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BURGKUNSTADT

Burgkunstadter Gymnasiasten erkunden jüdische Geschichte

Warum der Chanukka-Leuchter acht Arme hat
Jüdische Kleidung wie Kibba und Talitt sowie einen siebenarmigen Kerzenleuchter zeigt Celina zeigt jüngeren Schülern. Foto: Roland Dietz

Die Beschäftigung mit jüdischer Geschichte und Kultur kann einen Beitrag gegen den zunehmenden Antisemitismus leisten. Information kann Vorurteile abbauen und Verständnis wecken. Daher erkundeten die Schüler eines P-Seminars am Gymnasium Burgkunstadt mit Lehrerin Kunigunde Hofmann das jüdische Leben – auch in den ehemaligen jüdischen Gemeinden in Altenkunstadt und Burgkunstadt.

Zur Einführung gab es einen Crashkurs zur jüdischen Geschichte seit der Zeit der Israeliten wie sie im Alten Testament, der biblischen Genesis oder dem Buch Exodus beschrieben wird. Von der Flucht vor der Sklaverei aus Ägypten über das babylonische Exil bis zu den ersten jüdische Gemeinden in Mitteleuropa im 8. bis 10. Jahrhundert und den Ausschreitungen im 13. Jahrhundert reichte der Rückblick. Die Pogrome im 19. Jahrhundert führten zu einer Auswanderungswelle nach Amerika. Ein Fanal des Antisemitismus setzten schließlich die Nazis mit der Ermordung von sechs Millionen Juden. Auch der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Staat Israel ist Bedrohungen ausgesetzt.

Wein gehört als Symbol der Freude zum Schabbat

Intensiv beschäftigten sich die Schüler mit jüdischen Festen. Jeden Samstag feiern jüdische Familien Schabbat oder Sabbat, was innehalten oder aufhören bedeutet. Vorbereitet wird alles am Freitag, da am Schabbat nicht gekocht werden darf. Anschaulich zeigte die Schülerinnen Sophia und Natalie wie ein Tisch dafür gedeckt wird. Benötigt wird ein silberner Kelch, der Kidduschbecher, mit Wein, denn Wein ist das Symbol der Freude. Alle wünschen sich „Schabbat Schalom“ (Frieden sei am Schabbat) und geflochtene Kerzen werden entzündet.

Warum der Chanukka-Leuchter acht Arme hat
Wie ein Trauhimmel bei einer jüdischen Hochzeit aussieht, zeigen Nathalie (li.) und Sophia beim Projektag. Foto: Roland Dietz

Rosch ha-Schana, das jüdische Neujahrsfest, beginnt im Herbst, wenn die Tage kürzer werden. Als Zeichen dafür erklingt das Schofarhorn. Für die Juden ist das Neujahrsfest ein ernstes Fest, denn nach der Tradition entscheidet Gott an Rosch ha-Schana, wer im kommenden Jahr leben wird oder sterben wird. Gespeist werden Apfel und Honig, damit es ein fruchtbares und süßes Jahr wird.

Zehn Tage nach dem Neujahrsfest kommt der heiligste Tag im Festjahr: Jom Kippur der Versöhnungstag. In den Synagogen wird um die Vergebung aller Sünden gebetet und es wird gefastet. Weder Essen noch Trinken sind erlaubt, sogar die Körperpflege ist weitgehend untersagt.

Fröhlich begangen wird das das Laubhüttenfest (Sukkot), das im Frühherbst an den Zug des Volkes Israel durch die Wüste erinnert. Je nach Möglichkeit wird eine Laubhütte (Sukka) aus Brettern errichtet. Das Dach ist offen, so dass man die Sterne sehen kann. Sieben Tage lang wird in der Sukka gegessen. Bekannte, Freunde und Nachbarn sind herzlich eingeladen.

Lustige Verkleidungen und Umzüge beim Purimfest

Das hebräische Wort Chanukka bedeutet „Einweihung“ was auf die Weihe des Tempels im Jahre 165 vor Christus zurückgeht. Der Tempel musste mit reinem Öl geweiht werden und da nur ein Krug davon zur Verfügung stand, mutete es wie ein Wunder an, dass dieses Öl acht Tage lang brannte. In Erinnerung an das Lichtwunder wird in jüdischen Häusern und Synagogen während des Lichterfestes, das acht Tage gefeiert wird, jeden Abend eine neue Kerze am achtarmigen Chanukka-Leuchter entzündet.

Das Purimfest, das Ende Februar/Anfang März gefeiert wird, erinnert an die Errettung des Volkes Israels aus einer tödlichen Gefahr als die Perser 365 vor Christus die Juden vernichten wollten. Zum Purimfest werden ausgelassene Festumzüge mit bunten Trachten und Verkleidungen veranstaltet.

Beim Pessach, das Fest der ungesäuerten Brote, feiert man die Befreiung aus ägyptischer Knechtschaft. In der Pessachwoche ist das Verzehren von Brot, Nudeln, Backwaren, Weizen-, Roggen-, Hafer- und Gerstenhaltigem verboten. Nur ungesäuertes Brot (Mazzen) ist erlaubt.

Sieben Wochen nach Pessach wird Schawuot gefeiert. An Schawuot erhielt das Volk Israel die Zehn Gebote am Berg Sinai. Wie in vielen Kulturen ist die Hochzeit ein sehr wichtiges Fest mit vielen Ritualen und einem genauen Ablauf. In den letzten 24 Stunden vor der Eheschließung darf sich das Brautpaar nicht mehr begegnen. Bei der Trauungszeremonie segnet ein Rabbiner mit sieben Segenssprüchen ein Glas Wein und reicht es dem Brautpaar. Beide trinken daraus. Anschließend zerschmettert der Bräutigam das Glas. Dabei steht das Brautpaar unter einem mit Blumen geschmückten Trauhimmel.

Auch das Leben von Rabbinern und die Handlungen in der Synagoge erläuterten die Schülert. Ebenso Kleidungsstücke wie Kippa oder Tallit. Führungen auf dem Judenfriedhof ergänzten die Studien.

Warum der Chanukka-Leuchter acht Arme hat
Wie ein Trauhimmel bei einer jüdischen Hochzeit aussieht, zeigen Nathalie (li.) und Sophia beim Projektag. Foto: Roland Dietz

Von Roland Dietz

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