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WEISMAIN

Wahl in Weismain: Udo Dauer zieht alle Register

Die Familie und die Musik geben Udo Dauer Kraft. Vor dem Klavier im Wohnzimmer mit seiner Frau Joana und den Söhnen Maximilian (li.) und Patrick. Foto: Gerhard Herrmann

Vor der Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Weismain am Sonntag, 29. März, steigt die Spannung. Um den Lesern die Qual der Wahl zu erleichtern, veröffentlicht das Obermain-Tagblatt die Porträts der Kandidaten nochmals. Wir beginnen mit Amtsinhaber Udo Dauer (CSU), der im ersten Wahlgang mit 23 Stimmen knapp vor seinem Herausforderer Michael Zapf (GUB) lag.

Festlich erklingt ein Choral in der Weismainer Stadtpfarrkirche Sankt Martin. Wenn Udo Dauer in die Tasten der Orgel greift und die Register zieht, ist er ganz bei sich. Termindruck und Anspannung seines Amts als Bürgermeister fallen von ihm ab. Fast jeden Sonntag begleitet er den Gottesdienst musikalisch. Eine besondere Freude ist es für ihn, den Organisten in der Basilika Vierzehnheiligen zu vertreten. Und wenn bei der Frühmesse die Sonne die Vergoldungen des Stucks erstrahlen lassen, fühlt sich Udo Dauer erhoben.

Eigentlich spielte er als Jugendlicher Trompete bei der Weismainer Blasmusik, doch als die Pfarrei einen Organisten benötigte, drängten die Eltern den 14-Jährigen dazu, das Ehrenamt zu übernehmen und das Instrument zu wechseln. Eine Entscheidung, die charakteristisch für Udo Dauer ist. Durch sein Engagement und sein Pflichtgefühl kam er auch zum Bürgermeisteramt: Nach dem Rückzug des Vorgängers Peter Riedel musste er als stellvertretender Bürgermeister die Amtsgeschäfte übernehmen. Und als die CSU ihn bei der Kommunalwahl 2008 fragte, ob er nicht als Rathauschef kandidieren wolle, sagte er zu, da er bereits eingearbeitet war und schon vieles angestoßen hatte. Jetzt will der 48-Jährige es nochmals wissen und bewirbt sich für eine dritte Amtszeit.

„Auf dem Mähdrescher kann ich die Gedanken schweifen lassen, und dann kommen mir oft die besten Ideen.“
Udo Dauer, Bürgermeister

Von einer Karriere als Rechtsanwalt hatte der Jurastudent damals geträumt. Bereut habe er die Entscheidung, ins Rathaus zu wechseln, aber keinen Tag, betont Dauer. Seine Leidenschaft für das Baurecht und sein Fachwissen kämen ihm in Weismain, wo viel gebaut wird, zugute, da er so manchen Fehler im Vorfeld erkennen und die Stadt somit öfter auf teure Fachleute verzichten könne.

Der Herr der Orgelpfeifen. Udo Dauer mit dem Stimmstock im Gehäuse der Orgel in der Weismainer Pfarrkirche Sankt Martin. Foto: Gerhard Herrmann

„Ich fühle mich mit Weismain und unserem schönen Frankenland stark verwurzelt“, betont Dauer. Stolz ist er darauf, dass seine Vorfahren Landwirte waren. Er pflegt die Familientradition, indem er als Hobby „eine bescheidene Ackerfläche“ (vier Hektar) bewirtschaftet. „Auf dem Mähdrescher kann ich die Gedanken schweifen lassen, und dann kommen mir oft die besten Ideen“, berichtet er. Stolz ist er auf den Hausnamen „Bauernadel“, der auf seinen Vorfahren Adam Dauer zurückgeht.

Bodenständigkeit und moderner Wohnkomfort bestimmen die Lebensweise der Familie. Wer durch den Sandsteinbogen des historischen Hauses aus dem 17. Jahrhundert tritt, in dem Udo Dauers Mutter lebt und einen kleinen Laden betreibt, ist erstaunt, wie modern sich Udo Dauer und seine Frau Joanna im weitläufigen Hinterhaus eingerichtet haben. Viel Glas und weiße Möbel prägen die großzügige Wohnküche. Das elektrische Klavier spielen Udo Dauer und Sohn Patrick (zehn Jahre), während Maximilian (15) die Hausmusik mit der Trompete komplettiert. Dazwischen wuseln der Prager Ratler „Woopy“ und Katze „Daisy“ herum. Und in einer weißen Voliere zwitschern zwei Wellensittiche.

„Die Familie gibt mir Kraft, und ohne den Rückhalt meiner verständnisvollen Frau würde ich das alles nicht schaffen“, betont Udo Dauer. Bewusst ist ihm allerdings, dass die Familie oft zurückstecken muss, weil wegen Abend- und Wochenendterminen seine Freizeit knapp bemessen ist. Wenn es möglich ist, besucht er Feste und ähnliche Verpflichtungen zusammen mit der Familie. Und weil das Rathaus nebenan liegt, kann er mittags auch mal kurz nach Hause gehen.

Sein Opa Heinrich begeistert Udo Dauer für die Kommunalpolitik

Die Landwirtschaft ist eines der Hobbys von Udo Dauer. Foto: Gerhard Herrmann

Früh wurde Udo Dauers Interesse für Politik geweckt, da sein Opa Heinrich gerne von seiner Mitarbeit im Stadtrat und im Bauausschuss berichtete. An der Kommunalpolitik begeistert Dauer der unmittelbare Kontakt zu den Menschen: „Dabei merkt man schnell, wo der Schuh drückt. Das Besondere dabei ist, dass man in vielen Fällen direkt helfen und auch gestalten kann, wenngleich man damit leben muss, es nicht allen immer recht machen zu können.“

Udo Dauer mit Sohn Patrick am Vogelhäuschen. Foto: Gerhard Herrmann

Hoffnung mache ihm sein Glaube an Gott und an die Grundwerte der Gesellschaft, sagt Udo Dauer. Und als Antrieb nennt er den „Ehrgeiz, Strategien zu entwickeln und umzusetzen, um unser Weismain in eine nachhaltige Zukunft zu führen.“ Stolz ist er darauf, viele Projekte von der Sanierung von Kanälen und Wasserleitungen im Kernort über die Ortsumfahrung für Weismain und die Jura-Umgehung bis hin zur Sanierung der Grundschule und flächendeckenden Breitband- und Mobilfunkversorgung auf den Weg gebracht zu haben.

Stolz auf Investitionen von 38 Millionen Euro und Schuldenabbau

Gute Chancen auf eine Wiederwahl rechnet er sich aus, weil es unter seiner Regie gelungen sei, Investitionen in Höhe von 38 Millionen Euro (davon etwa 24 Millionen Euro Zuschüsse) zu tätigen und gleichzeitig die Verschuldung von 22 auf rund 17 Millionen abzubauen. Da Weismain sich auf seine Pflichtaufgaben beschränken müsse, seien neue Projekte nur mit Förderung zu verwirklichen. Dabei wolle er mit seinen Kontakten weiterhin helfen, getreu dem Motto des früheren Landrats Reinhard Leutner „A hüpfenda Groa hot mehr als a sitzenda Groa.“

Weitere Artikel zur Kommunalwahl finden Sie unter www.obermain.de.

Udo Dauer

Geboren am 16. 3. 1972.

Verheiratet mit Joanna Dauer. Zwei Söhne: Maximilian (15), Patrick (zehn).

Studium der Rechtswissenschaften und Stationen in den Bereichen Rechtspflege und in der Wirtschaft.

2002 bis 2008 Zweiter Bürgermeister Weismains.

Seit 2008 hauptamtlicher Bürgermeister.

Seit 2008 Mitglied des Kreistags und mehrerer Ausschüsse, Verbandsrat im Zweckverband für Rettungsdienst Coburg.

Ehrenämter: Organist in der Stadtpfarrkirche Weismain, vertretungsweise in der Basilika Vierzehnheiligen; Jagdvorsteher der Jagdgenossenschaft Weismain.

Hobbys: Musik (Orgel spielen), Landwirtschaft, Gartenarbeit, Eisenbahngeschichte.

 

Von Gerhard Herrmann

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