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KRASSACH

BBV am Obermain: Hoffnung auf eine gute Ernte

BBW am Obermain: Hoffnung auf eine gute Ernte
Kreisbäuerin Marion Warmut (li.), Kreisobmann Michael Bienlein (Mi.) und Landwirt Norbert Rehe (re.) überprüfen Weizenähren im Weizenfeld auf ihre Kornfülle. Foto: Roland Dietz

„Ohne Landwirtschaft fehlt was“, war auf dem T-Shirt des stellvertretenden Kreisbauernobmanns Lothar Teuchtgräber zu lesen, als er zum Erntepressegespräch des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) Lichtenfels-Coburg erschien. Ein Spruch, der Programm war für das Treffen. Kreisbauernobmann Michael Bienlein wurde dabei natürlich konkreter. „Biologisch allein sind Lebensmittel für ganz Deutschland im Moment nicht zu erzeugen“, sagte er bei diesem Treffen auf dem landwirtschaftlichen Anwesen von Norbert Rehe in Krassach bei Weismain.

Dieser stellte seinen Hof, den er mit seiner Frau Ute bewirtet, kurz vor. Die Anbaufläche des Betriebes beträgt 100 Hektar. Davon werden in diesem Jahr 15 Hektar mit Dinkel, zehn Hektar mit Wintergerste, 15 Hektar Winterweizen und 20 Hektar Mais angebaut. Im Betrieb ist er seit 1985 tätig. Er geht davon aus, dass die 30 Hektar Wiesenflächen in diesem Jahr drei bis viermal geschnitten werden können.

Hans Rebelein, BBV-Geschäftsführer, machte darauf aufmerksam, dass dies in diesem Jahr den Regenniederschlägen zu verdanken ist. Dies ist auch im Getreideanbau für große Wichtigkeit, besonders für die Kornfülle. Insgesamt ist eine gute Ernte in diesem Jahr zu erwarten. Es bleibe nun die Hoffnung auf eine möglichst trockene Erntezeit.

In der Erntezeit wird Tag und Nacht gearbeitet

Michael Bienlein führte dazu aus, dass der BBV die Bevölkerung um Nachsicht und Verständnis bitte, wenn die Landwirte in der Erntezeit praktisch wieder Tag und Nacht arbeiten müssen, und es zu Beeinträchtigungen zum Beispiel verschmutzte Straßen kommt. „Wir machen dies nicht aus Jux und Tollerei, sondern um einen zügig verlaufenen Erntebetrieb zu erreichen“, erklärte Bienlein.

Trotz dieser nicht schlechten Aussichten machten die Verantwortlichen des BBV auch über die aus ihrer Sicht herrschenden Missstände im landwirtschaftlichen Bereich aufmerksam. Durch politische Vorgaben passe in der Vegetation vieles nicht mehr zusammen. „Vorgaben, wie und wann geerntet oder geschnitten werden soll, sind auch oft wetterbedingt nicht umzusetzen“, kritisierte Kreisbäuerin Marion Warmuth. Auch stellen oft Unwetter und Starkregen Probleme in jeder Hinsicht dar. Ohne vernünftige Düngung komme es dann beim Getreide zum Weizenbruch.

Probleme gebe es auch, wenn Gerstenfelder so platt wurden, das sehr schnell Unkraut durchkomme, wenn nicht entgegengewirkt werde. Deshalb könne man nur hoffen, dass es bis zum Erntebeginn keine relevanten Starkniederschläge gibt.

Dies sah BBV–Obmann Michael Bienlein ebenso. Die meisten Pflanzenmittelschutzverbote seien für angebaute Pflanzen wie Arzneiverbote für kranke Menschen. Wichtig sei es für die ganze Landwirtschaft, dass dies ernst genommen werde, um gesunde Nahrung für die Verbraucher herzustellen.

Eine immer größere Herausforderung

BBW am Obermain: Hoffnung auf eine gute Ernte
Der diesjährigen Ernteslogan lautet „So ein Feld kann man nicht Online bestellen“. Die BBV-Vertreter (v. li.) Ute und Norbert Rehe, BBV – Geschäftsführer Hans Rebelein, Kreisbäuerin Marion Warmuth, stellvertretender BBV-Kreisobmann Lothar Teuchtgräber, BBV-Kreisobmann Michael Bienlein, stellvertretende Kreisbäuerin Susan Teuchtgräber und BBV-Mitarbeiter Daniel Lieb. Foto: Roland Dietz

Insgesamt würden Pflanzenschutzmittelverordnungen für die Landwirtschaft eine immer größer werdende Herausforderung darstellen, da immer weniger Mittel zugelassen werden. Doch die Pflanzen müssten weiter gesund gehalten werden. Die damit verbundene Bürokratie erschwere alles noch weiter, meinte Bienlein. So drohe die Gülleausbringung ab 2025 ein weiteres größeres Problem zu werden. Bereits jetzt dürfe es auf Äckern keine Breitverbreitung von Gülle mehr geben. Besonders bei unwegsamen Feldgelände werde es im technischen Sektor nicht leichter.

Die schwierige Finanzierung im landwirtschaftlichen Bereich sprach BBV-Geschäftsführer Hans Rebelein an. Trotz eigentlich guter Preislage im Winter und Frühjahr nahmen die Kosten für Betriebsmittel leider wieder einmal zu. Dies sei besonders durch die Kohlendioxid–Steuern zu spüren. Ebenfalls schlage sich die Teuerung beim Zukauf von Futter bei den Landwirten nieder. Auch bei der Getreidebelüftung seien höhere Ausgabekosten zu erwarten und die Teuerung von Diesel täte ihr übriges dazu.

Dann erstellte Bienlein eine Gegenrechnung. So kommen beim konventionell wirtschaftenden Landwirt von der Brauergerste eines Liters Bier 0,18 Euro, bei einem Kilo Mischbrot 0,20 Euro, bei einem 200 Gramm-Kotelett 0,31 Euro, bei einer Bratwurst in der Semmel 0,18 Euro, bei einer Kartoffel 0,01 Euro und bei einem Liter Milch 0,09 Euro beim Bauern an.

Immer weniger Haupterwerbslandwirte

Das Ergebnis davon sei, dass die Zahl der Haupterwerbslandwirte von 2305 im Jahr 1980 auf 844 in unserem Bereich gesunken ist. Auch die Entwicklung bei der Flächennutzung gebe keine besseren Zahlen her. „Wir werden jedoch in der Landwirtschaft bestmögliche Qualität besonders in der anstehenden Ernte für Brot und Mahlgetreide liefern“, erklärte Michael Bienlein am Ende des Gespräches.

Von Roland Dietz

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