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ALTENKUNSTADT / BURGKUNSTADT

Blick in die Chronik: Fußballherrlichkeit am Obermain

Blick in die Chronik: Fußballherrlichkeit am Obermain
Immer ein „Fußball-Klassiker“ am Obermain, die Spiele zwischen den beiden Kunstädten, dem 1. FC Burgkunstadt und dem 1. FC Altenkunstadt. Foto: Archiv

Zu Zeiten der Pandemie ist wenig zu verspüren von der legendären Fußballherrlichkeit am Obermain. Einst sorgten der FC Burgkunstadt und der FC Altenkunstadt regelmäßig dafür, dass bei den Lokalderbys rund 2000 Zuschauer keine Seltenheit waren. Ein Blick in die Fußballgeschichte zeigt, dass sogar der einstige Torhüter des 1. FC Nürnberg und Nationaltorhüter Heiner Stuhlfaut tatsächlich einmal als Fußballtrainer in der Schuhstadt wirkte. Wenngleich dieses Gastspiel nur ganze 14 Tage dauerte.

In England rollte das runde Leder schon seit geraumer Zeit, als „König Fußball“ nach Deutschland kam. Vor mehr als 100 Jahren entstanden dabei diesseits und jenseits des Mains Fußballvereine. Der erste er beiden in den „Kunstädten“ entstand im Jahre 1911 in Burgkunstadt. Aus der Reihen der Gründungsmitglieder sind besonders Karl Ruckdeschel und Nikolaus Hartmann in Erinnerung geblieben.

Burgkunstadt schickte sich zu diesem Zeitpunkt an, neben Pirmasens einer der bedeutendsten Wirtschaftsstandorte der Schuhindustrie zu werden. Mit diesem Aufschwung nahm auch das Vereinsleben beim 1. FC Burgkunstadt eine aufstrebende Entwicklung. Das erste Spiel wurde in Kronach mit der Mannschaftsaufstellung: Bär, Scholl, Seligenbrunn, Popp, Wich, Ruckdeschel, Hartmann, Reuther, Mehringer, Bapistella, Pfister absolviert. Allerdings erhielt der Neuling aus Burgkunstadt eine deutliche Lehrstunde mit einer 14:0 Niederlage.

Keine Chance für eine siegreiche Revanche

Zwar wollte der 1. FC Burgkunstadt beim Rückspiel dann gründlich Revanche nehmen. Doch glückte dieser Vorsatz nicht ganz (Endstand 0:21). In der Folgezeit wechselten häufig auch die Spielorte: neben der Alten Poststraße, in der Landsgemeinde und am Ebnether Berg. Gerade letzterer war eines der prägnanten Fußballfelder – aufgrund der „besonderen Geländestruktur“. Wenn man bei einem Tor stand, war vom Gehäuse auf der anderen Seite der Spielhälfte nur die Querlatte zu sehen.

Dann kam der erste Weltkrieg, der Spielbetrieb ruhte. 1919 fanden sich dann auch in Altenkunstadt Sportbegeisterte zusammen und gründeten einen Fußballverein. In Burgkunstadt hatten die unseligen Kriegsjahre viele Opfer gefordert, dennoch beschlossen in dem gleichen Jahr auch die Schuhstädter ihr Vereinsleben wieder fortzuführen. Die ersten „Wettspiele“ gab es gegen die Vereine aus Schney, Kulmbach, Michelau, Lichtenfels, Neustadt/Coburg und Oberlind. Der Verein wuchs und bald nahmen neben der „Ersten“ eine zweite- und dritte Vollmannschaft am Spielbetrieb teil.

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Immer ein „Fußball-Klassiker“ am Obermain, die Spiele zwischen den beiden Kunstädten, dem 1. FC Burgkunstadt und dem 1. FC Altenkunstadt. Foto: Archiv

Als 1922 Nikolaus Hartmann den Vereinsvorsitz übernahm, gelang es ihm, aufgrund seiner guten Verbindungen zur Fußballhochburg in der Noris, tatsächlich für zwei Wochen den Club- und Nationaltorhüter Heiner Stuhlfaut als Trainer zu verpflichten. Der fuhr nicht mit einem schnittigen Sportwagen, sondern auf einem einfachen Motorrad vor.

Endlich klappt es mit der Meisterschaft

Und der Erfolg seiner Tipps blieb nicht aus, denn die Meisterschaft in der B-Klasse konnte errungen werden. Anlässlich des 15-jährigen Bestehens gab es einen ersten Höhepunkt in der Vereinsgeschichte, denn es kam der damalige Gau-Meister 1921/22, die SpVgg Fürth, nach Burgkunstadt. Der Gastgeber hatte seine Elf mit Spielern des 1. FC Lichtenfels und des 1. FC Michelau verstärkt: Das 2:5 wurde am Ende als ein durchaus passables Ergebnis empfunden.

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Es war zwar nur ein kurzes Gastspiel, dennoch fungierte Nationaltorhüter Heiner Stuhlfaut tatsächlich einmal vierzehn Tage als Trainer des 1. FC Burgkunstadt; unser Bild entstand als er später zu einem Sportvortrag nochmals in die Schuhstadt kam. Foto: Archiv

s folgten dann die vielfach propagierten „goldenen Jahre“ des Fußballs, in denen sich der Verein zeitweise „Turn- und Sportverein (Tuspo) Burgkunstadt“ nannte. Auch der 1. FC Altenkunstadt konnte in dieser Zeit Meisterschaften und den Aufstiege vermelden. In der Folgezeit und in den zwölf Liga-Jahren von 1927 bis 1939 gelangen den Schuhstädtern dabei drei Meistertitel (1932, 1933 und 1937). Einen gewissen Anteil an diesen Erfolgen hatte auch der damalige Trainer Hans „Prinz“ Hagen, der zweimal mit der SpVgg Fürth die Deutsche Meisterschaft (1926, 1929) errungen hatte und zudem auch Nationalspieler war.

Viele Spieler kehren nicht mehr aus dem Krieg heim

Der Zweite Weltkrieg riss dann erhebliche Lücken. Viele talentierte Spieler kehrten nicht mehr heim. Erst als sich dann langsam auch die Kriegsgefangenenlager leerten, entwickelte sich der Fußballsport in Altenkunstadt und Burgkunstadt von Neuem. Es gab am 15. Juli 1945 das erste Spiel – wie konnte es auch anders sein - zwischen dem 1. FC Burgkunstadt und dem 1. FC Altenkunstadt, auf dem Spielfeld von Baiersdorf, das 6:3 endete. Wobei die Gästen aus der Schuhstadt so prominente Akteure wie den damaligen Torschützenkönig vom Niederrhein, Heinrich Rosenbauer, in ihren Reihen hatten.

Das 35-jährige Gründungsfest wurde in Burgkunstadt mit einem Ball im Müller-Saal (heute Hotel „Drei Kronen“) und einem reichen Sportprogramm auf der Mühlwiese gefeiert. Von der Schülerklasse bis hin zu den Aktiven wurden gegen die Teams des 1. FC Altenkunstadt gespielt. Höhepunkt der Programmfolge war jedoch, vor 5000 Zuschauern, ein Spiel des Jubelvereins gegen den Niederrheinmeister Tuspo Duisburg 1848/99, der damals bekannte Nationalspieler wie Toni Turek, Willy Busch, Hans Biallas und den in seinem Heimatort Burgkunstadt bekannten Mittelstürmer Heinrich Rosenbauer aufgeboten hatte.

Das Jubiläumsspiel am 30. Juni 1946, wurde, sehr zur Freude aller heimischen Fußballfans, sogar 2:1 gewonnen. Die beiden Treffer der Burgkunstadter hatte Mittelstürmer Erwin Weiß erzielt.

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Am 17. Mai 1927 wurde das entscheidende Spiel gegen 1892 Würzburg mit 5:2 gewonnen, womit der 1. FC Burgkunstadt A-Klasssenmeister war; das erfolgreich Team ließ sich anschließend gleich fotografieren. Foto: Archiv

In den Folgejahren, der Verein hieß wieder „1. FC Burgkunstadt“, herrschte ein reger Spielbetrieb. Meisterschaft und Abstieg lagen häufig eng beieinander, so dass ein Chronist vermerkte: Vom 28. Juni 1931 bis 26. März 1951 wurden von der 1. Mannschaft 474 Spiele ausgetragen, und bei einem Torverhältnis von 1102:266 261 gewonnen, 86 Spiele endeten unentschieden und 127 Spiele endeten mit einer Niederlage.

Aufstieg in die Landesliga

Eine der Höhepunkte in der Vereinsgeschichte gelang den Burgkunstadt am 24. Juli 1966 in Bayreuth als Entscheidungsspiel gegen den FC Wacker Marktredwitz mit 5:3 gewonnen wurde und damit der Landesligaaufstiege gelang. diese Spielklasse konnte bis 1968 gehalten werden.

Auf der anderen Seite des Mains war den Bemühungen ebenfalls Erfolg beschieden und der 1. FC Altenkunstadt schaffte 1970/71 sogar den Aufstieg in die Bezirksliga Oberfranken-West. Damit konnte es die heiß ersehnten Lokalderbys – vom „Dorfverein“ gegen die „Städter“ wieder geben. Tausende von Zuschauern sahen meist diese Begegnungen an den Fußballsonntagen. Wenn sich ein derartiges Spiel ankündigte, gab es immer regelrechte „Zuschauer-Wahlfahrten“ zwischen den „Kunstädten“, und 2000 Besucher waren keine Seltenheit.

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Für einen deutlichen Aufschwung auf dem Gebiet des Fußballs sorgt die Fertigstellung des Schul- und Sportzentrum von Altenkunstadt: unser Bild entstand bei einem der unvergessenen Spiele auf diesem Gelände - gegen den damaligen Zweitligisten, die SpVgg Bayreuth. Foto: Archiv

Nach dem gelungenen Jubiläum „100 Jahre FC Altenkunstadt“ im Jahr 2019 hätte es in diesem Jahr bei den Schuhstädtern ebenfalls eine Grund zum Feiern gegeben, denn der Verein besteht ja bekanntermaßen genau 110 Jahre. Doch hat Corona die Planungen. Zum Glück bleiben die Erinnerungen an „mehr als 100 Jahre des Fußball am Obermain“.

 

Von Dieter Radziej

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