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BURGKUNSTADT

Eine Kauffrau will Burgkunstadter Bürgermeisterin werden

Eine Kauffrau will Burgkunstadter Bürgermeisterin werden
Eine Frau packt an: Beim Basteln mit Holz findet Susanne Bock von Wülfingen Entspannung vom Berufsalltag. Foto: Gerhard Herrmann

Vor der Stichwahl um das Bürgermeisteramt in Burgkunstadt am Sonntag, 29. März, steigt die Spannung. Um den Lesern die Qual der Wahl zu erleichtern, veröffentlicht das Obermain-Tagblatt die Porträts der Kandidaten nochmals. Herausfordererin Susanne Bock von Wülfingen (FW) lag im ersten Wahlgang mit 32,6 Prozent hinter Amtsinhaberin Christine Frieß (CSU), für die 39,5 Prozent der Wähler stimmten.

 

enn sie die Säge oder die Bohrmaschine in der Hand hat, kann Susanne Bock von Wülfingen gut vom Alltagsstress abschalten. Sie mag es handfest und bastelt in der heimischen Garage gerne mit Holz. Vogelhäuschen und Rankgitter für den Garten hat die 47-Jährige schon gefertigt. Anpacken will sie auch in der Kommunalpolitik und bewirbt sich daher um das Amt des Burgkunstadter Bürgermeisters. Natürlich für die Freien Wähler, wie ihr Vater Heinz Petterich, der drei Amtsperioden Verwaltungschef war.

Eine Kauffrau will Burgkunstadter Bürgermeisterin werden
Ein Herz für Vögel: Susanne Bock von Wülfingen beim Füllen eines selbstgebauten Futterhäuschens. Foto: red

„Die Erfahrung, dass er sieben mal 24 Stunden in der Woche als Bürgermeister im Einsatz war, hat mich nicht abgeschreckt“, sagt sie. Sie wisse aus dem Berufsleben, dass niemand unersetzlich ist, und die Führung einer Verwaltung bedeute auch, die Mitarbeiter zur Übernahme von Verantwortung zu motivieren. „Mein Vater hat mir weder zu- noch abgeraten, aber versprochen, mir jederzeit mit Rat zur Seite zu stehen“, betont sie.

Wirtschaftliches Denken und gemeinschaftliches Handeln

Geboren in Kronach, besuchte Susanne Bock von Wülfingen nach einigen Jahren in Bayreuth, wo der Vater bei der Bundeswehr stationiert war, ab der zweiten Klasse die Grundschule in Altenkunstadt. Obwohl sie erst mit 18 nach Burgkunstadt zog, fühle sie sich hier verwurzelt. Von ihrem Wohnhaus blickt sie über die Altstadt ins Maintal. Im modern eingerichteten Wohnzimmer hängt eine Grafik von Miro neben dem Holzofen, der behagliche Wärme verbreitet. Einen Kontrast zum schlichten Esstisch bilden die antiken Eichenstühle mit dem Wappen der Freiherren Bock von Wülfingen. Den Adelsnamen hat sie von Ehemann Horst angenommen, betont aber, dass es sich lediglich um einen Namenszusatz handelt.

Bereits mit 15 Jahren entschied sich Susanne Bock von Wülfingen für den Beruf der Groß- und Außenhandelskauffrau bei der Baur-Gruppe. Dem Unternehmen ist sie seit 32 Jahren treu geblieben und arbeitet als technische Einkäuferin. „Wir haben die Lizenz zum Bestellen“, scherzt sie. Denn ihre Abteilung ist zuständig für alle Anschaffungen, die das Unternehmen braucht – vom Kugelschreiber bis zu den Kartons für das Versandgeschäft. An dem Versandhändler schätzt sie nicht nur das gute Arbeitsklima, sondern auch die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. So hat sie zahlreiche Abteilungen durchlaufen und war ein dreiviertel Jahr beim Mutterkonzern Otto in Hamburg.

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Eine Segeljolle vorm Haus: Susanne und Horst Bock von Wülfingen mögen's sportlich. Foto: Gerhard Herrmann

Doch die Liebe zur Region und die Familie zogen sie zurück nach Burgkunstadt. „Wir leben in einer Gegend, wo andere Urlaub machen“, schwärmt sie. Bei Wanderungen und Radtouren mit ihrem Mann entspannt sie sich. Ihr Lieblingsplatz ist eine Anhöhe in Richtung Meuselsberg, von der aus der Blick weit bis nach Altenkunstadt und Weismain schweifen kann: „In der Abenddämmerung wirken die Lichter, als ob man auf eine Großstadt blickt.“ Gerne fahren die beiden auch mal für Veranstaltungen nach Nürnberg. Zum Segeln zieht es die Eheleute nach Kroatien. Und eine Leidenschaft ist das Lesen, besonders von Frankenkrimis.

„Ich bin ein Mensch, der aus dem Bauch heraus argumentiert und sich an einem Thema festbeißen kann.“
Susanne Bock von Wülfingen, Bürgermeisterkandidatin

Als bekennender „Familienmensch“ ist Susanne Bock von Wülfingen in der Freizeit gern mit den Kindern ihres Bruders unterwegs. Viel Kraft hat sie die Pflege ihrer Mutter gekostet, die jahrelang an einer schweren Krankheit litt. „Das war eine bedrückende Zeit, die viel Kraft gekostet, mir aber auch gezeigt hat, welche Stärken ich habe“, erklärt sie. Positives Denken gebe ihr Kraft – auch in schwierigen Zeiten.

Auch wenn in der Familie über Politik diskutiert wurde, stand sie nicht im Mittelpunkt: „Wenn mein Vater die Rathaustür hinter sich zugemacht hat, dann blieb die Politik dort.“ Aktiv wurde sie 2014, als der Vater noch Kandidaten für die Stadtratsliste der Freien Wähler suchte und sie spontan zusagte, zu kandidieren. Darüber, dass sie nicht gewählt wurde, sei sie nicht traurig gewesen, schließlich liebe sie ihren Beruf. Seitdem engagiert sie sich bei den Freien Wählern, ist Beisitzerin und jetzt Schriftführerin auf Kreisebene. „Bei den Freien Wählern darf ich sagen, was ich denke“, betont sie. Denn wenn sie diskutiere, nehme sie kein Blatt vor den Mund: „Ich bin ein Mensch, der aus dem Bauch heraus argumentiert und sich an einem Thema festbeißen kann.“ Da sei es wichtig, dass es nicht um die Parteilinie und Vorgaben geht, sondern um die Wertschätzung der eigenen Meinung und der besseren Idee. An der Kommunalpolitik fasziniert sie die Nähe zu den Menschen.

Zur Bürgermeisterkandidatur habe sie sich entschieden, um etwas zu bewegen. „Durch die richtige Führung kann man viel erreichen und Menschen motivieren, ihre Fähigkeiten einzubringen“, weiß Susanne Bock von Wülfingen aus ihrer Berufserfahrung. Ihre organisatorischen Fähigkeiten wolle sie im Falle ihrer Wahl einbringen und die Stadträte, die Stadtverwaltung und die Bürger mehr ins Gespräch bringen. Anstatt nur auf Schulden und Pflichtaufgaben zu schauen, gelte es Visionen zu entwickeln: „Wo soll Burgkunstadt 2030 stehen?“

Barrierefreier Wohnraum und Betreuung für Senioren

Eine Kauffrau will Burgkunstadter Bürgermeisterin werden
Familienmensch: Susanne Bock von Wülfingen mit ihrem Mann Horst (li.) und Vater Heinz Petterich (re.) beim Urlaub in Kroatien. Foto: red

Barrierefreier Wohnraum und Betreuungsmöglichkeiten für Senioren sind ihr wichtig: „Als meine Mutter krank war, haben wir nur sehr schwer eine Betreuungsmöglichkeit vor Ort gefunden, damit mein Vater mal drei Tage wegfahren konnte“, berichtet sie. Da müsse man als Bürgermeister eben Klinken putzen, um Investoren zu gewinnen. Wohnraum für Familien sei ebenso wichtig. Nicht nur wirtschaftliches Denken wolle sie ins Rathaus einbringen, sondern auch das Gemeinschaftsgefühl, mit dem zahlreiche Vereine die Lebensqualität in Burgkunstadt verbessern. Als Feuerwehr-Vorsitzende weiß sie, das nur etwas bewegt werden kann, wenn jeder sich einbringt. Dieses Miteinander und die Freude am Gestalten wolle sie den Mitbürgern vermitteln.

Susanne Bock von Wülfingen

47 Jahre alt, verheiratet mit Horst Bock von Wülfingen.

Geboren in Kronach, aufgewachsen in Bayreuth und Altenkunstadt, lebt seit dem 18. Lebensjahr in Burgkunstadt.

Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau bei der Baur-Gruppe, wo sie seit 32 Jahren tätig ist, zurzeit als technische Einkäuferin.

Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr Burgkunstadt als 1. Vorsitzende sowie im Orts- und Kreisverband der Freien Wähler.

Hobbys: Wandern, Sport, Basteln und Lesen.

 

Von Gerhard Herrmann

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