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ALTENKUNSTADT

Über Kirche und Politik bei Frauenhilfe Altenkunstadt

Vortrag über Kirche und Politik bei der Frauenhilfe
„Die Kirche verliert an Einfluss, aber sie wird nicht untergehen“, meint Pfarrer Rudolf Ranzenberger (re.). Für seinen interessanten Vortrag bei der Altenkunstadter Frauenhilfe bedankte sich Erika Fürst. Foto: Bernd Kleinert

„Das Wort Macht hat einen negativen Beigeschmack, weil es automatisch mit Machtmissbrauch in Verbindung gebracht wird. Doch genau betrachtet, bedeutet es nur, die Möglichkeit und Fähigkeit zu haben, etwas zu tun.“ Mit dieser Definition eröffnete Pfarrer im Ruhestand Rudolf Ranzenberger aus Burgkunstadt seinen Vortrag zum Thema „Kirche und Politik“ bei der evangelischen Frauenhilfe Altenkunstadt im Kreuzberg-Gemeindezentrum.

Mit 43 Teilnehmern – darunter auch Männer – war das Interesse groß. Der Geistliche begann seinen kurzweiligen Streifzug durch die Geschichte im Alten Testament. „Das Volk Israel hatte einen Chef, und das war Gott. Er beauftragte Menschen wie Moses, das Volk zu führen“, erklärte der Geistliche. Als die Israeliten sich bewusst wurden, dass ihre Nachbarvölker Könige hatten, kam es zur Wende: „Jetzt wollten auch sie einen König an der Spitze. Zu den bekanntesten zählen Saul, David und Salomo“.

Propheten als kritische Begleiter

Aufgabe der Propheten als kritische Begleiter sei es gewesen, die Könige an das Gebot Gottes zu erinnern. „Noch heute ist es der prophetische Auftrag der Kirche, den Mächtigen ins Gewissen zu reden“, betonte Ranzenberger. Aber wie sieht es im Neuen Testament aus? Bei Jesus hat es dem Referenten zufolge eine deutliche Trennung zwischen Mensch und Gott gegeben. Er erinnerte an die Christenverfolgung durch die Römer während der ersten drei Jahrhunderte: „Ihre Leidensbereitschaft war zugleich Werbung für das Christentum“. 314 machte Kaiser Konstantin die Kirche zur Staatsreligion. Sie sollte alle Menschen vereinen und wurde das Fundament seines Reiches. „An Weihnachten 800 wird Karl der Große in Rom vom Papst zum Kaiser gekrönt. Über Jahrhunderte hinweg waren deutsche Kaiser verpflichtet, die katholische Kirche als Staatsmacht zu schützen“, führte der Redner aus.

Klöster als Kulturträger

Unter Kaiser Otto dem Großen (912 bis 973) bestand das deutsche Reich aus lauter kleinen Herrschaften. Er bestimmte, dass Bischöfe mit der Macht über diese Gebiete belehnt werden. Daher rührt der Titel „Fürstbischof“. Klöster, die durch Schenkungen reich geworden waren, bekamen nicht nur mehr Macht, sondern machten sich auch als Kulturträger verdient. Basierend auf dem Leitsatz „Ora et labora“ (Bete und arbeite) war das Mönchstum klar strukturiert.

Der Streifzug durch die Geschichte führte in das 16. Jahrhundert. „Martin Luther wollte eine Kirche reformieren, wo es drunter und drüber ging“, erklärte Ranzenberger. Der Mönch durchbrach den Zölibat und entwickelte die „Zwei-Reiche-Lehre“: Der Staat als ein Reich hat die Machtbefugnis, Gerechtigkeit durchzusetzen. Die Kirche hat die Macht des Wortes, die Predigt. Sie war das Medium, mit dem man Menschen das Evangelium näherbringen konnte. Luther übersetzte die Bibel und schrieb damit Kulturgeschichte.

Einem Kulturschock kam es gleich, als er die Nonne Katharina von Bora heiratete: „Immer mehr Pfarrer nahmen sich daraufhin eine Frau, die Klöster wurden leer“. Als „Kampftruppe der Katholiken“ galten zu jener Zeit die Jesuiten. Sie setzten alles daran, die Anhänger der Lehre Luthers zu rekatholisieren.

Von Glauben und Nächstenliebe

Als positiven Aufbruch wertete Ranzenberger den Pietismus: „Die Leute nahmen die Bibel sehr ernst, wollten ihren Glauben leben und diakonisch im Zeichen der Nächstenliebe unterwegs sein“. Während der Aufklärung und des Rationalismus stand die Vernunft im Mittelpunkt. Wissen wurde vermittelt und die Macht der Kirche gebrochen. Im Zuge der Demokratisierung nimmt das Volk die Macht an sich. Versagt hat die Kirche nach Ansicht des Geistlichen während der Arbeiterbewegung im 19. Jahrhundert.

Viele Menschen suchten in den Fabriken der großen Städte Arbeit und landeten im Elend. Mit der Einführung der Zivilehe 1874 wurde das Recht der Kirchen, Eheschließungen zu vollziehen und zu beurkunden, massiv beschnitten. Eine Ehe galt nun erst dann als rechtsgültig, wenn sie vor einem Standesbeamten geschlossen wurde.

Und wie sieht es in der Gegenwart aus? Die Kirche ist Ranzenberger zufolge in der Flüchtlingsarbeit sehr aktiv. „Durch die hohe Zahl an Kirchenaustritten nimmt ihr Einfluss zwar ab, doch untergehen wird sie auf keinen Fall“, betonte er. Das Problem sei, inwieweit christlicher Glaube vermittelt werden könne. Es gebe in der Kirche eine aktive Jugendarbeit, doch die mittlere Generation, also die 30- bis 50-Jährigen, sei nur schwer zu erreichen. Das liegt nach Ansicht des Referenten nicht zuletzt an den ständig mehr werdenden Angeboten: „Wir werden bis zur Erschöpfung beschäftigt“.

Termine der Frauenhilfe

Namens der Zuhörer bedankte sich Erika Fürst vom Leitungsteam bei Pfarrer Rudolf Ranzenberger für seine interessanten Ausführungen. Sie lud zum Oktoberfest der Frauenhilfe am Dienstag, 15. Oktober, um 14 Uhr in das Kreuzberg-Gemeindezentrum ein. Den schönen Brauch, am Vortag des Buß- und Bettags das Tischabendmahl zu feiern, setzen die Damen am 19. November fort. Einer Andacht mit Pfarrer Gottfried Krauß aus Strössendorf schließt sich eine gesellige Kaffeerunde an. Ein besinnlich-unterhaltsamer Adventsnachmittag ist für den 10. Dezember geplant.

Von Bernd Kleinert

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