmen – mit einem Open-Air-Gottesdienst – gefeiert. Im Schatten der großen St. Martins-Kirche und des Rathauses hatte die Feier einen besonderen Charme und sogar die Glocken der katholischen Kirche läuteten zusammen mit denen der Christuskirche zum Gottesdienst.

Hinter dem Gotteshaus waren Sitzplätze mit dem nötigem Sicherheitsabstand aufgebaut. Die Kasendorfer Kirchenband „Cross Tunes“gab dem Festgottesdienst mit ihren Liedern einen modernen Anstrich. Und bei geöffnetem Fenster auf der Empore und strahlendem Spätsommerwetter eröffnete Organist Markus Karitke den Gottesdienst mit Henry Purcells „Trompet volontary“ an der Orgel feierlich. Die Pfarrer Claudia und Ullrich Jobst sowie Vikarin Christina Saueracker zelebrierten den Gottesdienst, in den auch die Besucher eingebunden wurden.

„Wo Jesus einkehrt, und das ist auch in der Christuskirche so, kommt Frieden in das Haus.“
Claudia Jobst, Pfarrerin
Christuskirche Weismain: Gute Gemeinschaft seit 60 Jahren
Einen beeindruckenden Gottesdienst hielten (hinten, v. li.) Vikarin Christina Saueracker, die Pfarrer Ulrich Jobst und Claudia Jobst (sitzend) zum Jubiläum der Christuskirche. Foto: Roland Dietz

„Wir feiern heute diamantenes Kirchenjubiläum“ erklärte Pfarrer Jobst. „Es ist schön, Zeitzeugen hier zu haben, die den Bau noch miterlebt haben.“ Dies sei Grund genug, Gott zu loben und ihm zu danken. „60 Jahre Christuskirche ist viel mehr als Gottes Wort in Gedanken und Handeln“, sagte Claudia Jobst. „Die Menschen haben es durch ihr Handeln geschafft, dass Gott in dieses Haus einkehrt und sein Wort gehört wird.“ Hier werde Gemeinschaft beispielhaft gelebt. Die Menschen kämen, um im Gebet Gott zu erleben.

Als Beispiel führt sie die Geschichte des Zöllners Zachäus aus dem Lukas-Evangelium an, bei dem Jesus einkehrte, obwohl er kein ehrenwerter Mensch war. „Wo Jesus einkehrt, und das ist auch in der Christuskirche so, kommt Frieden in das Haus“, betonte die Pfarrerin. So bewege er die Menschen zu einem christlichen Handeln. Vor 60 Jahren seien es Kriegsflüchtlinge gewesen, die Gottes Nähe suchten, damit er in ihr neu gebautes Haus einkehre.

Zur Erinnerung an das Jubiläum hatte die evangelische Gemeinde eine Kirchweihfahne gestaltet. Durch das Einhängen von weißen Bändern entstand ein Kreuz auf den roten Untergrund. Es soll ein Zeichen des Danks sein für die Menschen, die die Kirche gebaut haben, die sie pflegen und mit Leben füllen, sagte die Pfarrerin. Mit den Liedern „Großer Gott wir loben dich“ und „Nun danket alle Gott“ endete der bewegende Jubiläumsgottesdienst. Ein kleiner Umtrunk schloss sich an.

Christuskirche Weismain: Gute Gemeinschaft seit 60 Jahren
Zur Erinnerung an das 60-jährige Jubiläum wurde mit dem Einhängen weißer Bänder an einem roten Banner eine Kirchweihfahne gestaltet. Foto: Roland Dietz

Die Geschichte der evangelischen Gemeinde in Weismain beginnt am 25. Oktober 1902, als dem einzigen protestantischen Verein im Jurastädtchen ein Raum im Erdgeschoss des Amtsgerichtsgebäudes überlassen wurde, um einen Betsaal einzurichten. In der Pfarrchronik der Kirchengemeinde Buchau, zu der Weismain gehört, schreibt der damalige Pfarrer Neubig: „Durch hohe Oberkonsistoriale Entschließung wurde genehmigt, dass in Weismain alljährlich an katholischen Feiertagen zwölf evangelische Gottesdienste gehalten werden dürfen.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg steigt die Zahl der Protestanten

Grund für den Bau der Kirche war die durch den Flüchtlingsstrom nach dem Zweiten Weltkrieg steigende Zahl der Protestanten. Nachdem der Betsaal 1946 zu klein geworden war, stellte die katholische Pfarrgemeinde den evangelischen Christen ihre Kreuzkapelle für Gottesdienste zur Verfügung. Damit war Grundstein für die Ökumene gelegt, die in Weismain bis heute Früchte trägt. In den 1950-er Jahren begannen die Vorbereitungen für den Bau eines eigenen Gotteshauses. Der Kauf eines Grundstücks war wegen der Kosten nicht leicht.

Christuskirche Weismain: Gute Gemeinschaft seit 60 Jahren
Die Gläubigen, wie Familie Barthel, wurden in den Gottesdienst einbezogen. Foto: Roland Dietz

Nach der Grundsteinlegung am 6. Juni 1959 durch Dekan Georg Weidt aus Thurnau, wurde bereits am 17. Oktober Richtfest gefeiert, ehe am 11. September 1960 der Kreisdekan Oberkirchenrat Karl Burkert die Christuskirche weihte. Der niedrige Kirchenbau besteht aus Kleinziegenfelder Dolomitsteinen mit schmalen bogenförmigen Fenstern und weicht lediglich im südlichen Eingangsbereich von der rechteckigen Grundform ab. Über dem westlichen Ende des Satteldaches sitzt ein Dachreiter mit einer zwiebelförmigen Bekrönung, die in einer schmalen Spitze ausläuft. 1979 waren durch auftretende Risse im Mauerwerk Stabilisierungsarbeiten erforderlich und vor einigen Jahren erfolgte eine Innensanierung.

 

Von Roland Dietz

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