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ALTENKUNSTADT

Familienwallfahrt nach Kaspauer: Was Bäume lehren

Gläubige aller Altersgruppen aus den Pfarreien des Seelsorgebereichs Obermain-Jura beteiligten sich an der herbstlichen Familienwallfahrt der katholischen Kirchengemeinde Altenkunstadt. Pastoralreferentin Birgit Janson (7. v. re.) und Förster Ludwig Winkler (4. v. re.) hatten die Pilgertour organisiert. Foto: Bernd Kleinert

Eine bunte Schar von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aus den Pfarreien des Seelsorgebereichs Obermain-Jura beteiligten sich an der herbstlichen Familienwallfahrt der katholischen Kirchengemeinde Altenkunstadt. „Was Bäume uns lehren können“ lautete das Motto der von Pastoralreferentin Birgit Janson hervorragend organisierten Pilgertour. Förster Ludwig Winkler aus Woffendorf versorgte die Teilnehmer mit naturkundlichen Informationen.

Erste Station war die neubarocke Maria-Hilf-Kapelle bei Erlach. „Sie wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der Stelle errichtet, wo früher für die Fronleichnamsprozession der Pfarrei Weismain ein Altar stand“, erläuterte Winkler. Liebevoll gepflegt werde das schmucke Gotteshaus von der Weismainer Kolpingfamilie unter der Regie von Fritz Dietz. Dem Förster zufolge findet alljährlich am zweiten Sonntag im September ein Bittgang zu der Marienkapelle statt. Von Erlach, das mundartlich auch „Mälich“ genannt wird, ging es bergauf zu den ausgedehnten Mischwäldern in der Waldabteilung „Bölz“ und „Enga Tal“.

An einer mächtigen Buche erläuterte Winkler die Bedeutung eines Biotopbaums für das Wald-Ökosystem. Der Specht lege hier seine Bruthöhlen an, viele Folgenutzer wie Hohltaube, Wildbienen, Hornissen und Siebenschläfer fänden sich ebenfalls in diesen natürlichen Höhlen ein. Aber was bedeuten die Buchstaben „Käf“, mit denen manche Stämme markiert sind? „Vermutlich sind diese Bäume besonders stark vom Käfer befallen“, meinten die Pilger und lagen damit richtig. Der Waldexperte zeigte ihnen abgestorbene Fichten, die dem Käfer zum Opfer gefallen sind. „Besonders auffallend ist in diesem Jahr der starke Ausfall von Kiefern und Buchen durch die Trockenheit und die starke Sonneneinstrahlung, besonders an Südhängen“, betonte er.

Lesesteinmauern erinnern an die früheren Hopfengärten

Von Hand aufgeschichtete Lesesteinmauern erinnerten an die früheren Hopfengärten rund um Weismain. Das Jurastädtchen sei im Mittelalter eine „Stadt des Bieres“ gewesen und habe den Hopfen zum Brauen benötigt, erläuterte Winkler. Kurze Schauer konnten die Stimmung in der Gruppe nicht trüben. Vielmehr gaben sie den Ausflüglern die Möglichkeit, den Wald als schützenden Unterstand bei Wind und Wetter zu erleben.

Während der Regenpause erinnerte Pastoralreferentin Birgit Janson daran, dass der Baum in der Bibel immer wieder als Bild für das Leben gedeutet werde, ausgehend von der festen Verwurzelung im Glauben bis hin zu den Glaubensfrüchten. „Mehr denn je wird auch seitens der Kirche der Schutz des Baumes und Waldes als Inbegriff der Schöpfungsverantwortung verstanden, da Bäume und Wälder für das natürliche Gleichgewicht, die Luft, ja das gesamte Klima unbedingt notwendig sind“, stellte die Geistliche fest. Wo des Profits wegen Bäume geschlagen und Wälder gerodet würden, vernichte der Mensch auch seine Zukunft, so wie es bei der Rodung des Regenwaldes bereits dramatisch zu sehen sei, ergänzte Ludwig Winkler.

Er führte die Pilger zu einer Waldlichtung am „Kröttenstein“ mit Blick auf Siedamsdorf. „Das ist ein natürliches Kleinod, denn hier erleben wir die unbezahlbare Schönheit unserer Landschaft in den bunten Farben des Herbstes“, erklärte der Förster.

Die Ausflügler marschierten bergab am Zeltplatz der Pfadfinderschaft Sankt Georg vorbei nach Kaspauer. In der Kapelle St. Georg feierte der Weismainer Stadtpfarrer Gerhard Möckel mit der Wallfahrergruppe und Gläubigen aus dem Dorf einen Gottesdienst, bei dem der Dank für das Geschenk der Schöpfung und die Verantwortung des Menschen im Mittelpunkt standen. Mit einer Brotzeit in der Gaststätte „Landlädla“ ließ man die ebenso informative wie besinnliche Familienwallfahrt in froher Runde ausklingen.

„Wo des Profits wegen Bäume geschlagen und Wälder gerodet werden, vernichtet der Mensch auch seine Zukunft,“
Ludwig Winkler, Förster

„Und wohin gehen wir das nächste Mal?“, wollten viele wissen. Für Pastoralreferentin Birgit Janson ein Zeichen, dass die Pilgertour gefallen hat.

Von Bernd Kleinert

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