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WEISMAIN

Zuwachs für die Weismainer GUB auf Kosten der CSU

Wer Chef im Weismainer Rathaus wird, entscheiden die Bürger bei der Stichwahl am 29. März. Für einen kleinen Erdrutsch hat die Stadtratswahl bereits gesorgt. Foto: Gerhard Herrmann

Die Machtverhältnisse in Weismain haben sich mit der Kommunalwahl geändert. Bisher hatte die CSU mit acht Sitzen plus der Stimme des Bürgermeister die Mehrheit im Stadtrat. Mit sechs Stadträten (39,1 Prozent, 2014: 46,67 Prozent) wird es künftig auch nicht mehr reichen, wenn Udo Dauer in der Stichwahl sein Amt verteidigt. Gewinner der Wahl ist die GUB/FW, die sich von 19,08 Prozent (2014) auf 30,7 Prozent gemausert hat und damit künftig fünf Sitze stellt (bisher drei). Würde ihr Bürgermeisterkandidat Michael Zapf auch noch die Stichwahl gewinnen, käme sie auf genau so viele Sitze wie die CSU.

Ihre jeweils zwei Sitze verteidigt haben die SPD (2014: 13,28 Prozent) und der Bürgerblock (2014: 14,69 Prozent), auch wenn sie mit jeweils elf Prozent im Vergleich niedriger liegen. Leichte Verluste gab's auch für die Grünen mit 5,8 Prozent (2014: 6,29 Prozent), für die Ursula Gommelt ihr Stadtratsmandat verteidigte. Die Wahlbeteiligung war mit 74,3 Prozent nahezu unverändert (2014: 74,3 Prozent).

„Es ist schade, dass unser sachlicher und ehrlicher Wahlkampf nicht honoriert worden ist“, sagte CSU-Vorsitzender Michael Bienlein, den der Verlust von zwei Sitzen hörbar betroffen machte. Während er die Wiederwahl mit 1484 Stimmen als zweitbester CSU-Kandidat nach dem vom Bürgerblock übergetretenen Jochen Schäfer (1555 Stimmen) und Bürgermeister Udo Dauer (2514) schaffte, wurde Fraktionsvorsitzender Hans Popp mit 651 Stimmen abgestraft und sitzt künftig nicht mehr im Rat. Auch der vom Bürgerblock übergetretene Roland Säum landete mit 1059 Stimmen auf der Nachrückerbank, wo nur Alfons Deuber noch Aussichten hat.

CSU setzt auf sachliche Argumente und soziale Netzwerke statt Versammlungen

Während die CSU auf die gute Arbeit von Bürgermeister Udo Dauer und der Stadträte gesetzt habe, hätte vor allem der Herausforderer von der GUB mit unsachlichen Angriffen und falschen Behauptungen Stimmung gemacht, bedauert Bienlein. Um diese Stimmung zu drehen, werde die CSU bis zur Stichwahl auch deutlicher werden. Weil sich angesichts der Gefahr des Coronavirus weitere Wahlversammlungen verbieten, werde die Partei auf die sogenannten sozialen Medien und die Tageszeitung setzen, um die Bürger zu überzeugen.

Wichtigstes Ziel sei eine sachliche Arbeit im Stadtrat zum Wohl der Bürger. Denn wichtige Projekte für die Zukunft wie die Kanalsanierung in der Innenstadt müssten umgesetzt werden, solange es dafür Zuschüsse gibt. Das habe die CSU auch bisher so praktiziert und ihre Mehrheit nie ausgenutzt, betont er.

Brunecker: Super-Ergebnis für die GUB und Rückenwind für Stichwahl

„Das ist ein Super-Ergebnis – ich bin begeistert“, freut sich GUB-Fraktionssprecherin Janine Brunecker. Das wichtigste Ziel, die Mehrheit der CSU zu brechen, sei erreicht worden. Das sei auch ein Erfolg des engagierten Bürgermeisterkandidten Michael Zapf, der es verstehe, auf die Bürger zuzugehen und mit ihnen auf Augenhöhe zu sprechen. Da er mit 3003 Stimmen das beste Stadtratsergebnis erzielte, sei sie zuversichtlich, dass es ihm auch gelinge, die Stichwahl zu gewinnen. Erfreulich sei es, dass der Stadtrat künftig bunter gemischt sei und viele junge Leute neu dazukommen – beste Voraussetzungen für eine offene, konstruktive Zusammenarbeit.

Bisher sei das oft am „nicht immer konstruktiven Verhalten der CSU“ gescheitert. Zwar seien die Abstimmungen meist einstimmig erfolgt, doch im Vorfeld seien zu wenig Informationen und zu wenig Raum für Diskussionen gewährt worden. „Da wurden Diskussionen durch Augenrollen und abfällige Bemerkungen abgewürgt“, kritisiert sie.

Als wichtigste Ziele nannte sie, dass Weismain wieder einen genehmigungsfähigen Haushalt aufstellen könne, die Sanierung der Innenstadtkanäle und des Rathauses sowie die Dorferneuerung.

Auf drei Sitze für die SPD hatte Michael Dreiseitel (2483 Stimmen) gehofft. „Wir machen gute Arbeit für die Bürger, und ich habe mich als Dritter Bürgermeister bei vielen Gelegenheiten eingebracht“, sagte er. Verwundert zeigte er sich nach 24 Jahren im Stadtrat über die Kritik an der doch meist guten Zusammenarbeit im Gremium. Jetzt gelte es, zusammenzurücken, um trotz Finanznot die Pflichtaufgaben zu stemmen.

Mehr als zwei Sitze hätte Uwe Dück für den Bürgerblock erwartet. Doch so wie er mit der Bürgermeisterkandidatur auf dem dritten Platz landete, so gelang es der Partei nach dem Wechsel der beiden Stadträte zur CSU nur, die beiden Ratssitze zu verteidigen. Wichtig sei es jedoch, dass die CSU-Mehrheit gebrochen worden sei. Gemeinsam mit allen Fraktionen gelte es, das Kanal- und Leitungsnetz in der Innenstadt zu sanieren und andere Projekte wie die Sanierung des Hutzelbrunnens zu überprüfen, um der klammen Stadt Geld zu sparen.

Im Gegensatz zu der am Wahlabend versehentlich angesichts seiner Begeisterung über den Erfolg von Michael Zapf berichteten Unterstützung für den GUB-Kandidaten müsse der Bürgerblock noch darüber beraten, ob er eine Wahlempfehlung ausspreche, betonte Dück.

Auf einen zweiten Sitz hätte Ursula Gommelt von den Grünen gehofft, da sie als Einzelkämpferin oft auf schwierigem Posten stehe. So könne sie nur thematische Schwerpunkte setzen, was die Wahrnehmung der Partei erschwere. So sei es in der Wahrnehmung der Bürger auch untergegangen, warum sie als einzige dem Haushaltsplan nicht zugestimmt habe.

Die AfD muss weiterhin draußen bleiben

Erleichtert zeigt sich die Fraktionssprecher über das schwache Abschneiden der drei AfD-Kandidaten, für die es mit insgesamt 1043 Stimmen nicht für den Einzug in den Stadtrat reichte.

Tabellen mit der Aufschlüsselung der Wahlergebnisse nach Kandidaten und Stimmbezirken gibt es in den nächsten

Tagen.

Der neue Stadtrat

CSU: 1. Udo Dauer, 2. Jochen Schäfer, 3. Michael Bienlein, 4. Rudolf Dück, 5. Julia Spörlein, 6. Johannes Ruß (Möglicher Nachrücker: Alfons Deuber).

Grüne: Ursula Gommelt.

SPD: 1. Michael Dreiseitel, 2. Tobias Pregler.

GUB: 1. Michael Zapf, 2. Gabriele Huber, 3. Janine Brunecker, 4. Matthias Müller, 5. Anita Rauch (Möglicher Nachrücker: Norbert Rehe).

Bürgerblock: 1. Uwe Dück, 2. Bernd Detsch.

 

Von Gerhard Herrmann

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