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PFAFFENDORF

Die Barockorgel ist der ganze Stolz der Pfaffendorfer

Barockorgel ist der ganze Stolz der Pfaffendorfer
Auch Regionalkantor Georg Hagel musizierte bereits auf der Pfaffendorfer Barockorgel. Mit meisterlichem Spiel offenbarte der Organist der Basilika Vierzehnheiligen die Klangschönheit des kleinen Instrumentes, dessen Entstehungsgeschichte weitgehend im Dunkeln liegt. Foto: Bernd Kleinert

„Keiner weiß genau, wie alt sie ist und woher sie eigentlich kommt“, erklärt Kirchenpflegerin Maria Wiehle, wenn sie Besucher durch die Pfaffendorfer Sankt Georgskirche führt. Irgendwie war sie halt schon immer da. Die Rede ist von der kleinen Barockorgel, von der man nur weiß, dass sie noch älter ist als das vor genau 300 Jahren eingeweihte Gotteshaus. „Die Quellen sind leider sehr spärlich“, bedauert Regionalkantor Georg Hagel, der auf dem Instrument nicht nur Konzerte gab. Der Organist der Basilika Vierzehnheiligen hat auch schon versucht, etwas Licht in das geschichtliche Dunkel zu bringen. Die nur 121 Seelen zählende katholische Filialkirchengemeinde besitzt mit ihrer Orgel eine historisch bedeutsame Kostbarkeit. Eine genaue Inspektion des Instrumentes durch Domkapellmeister Wolfgang Wünsch aus Bamberg und einen Vertreter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in München im Jahr 1986 bestätigte die bisherige Vermutung, dass es sich dabei um eine Orgel aus der Barockzeit handeln könnte. Die genaue Entstehungszeit ließ sich nicht feststellen.

Das Instrument befand sich in schlechtem Zustand

Über viele Jahrzehnte hinweg war dem kostbaren Stück kaum Aufmerksamkeit geschenkt worden, so dass es sich zuletzt in einem äußerst schlechten Zustand befand.

Die katholische Kirchenverwaltung Pfaffendorf fasste daher den Entschluss, die Orgel gründlich und in handwerklich historischem Stil restaurieren zu lassen. Mit den Arbeiten beauftragte man Orgelbaumeister Paul Rohner aus Mallersdorf. Bis zu diesem Zeitpunkt verfügte die Pfaffendorfer Barockorgel über fünf Register. Rohner stellte jedoch fest, dass das Instrument für acht Register konzipiert ist, drei also fehlten. Ob sie irgendwann einmal ausgebaut oder überhaupt je eingebaut wurden, ließ sich nicht klären. In monatelanger Arbeit wurde das gesamte Werk überholt und erneuert.

Einen Teil der vorhandenen Zinkpfeifen ersetzte man durch Pfeifen aus 75 Prozent Zinn, und die Manualtastatur erhielt einen neuen Belag. Auch die fehlenden Register „Gamba“, „Holzflöte“ und „Mixtur“ wurden eingebaut. Die Kosten für das Projekt beliefen sich auf rund 60 000 Mark. Eine Summe, die die kleine Kirchengemeinde unmöglich allein aufbringen konnte. Hinzu kam, dass die Zuschüsse seitens der Erzbischöflichen Finanzkammer Bamberg und von staatlichen Stellen leider nicht in der erhofften Höhe ausfielen.

Die Gläubigen zeigten sich einfallsreich

Zum Glück unterstützten die Bürger der Gemeinde Altenkunstadt das Renovierungsprojekt. Selbstverständlich waren auch die Pfaffendorfer nicht untätig. Unter der Regie von Feuerwehr und katholischer Kirchenverwaltung zogen sie ein Kirchweihfest auf, bei dem ein Erlös von 10 000 Mark zu Gunsten der Orgelrestaurierung zusammenkam.

Ansehnliche Spenden des Obst- und Gartenbauvereins, der Feuerwehr, des katholischen Frauenkreises Altenkunstadt und der politischen Gemeinde stockten das „Orgelkonto“ weiter auf. Im Frühjahr 1987 waren die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen.

Im Rahmen eines Festgottesdienstes am Ostermontag übergab der damalige Pfarrer von Altenkunstadt, Josef Dechant, das renovierte Instrument seiner Bestimmung. Auf eine Initiative des jungen Kirchenmusikers Stefan Knauer aus Burgkunstadt wurde im November 1995 in der Sankt Georgskirche eine Konzertreihe ins Leben gerufen.

Seitdem finden in unregelmäßigen Abständen kirchenmusikalische Veranstaltungen statt, bei denen auch die „Königin der Instrumente“ erklingt. „Wie bei allen kleinen Barockorgeln liegt die Stärke dieses Instruments nicht in der brausenden Wucht, sondern eher in den leisen Tönen“, charakterisiert Regionalkantor Georg Hagel dessen Klangschönheit.

Barockorgel ist der ganze Stolz der Pfaffendorfer
Von der 1986/87 mit einem Kostenaufwand von rund 60 000 Mark restaurierten Barockorgel der Pfaffendorfer Sankt Georgskirche weiß man nur, dass sie älter ist als das 1718 eingeweihte Gotteshaus. Foto: Bernd Kleinert

Von Bernd Kleinert

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