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ALTENKUNSTADT

Bücherei Altenkunstadt: Es gibt wieder etwas zu lesen

Desinfektion, Mund-Nasen-Schutz und ausreichend Abstand sollen für Besucher und Mitarbeiter der evangelischen Bücherei in Altenkunstadt das Infektionsrisiko mit Covid-19 möglichst klein halten. Einrichtungsleiterin Kathrin Hofmann freut sich über die Schutzscheibe mit einer Durchreiche für Bücher, mit der das evangelische Literaturportal zur Wiederöffnung die Kirchengemeinde überraschte. Foto: Bernd Kleinert

„Immer wieder wurden wir gefragt, wann wir endlich unsere Bücherei wieder aufmachen. Die Leute wollten ihre gelesenen Bücher zurückgeben und neuen Lesestoff ausleihen für sich und ihre Kinder“, erzählt Pfarrerin Bettina Beck. Am Mittwoch war es dann endlich soweit: Nach einer durch die Corona-Pandemie verursachten mehr als zweimonatigen Zwangspause öffnete die evangelische Bücherei in Altenkunstadt erstmals wieder ihre Pforten.

Die Verantwortlichen der Kirchengemeinde haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Unterstützung erhielten sie vom evangelischen Literaturportal, das nicht nur informierte, wie eine Wiederöffnung unter Corona-Bedingungen aussehen könnte, sondern auch noch mit einem Geschenk überraschte: Eine mit einer Durchreiche für Bücher ausgestattete Schutzscheibe für die ehrenamtlichen Mitarbeiter hinter der Theke.

Vieles galt es zu berücksichtigen

„Dann ging unsere Arbeit richtig los“, berichtet Bettina Beck. In Absprache mit den Ehrenamtlichen erstellte die junge Geistliche ein Schutzkonzept für die Bibliothek. Vieles galt es zu berücksichtigen, angefangen bei den Möglichkeiten, die der kleine Raum bietet, über die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter bis hin zum Schutz der Besucher. „Dank fleißiger Helferinnen gibt es jetzt einen geschützten Arbeitsbereich für die Ehrenamtlichen mit durchsichtigen Schutzscheiben und ausreichend Abstand zu den Besuchern sowie Plakate, die über das richtige Verhalten in der Bücherei informieren“, freut sich Beck.

Die Bücher werden kontaktlos getauscht und liegen so lange unberührt in der Rückgabe-Box, bis keine Infektionsgefahr mehr von ihnen ausgeht. Die Mitarbeiter bekommen Handschuhe gestellt. Desinfektionsmittel stehen sowohl für sie wie auch die Besucher bereit.

Vorerst ist die Bücherei nur mittwochs von 16 bis 17 Uhr für Erwachsene geöffnet. „Wir wollen zunächst Erfahrungen sammeln und dann schrittweise weiter öffnen. Ich bin sehr gespannt, wie gut unser Schutzkonzept in der Praxis funktioniert und was wir noch anpassen müssen. Wir lernen dazu und informieren uns laufend über den aktuellen Stand“, erklärt die Pfarrerin.

Im Obergeschoss der Bibliothek, das eine reiche Auswahl an Kinder- und Jugendliteratur beherbergt, geht es im Moment noch ruhig zu. Voraussichtlich ab Juli können auch Mädchen und Jungs sich hier wieder mit Lesestoff versorgen. Foto: Bernd Kleinert

 

Vorerst nur mittwochs von 16 bis 17 Uhr geöffnet

Der 1997 errichtete einstöckige Bücherei-Anbau ist nicht übermäßig groß. Die Seelsorgerin hatte daher anfangs Bedenken, ob es hier überhaupt möglich ist, genügend Abstand zu halten, und der Austausch der Bücher so erfolgen kann, dass das Infektionsrisiko möglichst gering ist. „Da ich die Verantwortung für den Schutz der Ehrenamtlichen und der Besucher trage, war es mir wichtig, sorgfältig und gut überlegt vorzugehen“, betont Bettina Beck.

„ Ich bin sehr gespannt, wie gut unser Schutzkonzept in der Praxis funktioniert und was wir noch anpassen müssen.“
Pfarrerin Bettina Beck

Jede Woche vor der Öffnung müssen ihren Worten zufolge Schutzmaterialien bereitgestellt und die Flächen gründlich gereinigt werden. Die Mitarbeiter müssen sich auf neue Abläufe und das Tragen von Schutzkleidung einstellen sowie nach der Öffnungszeit verschiedene Flächen desinfizieren und den Raum gut lüften. Vorerst darf jeweils nur eine Person ohne Begleitung die Bücherei betreten. Die Besucher müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen und möglicherweise eine Weile vor der Tür warten, falls schon jemand in der Bücherei ist.

Kunden reagieren positiv und verständnisvoll

„Normal ist das nicht. Aber so ist das momentan ja in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens. Wenn die neuen Gewohnheiten eingespielt sind, ist der Aufwand nur ein wenig größer als früher. Dann kehrt, so denke ich, auch in der Bücherei wieder Routine und Ruhe ein“, meint die Geistliche.

Aber wie ist denn der erste Öffnungstermin am Mittwoch nun verlaufen? „Der Besucheransturm hielt sich in Grenzen. Es muss sich offensichtlich erst noch herumsprechen, dass unsere Bibliothek wieder geöffnet ist“, sagt Kathrin Hofmann. Die Leiterin der Bücherei ist überrascht, wie positiv und verständnisvoll die „Kunden“ angesichts der Sicherheitsvorkehrungen reagieren.

Seit 1997 ist die öffentliche Bücherei in einem einstöckigen Anbau der evangelischen Kreuzbergkirche untergebracht. Foto: Bernd Kleinert

Jeder Nutzer sollte sich nicht länger als zehn Minuten in der Bibliothek aufhalten. Ist dieser Zeitraum nicht zu knapp bemessen? „Die Leute, die zu uns kommen, wissen in der Regel, was sie wollen und wo sie es finden. Die zehn Minuten reichen also voll und ganz“, erklärt Hofmann.

Freude über den ersten Schritt

Pfarrerin Bettina Beck freut sich, dass der erste Schritt getan ist und die öffentliche Bücherei nun zumindest einmal pro Woche für „Leseratten“ da sein kann. „Bücher sind ja doch auch eine kleine Flucht aus dem Alltag in eine andere Welt. Lesen tut gut im Moment. Es hilft gegen Langeweile, Sozialstress oder trübe Gedanken und kann dazu beitragen, ein bisschen mehr Ruhe, aber auch eine Menge Spaß und Ablenkung in den Alltag zu bringen“, betont sie.

Wer übrigens Lust hat, in der evangelischen Bücherei ehrenamtlich mitzuarbeiten, ist stets willkommen. In „normalen“ Zeiten ist die Bibliothek montags und mittwochs geöffnet. Nähere Informationen gibt es im Pfarramt oder direkt in der Bücherei.

 

Von Bernd Kleinert

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