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BURGKUNSTADT

Burgkunstadt: Fragezeichen beim Thema Quarantäne

An der Realschule Burgkunstadt wurde eine zehnte Klasse in Quarantäne geschickt, weil ein Schüler positiv getestet wurde. Betroffen sind davon 30 Schüler und sechs Lehrer. Doch wie geh es weiter? Foto: Steffen Huber

Es klingt paradox und wenig sinnvoll: Dürfen Lehrer, die nach Corona-Vorfällen an ihrer Schule vorsorglich isoliert und im Folgenden negativ getestet wurden, dann zwar wieder unterrichten, müssen aber sonst weiter eine häusliche Quarantäne einhalten? Konkreter Anlass für diese Fragestellung sind die Vorkommnisse am Burgkunstadter Schulzentrum. Die Antwort vom Sachaufwandsträger hinterlässt viele Fragezeichen.

Eine Geburtstagsparty war der Auslöser dafür, dass sich derzeit fast 200 Schüler und Lehrer von Gymnasium und Realschule Burgkunstadt in Quarantäne befinden (diese Redaktion berichtete). Zwei Gymnasiasten hatten sich dort angesteckt, ebenso ein Realschüler – und seitdem bleiben alle dem Präsenzunterricht fern, die mit ihnen in Kontakt waren.

Klärungsbedarf zwischen Landratsamt und Ministerium

Doch wie geht es weiter? Diese Redaktion konfrontierte die Pressestelle des Landkreises Lichtenfels und damit den Sachaufwandsträger mit einer schier unglaublichen Fragestellung, basierend auf Informationen, die die Heimatzeitung aus gut unterrichteten Kreisen erhielt: Dürften mehrmals negativ getestete Lehrer wirklich ab sofort wieder in der Schule unterrichten, nicht aber einkaufen gehen, weil außerhalb der Schulzeit weiter die häusliche Isolation gilt? „Zum Vorgehen hinsichtlich der Lehrer gibt es derzeit keine Mitteilung des Ministeriums“, antwortet Pressesprecher Andreas Grosch. „Es muss hier noch geklärt werden, ob die Quarantäne nach zwei negativen Testergebnissen verkürzt werden kann und ob dann im Privatbereich die Quarantäne aufrecht erhalten werden muss oder nicht.“ Das Landratamt dränge auf eine einheitliche Lösung durch die übergeordneten Behörden.

Corona-Testcenter am Flughafen Dresden
Eine Geburtstagsfeier war der Auslöser für Erkrankungen mit dem Covid-19-Virus in Burgkunstadt. In der Folge wurden in den vergangenen Tagen zahlreiche Coronavirus-Tests absolviert. Foto: SymbolRobert Michael/dpa

„Das Gesundheitsamt trifft Entscheidungen auf Grundlage der Vorgaben des Robert-Koch-Instituts, des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sowie der zuständigen Bayerischen Ministerien“, erklärt er.

Auch in Situationen, in denen in Schulen eine Maskenpflicht bestehe, gelte laut dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege folgendes Vorgehen: „Tritt ein bestätigter Covid-19 Fall bei einem Schüler in einer Klasse auf, so wird die gesamte Klasse für 14 Tage vom Unterricht ausgeschlossen sowie eine Quarantäne durch das zuständige Gesundheitsamt angeordnet.“

Covid-19-Fälle im Landkreis sind klar lokalisierbar

Betroffen sind derzeit in Burgkunstadt die am Gymnasium die Jahrgangsstufen Q 11 und Q 12 sowie an der Realschule die zehnte Klasse. Die häusliche Quarantäne wurde bis 24. September angeordnet. Laut Robert-Koch-Institut liegt der Sieben-Tage-Inzidenzwert im Landkreis Lichtenfels derzeit bei 20,95 und ist damit in den vergangenen Tagen etwas gesunken. „Die Covid-19-Fälle sind noch klar lokalisierbar, daher sind keine weiteren Schritte von Nöten“, heißt es aus dem Landratsamt. Hotspots gebe es (derzeit) keine. Nichts desto trotz trifft sich seit Beendigung des Katastrophenfalls einmal wöchentlich der Krisenstab.

Wie geht es weiter nach negativen Corona-Tests? Eine klare Antwort scheint es derzeit darauf nicht zu geben. Foto: Steffen Huber

Noch gibt es keine Allgemeinverfügung

Maßnahmen seitens des Landrats wie im Landkreis Kulmbach gibt es derzeit nicht. Aktuell nicht, da unsere Sieben-Tage-Inzidenz dies – noch – nicht erfordert“, sagt Andreas Grosch. „Bei möglichen und notwendigen Maßnahmen, also einer Allgemeinverfügung, muss immer abgewogen werden,um welches Ausbruchsgeschehen es sich handelt.“

Wenn die Quelle eindeutig lokalisierbar sei, seien andere Maßnahmen erforderlich als bei einem verteilt auftretenden Ausbruchsgeschehen. „In unserer wöchentlichen Corona-Meldung zu den Zahlen auf Gemeindeebene, weisen wir die Bevölkerung stets darauf hin, die Hygieneregeln einzuhalten. Waren es zum Beginn der Pandemie hauptsächlich ältere Menschen, die an dem Virus erkrankten, trifft es derzeit eher die jüngere Generation.“

Für den Fall der Fälle hat der Landkreis vorgesorgt

Fehlende Masken dürften, sollten die Werte wieder ansteigen, im Landkreis Lichtenfels kein Problem werden. „Wir haben eine Lagerhaltung“, bestätigt Pressesprecher Grosch auf Nachfrage. Aber: „Mögliche Ausgaben von Material sind klar durch die Staatsregierung reglementiert.“

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Ein Arzt nimmt in einer Corona-Teststelle einen Abstrich für einen Coronavirus-Test. Foto: SymbolBritta Pedersen/dpa

Von Markus Drossel

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