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Absturz bei Mainroth: Tragisches Schicksal vor 75 Jahren

So sah es an der Absturzstelle noch 1946 aus. Foto: red

75 Jahre sind seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs vergangen und noch heute erinnert ein stilles Mahnmal im Wald bei Mainroth an das tragische Schicksal eines jungen Mannes.

Weil die abziehenden deutschen Truppen am 11. April 1945 die Brücke über den Main bei Rothwind, die alte hölzerne Mainbrücke bei Maineck und die Holz-Metallbrücke zwischen Main-klein und Theisau gesprengt hatten, schlugen die aus Richtung Burgkunstadt anrückenden Amerikaner am 13. April ein riesiges Lager mit Zelten und Armeefahrzeugen auf den Mainwiesen von Mainklein bis Rothwind auf.

Plötzlich kurvten vier deutsche Jagdflugzeuge vom Typ Me 109 des Jagdgeschwaders 300 (Eigenname: „Wilde Sau“) am Himmel und beschossen die Truppenansammlung. Dabei wurde mindestens ein Fahrzeug in Brand geschossen. Dem 575. Luftabwehrbataillon der 11. US-Panzerdivision gelang es, eine ME 109 zu beschädigen und eine weitere Maschine abzuschießen, die anderen beiden drehten ab.

Die abgeschossene Maschine flog brennend über die Dächer von Mainroth, verlor dabei immer mehr an Höhe und stürzte in ein Waldstück oberhalb des Dorfes, wo sie zerschellte. Der Pilot, der noch nicht ganz 20 Jahre alte Abiturient und Fähnrich Waldemar Klüpfel aus Miltenberg am Main, war vermutlich schon vor dem Absturz tot. Die Amerikaner beauftragten einige Mainrother Männer damit, den Leichnam zu bergen und an Ort und Stelle neben den Resten der Messerschmidt zu begraben. Am 4. März 1950 wurde der Fähnrich auf Veranlassung seines Vaters in seine Heimatstadt Miltenberg am Main überführt und dort beerdigt. Geblieben ist der Stein mit dem blanken Propeller, den sein Vater an der Absturzstelle errichten ließ.

Es war nicht der materielle Schaden, der die Menschen erschütterte

Das Fliegergrab war bis Anfang 2018 eine stille Stätte des Erinnerns. Als im Januar 2018 die Nachricht die Runde machte, dass das Fliegergrab geschändet und dabei ein Propellerblatt entwendet worden war, konnte man es in Mainroth kaum glauben. Es war nicht der materielle Schaden, der die Menschen erschütterte sondern die Tatsache, dass man nicht einmal vor diesem Mahnmal für den Frieden haltmacht. Nachdem die polizeilichen Ermittlungen nichts ergaben, beschloss man auf Vorschlag von Franz Ultsch, das Fliegergrab wieder so herrichten zu lassen, wie es vorher war.

Seit dem 13.April 1945 kümmern sich die Mainrother um das „Fliegergrab“, wie das Mahnmal an der Absturzstelle genannt wird. So sorgten sie jüngst auch für die Erneuerung eines entwendeten Propellerblatts. Foto: Ingrid Kohles

Bei der Firma Hofmann Metall Technik traf man auf Gleichgesinnte, die ebenfalls der Meinung waren, dass man solche Mahnmale für die Nachwelt erhalten muss. Neu und trotzdem alt präsentierte sich im Mai 2019 der Nachbau des Propellerblattes der ME 109. Hergestellt und farblich dem historischen Gegenstück angepasst wurde es von Alexander Hofmann aus Kulmbach. Um das Einbetonieren des Duplikats kümmerte sich die Freiwillige Feuerwehr Mainroth, und sie übernahm es auch, das gesamte Umfeld und den Stein zu reinigen. Jetzt kann das stille Mahnmal, das direkt am 7er Rundwanderweg der Stadt Burgkunstadt liegt, wieder problemlos erreicht werden.

Eigentlich sollte es am Ostermontag 2020, der heuer auf den 13. April fällt, wieder eingesegnet werden. Wegen der Ausgangsbeschränkungen infolge der Coronapandemie wird dies zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

 

Von Ingrid Kohles

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