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ALTENKUNSTADT / STRÖSSENDORF

Altenkunstadt Pfarrerin Bettina Beck zu Corona und Ökumene

Gebete, Segensworte und Bibelsprüche bietet die „Seelennahrung zum Mitnehmen“, die Pfarrerin Bettina Beck während der Corona-Krise an der Altenkunstadter Kienmühlbrücke und am Strössendorfer Friedhof serviert. Ein Angebot, das von den Bürgern gerne angenommen wird. Foto: Bernd Kleinert

Bettina Beck ist in Mittelfranken aufgewachsen, absolvierte in Unterfranken ihr Vikariat und übernahm in Oberfranken ihre erste eigene Pfarrstelle. „Inzwischen habe ich ganz Franken kennen und lieben gelernt und ich muss sagen: Passt scho“, schmunzelt die Geistliche, die seit September die evangelischen Christen in Altenkunstadt und Strössendorf seelsorglich betreut.

Bettina Beck gefällt es am Obermain sehr gut. „Ich habe den Eindruck, dass es ein Wink des Himmels war, hier meinen Dienst als Pfarrerin zu beginnen“, meint die sympathische Seelsorgerin. In den ersten Monaten hat sie sich nicht nur eingearbeitet, sondern auch viele Leute kennengelernt. Die Theologin empfindet die Oberfranken als herzliche Menschen, die die neue Pfarrerin mit offenen Armen empfangen haben. „Das haben wir schon beim Umzug in das Altenkunstadter Pfarrhaus gemerkt: Alle haben beim Ausladen mit angepackt, der Posaunenchor hat uns ein Ständchen gespielt und wir haben sogar eine Brotzeit bekommen“, erinnert sich die Seelsorgerin.

„Jeder Gottesdienst ist anders, er ist ja keine Einbahnstraße, sondern ein Kommunikationsgeschehen zwischen mir, der Gemeinde und Gott.“
Bettina Beck, evangelische Pfarrerin

Man habe gespürt, dass die Menschen hier zusammenhalten und sich engagieren. „Für all das können wir nur Danke sagen in der Hoffnung, uns eines Tages revanchieren zu können“, betont sie. Wenn Bettina Beck von „wir“ und „uns“ spricht, dann meint sie damit sich und ihren Ehemann Gundolf, der ebenfalls Pfarrer ist und die dritte Pfarrstelle in Michelau übernommen hat.

Dass die junge Geistliche in ihrer ersten Kirchengemeinde gleich für zwei Gotteshäuser zuständig ist, sieht sie nicht als Belastung.„Ich feiere gerne Gottesdienst. Jeder Gottesdienst ist anders, er ist ja keine Einbahnstraße, sondern ein Kommunikationsgeschehen zwischen mir, der Gemeinde und Gott“, sagt sie. Außerdem hätten die beiden Kirchen in Strössendorf und Altenkunstadt jeweils ihre eigene Atmosphäre: „So kann derselbe Gottesdienst beim Feiern ganz anders sein, je nachdem wer mitfeiert und wo man feiert. Das empfinde ich als sehr bereichernd.“

Dankbar ist Beck für die vielfältigen Angebote der Gruppen und Kreise. „Ich finde es super, dass hier so viele Menschen im Gemeindehaus zusammenkommen. Das macht unsere Gemeinde lebendig und attraktiv“, schwärmt sie.

Was neue Aktivitäten angeht, möchte es die Seelsorgerin eher ruhig angehen lassen. „Mein Anliegen ist es im Moment, die Menschen kennenzulernen, die sich in der Gemeinde treffen, ebenso wie die, die noch nicht aktiv in der Gemeinde sind. Ich möchte hören, was ihnen Freude macht und was sie sich von ihrer Kirche wünschen. Dabei entstehen die besten Ideen und Initiativen.“ Auf keinen Fall wolle sie sich „in Aktionen verrennen“, die am Ende in der Gemeinde niemand brauche.

Bettina Beck freut sich über die vielen Menschen, die sich mit unterschiedlichen Talenten in das Gemeindeleben einbringen. „Nicht die Gebäude oder die Finanzen sind der eigentliche Reichtum der Kirche, sondern die Menschen, die miteinander ihren Glauben leben und feiern“, stellt sie klar.

Und wie sieht es mit dem Angebot an Gottesdiensten aus? „Der Hauptgottesdienst ist mir sehr wichtig, weil hier jeden Sonntag die Gemeinde zusammenkommt und im Glauben gestärkt wird“, so die Pfarrerin. Natürlich spreche er eine ganz bestimmte Zielgruppe an und sei manchen Menschen wegen der besonderen traditionellen Sprache und Musik eher fremd. Beck zufolge gehört zum Charme des klassischen Gottesdienstes aber auch, dass Christen auf Traditionen vertrauen, die viele Generationen durchs Leben getragen haben. Allerdings könne sie sich auch vorstellen, die unterschiedliche Atmosphäre der beiden Kirchen noch mehr zu unterstreichen und in Altenkunstadt Gottesdienste mit freier, alltäglicher Sprache und Musik zu feiern. Aber das müsse die Gemeinde und letztlich der Kirchenvorstand entscheiden.

Das Gemeinsame im Glauben an Jesus ökumenisch gestalten

Was das Miteinander der Konfessionen angeht, ist es der Pfarrerin wichtig, das Gemeinsame im Glauben an Jesus Christus ökumenisch zu gestalten. Dazu zählen das Lesen der Heiligen Schrift und die Verkündigung des Evangeliums, Beten und Singen, tätige Nächstenliebe und Seelsorge. Auch im kirchlichen Bereich wird der Verwaltungsaufwand immer größer. Bettina Beck ist deshalb dankbar, kompetente Mitarbeiter der Verwaltungsstelle in Michelau und mit Sabine Krausche eine engagierte Gemeindesekretärin an ihrer Seite zu wissen, die ihr die nicht-theologischen Arbeitsbereiche so weit wie möglich abnehmen. „Verwaltung habe ich nicht gelernt, ich bin Theologin und Seelsorgerin. Man sehe es mir nach, wenn ich mich darauf konzentriere“, erklärt die Geistliche.

Das Coronavirus, das derzeit die Welt in Atem hält, beeinträchtigt auch das kirchliche Leben. „Vieles, was uns sonst beschäftigt, ruht im Moment. Auch unser geistiges Leben im gemeinsamen Gottesdienst, sogar an Ostern, dem höchsten christlichen Fest im Jahr. Das schmerzt zwar, ist zugleich aber eine Chance, sich auf das Wesentliche zu besinnen, was uns ausmacht als Gemeinde und was wir auf anderem Weg mit Leben füllen wollen“, meint Beck und verweist auf kreative Initiativen wie Online-Gottesdienste, „Seelennahrung zum Mitnehmen“ an besonderen Orten, Videobotschaften per WhatsApp und offene Kirchen als Orte der Ruhe und des Gebets. Ist die Krise einmal überstanden, werde vieles davon nicht mehr gebraucht. „Manches aber entfaltet schon jetzt eine neue Kraft und Reichweite über die bisherigen Grenzen hinaus.“

Trotz Corona-Krise mit all ihren Beschränkungen freut sich Bettina Beck bereits auf 2021, ein Jubiläumsjahr für die evangelische Kirchengemeinde. „Die Weihe unserer Kreuzbergkirche in Altenkunstadt jährt sich dann zum 50. Mal. Das ganze Jahr über soll unser Gotteshaus mit kreativen, musikalischen und festlichen Highlights im Mittelpunkt stehen“, erzählt sie.

Feiern und Gebäudesanierung zum Weihejubiläum der Kreuzbergkirche

50 Jahre sind zwar ein Grund zum Feiern, andererseits gehen sie aber auch nicht spurlos an Gebäuden vorbei. „Darum werden wir mithilfe von Spenden unser Gemeindehaus für das nächste halbe Jahrhundert grundlegend energetisch sanieren und renovieren.“ Geplant seien unter anderem ein barrierefreier Eingang zum Gemeindesaal und geräumigere, barrierefreie Toiletten. „Vielleicht, davon träume ich zumindest, kommt ja auch etwas mehr zusammen und wir können sogar den Kirchengarten neu gestalten und für alle öffnen“, fügt sie hinzu. Große Aufgaben, für die man Pfarrerin Bettina Beck nur Gesundheit und Gottes Segen wünschen kann.

Von Bernd Kleinert

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