aktualisiert:

BURGKUNSTADT

Parken, Kunst oder Wohnen statt Ruine in Burgkunstadt

Abreißen oder sanieren? Drei Vorschläge für eine sinnvolle Nutzung des Grundstücks Am Bauershof 2 („Akropolis“) hat das Architekturbüro plan&werk dem Burgkunstadter Stadtrat vorgelegt. Foto: Gerhard Herrmann

Wo jetzt die Industrieruine der sogenannten „Akropolis“ am Bauershof 2 bröckelt, könnte eine sinnvolle Nutzung künftig für mehr Leben in der Burgkunstadter Oberstadt sorgen. Drei Varianten für eine Umgestaltung des Grundstücks stellte Franz Ullrich vom Planungsbüro plan&werk aus Bamberg am Dienstagabend dem Stadtrat vor. Ergänzend hatte das Verkehrsplanungsbüro PB-Consult die Parksituation untersucht.

Wegen seiner Sichtbeziehung zum Rathaus präge das 1000 Quadratmeter große Grundstück das Bild der Oberstadt, sagte Franz Ullrich. Für ein angedachtes Parkhaus sei das bestehende Stahlbetongebäude wegen seiner Konstruktion wenig geeignet: aufgrund der Pfeiler wäre nur Platz für acht Stellplätze im Erdgeschoss. In einem Neubau könnte Platz für 20 Stellplätze und zwei bis vier Wohnungen im Erdgeschoss geschaffen werden. Auch mit Rampen lasse sich die Zahl der Parkplätze nur auf 32 erhöhen. Da die Stadt für einen Neubau allerdings keinen Zuschuss der Städtebauförderung erhalte, müsste wohl ein Investor für diese Lösung gefunden werden.

„Ein Parkhaus ist nicht erforderlich, da in der Innenstadt genug Stellplätze vorhanden sind.“
Jens Lauterbach, PB-Consult, Nürnberg

Denkbar wäre auch eine Sanierung des Gebäudes und die Nutzung als Kunsthaus mit Ausstellungsräumen, Ateliers, Akademiebetrieb und temporären Wohnungen für Künstler. Diese Variante wurde auf Anregung der Betreiber der Galerie für Gegenwartskunst geprüft. Durch eine Sanierung und Erweiterung des Altbaus könnten im Erdgeschoss eine Arztpraxis oder Büros und im Obergeschoss Wohnungen eingerichtet werden. Bei diesen Varianten würden nur acht Stellplätze entstehen.

„Ein Parkhaus ist nicht erforderlich, da in der Innenstadt genug Stellplätze vorhanden sind“, ergänzte Jens Lauterbach von PB-Consult. Die höchste Auslastung in der gesamten Innenstadt habe an einem Dienstag im Oktober bei 48 Prozent (10 Uhr) gelegen, in der Oberstadt bei 66 Prozent (8 bis 9 Uhr). Sogar zu dieser Zeit seien auf dem Marktplatz von 49 Parkplätzen noch 14 frei gewesen. Da die Parkzeit häufig um 20 Prozent überschritten werde, könnte durch eine stärkere Kontrolle auf dem Marktplatz fünf bis 20 Stellplätze beseitigt werden, damit das Fachwerkensemble besser zur Geltung komme.

„Wir haben das Gebäude gekauft, um Parkplätze zu schaffen und den Marktplatz von der Blechlawine zu entlasten“, gab Wolfgang Sievert (SPD) zu bedenken. Der Marktplatz sei stärker zugeparkt, widersprachen Katrin Weißmann, Günter Knorr und Joachim Ruß (alle CSU). Und Ingrid Kohles (FW) gab zu bedenken, dass Anwohner Interesse an Stellplätzen in einem Parkhaus hätten. Die acht Parkplätze, die bei einer Sanierung des Gebäudes entstehen, würden schon von den Bewohnern benötigt, so dass sich die Situation in der Oberstadt nicht verbessere, gab Michael Doppel (FW) zu bedenken.

Zweifel an der Magnetwirkung von Kunst in Burgkunstadt

Zweifel am Bedarf für ein Kunsthaus äußerten Günter Knorr und Marco Hennemann (beide CSU). Sinnvoller wäre ein kleines Lebensmittelgeschäft. Für die Kunstgalerie mit Akademiebetrieb als Chance zur Belebung der Oberstadt warben Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU) und Edith Berg (Bürgerverein). Zumal die Produzentengalerie mit ihren Ausstellungen sehr erfolgreich sei. Die drei Planungsvarianten sollen vertieft und mit einer Kostenschätzung erneut den Stadträten vorgestellt werden.

Aus dem Stadtrat

Den Ausbau der maroden Gemeindeverbindungsstraße von Eben nach Schmeilsdorf hatte der Stadtrat im Dezember beschlossen (Kostenschätzung: 915 000 Euro, Zuschuss: 580 000 Euro), um durch eine Ausschreibung im Winter die Baukosten niedrig zu halten. Für eine erneute Grundsatzdebatte sorgte Edith Berg (Bürgerverein) mit der Forderung, den Beschluss zu überprüfen. „Der Bürgerverein bestreitet, dass die Straße in einem so schlechten Zustand ist, dass sofort gehandelt werden muss“, argumentierte Thomas Müller. Angesichts der schwierigen Finanzlage und vieler wichtiger Vorhaben sei es verantwortungslos, vor Verabschiedung des Haushalts einen Kredit von 335 000 Euro dafür einzuplanen und sich damit die Hände zu binden.

„Die Stadt hat die Verkehrssicherugspflicht und muss auch die Rettungswege garantieren“, hielt Wolfgang Sievert (SPD) dagegen. „Die Leute auf den Dörfern haben das gleiche Recht auf sichere Straßen wie wir in der Stadt“, betonte Katrin Weißmann (CSU). Da Ausweichmöglichkeiten fehlten, seien bereits Autos auf dem Bankett abgerutscht. Gegen vier Stimmen des Bürgervereins wurde beschlossen, die Straße auszubauen, weil sie in einem derart schlechten Zustand sei, dass ein unmittelbares Handeln erforderlich sei. Dafür wird beim Landratsamt eine eventuelle Kreditaufnahme von 335 000 Euro beantragt.

Einstimmig beschlossen wurde der Antrag der evangelischen Kirchengemeinde, das Defizit des Kindergartens aus dem Jahr 2018 in Höhe von 21 729 Euro zu übernehmen. Pfarrer Heinz Geyer, Kindergartenleiterin Ute Seelmann und Martin Pietz von der Dekanatsverwaltung erläuterten, dass der Fehlbetrag durch die Differenz zwischen der Erstattung der Personalkosten durch den Freistaat und den Tariferhöhungen (allein 7500 Euro), Langzeiterkrankungen, Mutterschaftsurlaub und erhöhten Aufwand aufgrund der Kindergartenerweiterung entstanden seien. Um künftige Engpässe abzusichern, wird die Stadt mit der Kirchenverwaltung einen Defizitvertrag abschließen wie er für den katholischen Kindergarten bereits besteht.

Neue Nutzer sollen in das Gebäude des insolventen Unternehmens Fenster Michel in der Seewiese 2 einziehen. Gegen die Stimmen von Thomas Müller und Alexander Hanna (beide Bürgerverein) genehmigte der Bauausschuss die Nutzungsänderung für Lagerräume, einen Friseursalon, eine Autoausstellung und Büros. Die Ansiedlung eines Friseursalons als Konkurrenz für den Salon in der Innenstadt kritisierte Müller. „Konkurrenz belebt das Geschäft, und der Bedarf in Burgkunstadt ist groß genug für drei Friseursalons“, meinte Dritter Bürgermeister Manfred Hofmann.

Der Beschluss über einen Leitfaden für die Zulassung von Photovoltaik-Freiflächen-Anlagen wurde wegen Ergänzungswünschen der Räte vertagt. Der Leitfaden soll sich am Beispiel der Stadt Lichtenfels orientieren, die die Genehmigung von einer Kriterienliste abhängig macht, nach der mindestens sechs Punkte erreicht werden müssen. So werden als Standorte etwa Flächen an Bahnlinien oder unter Hochspannungsleitungen befürwortet, Ortsrandlagen, Ackerflächen und Bauerwartungsland dagegen nicht. „Solche Anlagen sollten nicht im Maintal bis zur Hangkante sowie auf dem Spitzberg und Rainberg gebaut werden“, forderte Günter Knorr (CSU). Außerdem forderte er eine Begrenzung auf maximal zehn Hektar und eine Bürgerbeteiligung, die Edith Berg (Bürgerverein) auf 20 Prozent festschreiben wollte.

Abgelehnt wurde ein Antrag des Bürgervereins auf Erstellung einer Treibhausgas-Bilanz für alle städtischen Einrichtungen. Auf Vorschlag von Marco Hennemann (CSU) einigten sich die Räte darauf, die Einrichtungen durch den Haupt- und Finanzausschuss zusammen mit dem städtischen Elektromeister auf Einsparungsmöglichkeiten überprüfen zu lassen. Für die 2100 Euro, die die Bilanz kosten würde, könnte somit einiges verbessert werden – etwa der Austausch von Neonröhren und anderen Stromfressern gegen LED-Leuchten. Danach könnten Fachleute weitere Einsparungsmöglichkeiten überprüfen.

Einstimmig beschlossen wurde wegen des vorzeitigen Baubeginns der Sanierung der Weihersbachverrohrung gegenüber dem Wasserwirtschaftsamt auf Garantien über einen Zuschuss zu verzichten.

Von Gerhard Herrmann

Weitere Artikel