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ALTENKUNSTADT

Altenkunstadt: Wie kann Müll reduziert werden?

Edeka-Werner belohnt umweltbewussten Einkauf
Die steigende Zahl an Einweg-Plastikflaschen wird zu einem immer größeren Problem. Foto: Sebastian Kahnert/zb/dpa

Dass die Veranstaltung der Frauenunion (FU) Altenkunstadt mit dem Titel „Verpackung, Abfall, Recycling“ genau auf den Tag gelegt worden ist, an dem weltweit unzählige Demonstrationen gegen den Klimawandel stattfanden, war sicherlich Zufall. Aber es passte ins Bild, dass sich auch hier Menschen um Verbesserung von Klima-, Natur- und Umweltschutz Gedanken machten. Dazu gab es eine Gesprächsrunde mit Gästen, die eine unterschiedliche Betrachtungsweise auf diese Themen haben. Einig waren sich aber letztlich alle in dem Punkt: Es muss etwas geschehen!

Einen gelben Sack voll Plastikmüll mitgebracht

So konnte die Altenkunstadter FU-Vorsitzende Melita Braun den Leiter des Bereichs Abfallwirtschaft im Landratsamt, Wolfgang Schneider, Kreisbäuerin Marion Warmuth, den Leiter der Edeka C&C Märkte, Christian Werner, Bürgermeister Robert Hümmer und Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner zu dieser Podiumsdiskussion. Sie hatte einen gelben Sack mitgebracht mit dem Plastikmüll, der in der vergangenen Woche in ihrem Haushalt angefallen war.

214 Kilo Abfall produziert jeder Kreisbewohner im Jahr

Melitta Braun schilderte drastische Beispiele zum Thema Plastikmüll und betonte, würde man all das Plastik auf Tieflader packen, ergäbe das eine Kette, die dreimal um die Erde reicht. „Wenn wir von Plastik sprechen, meinen wir eigentlich Kunststoff“ erklärte sie. Kunststoffe werden künstlich hergestellt und halten sehr lange. Dies sei zwar praktisch, aber hier liege der Kern des Problems. Es dauere zum Beispiel 450 Jahre, so Braun, bis sich eine normale Getränkeflasche aus Plastik vollständig aufgelöst habe.

Über die Abfallwirtschaft im Landkreis berichtete Kreisleiter Wolfgang Schneider. 214 Kilogramm Abfall pro Jahr produziere jeder Einwohner des Landkreises. Dies betreffe die privaten Haushalte. Im Müllheizkraftwerk Coburg werden rund 1400 Tonnen jährlich verbrannt. Diese Zahlen sind seit dem Jahre 2006 nahezu identisch. Auch in den Landkreisen Kronach und Coburg gibt es kaum Veränderungen. „Das bedeutet im Klartext“, so Schneider, „dass sich in den vergangenen fast 14 Jahren im Aufkommen von Müll leider gar nichts getan hat.“ Beim Sperrmüllabfall sehe es nicht besser aus.

Ein Verbot von Einweg- Plastikgetränkeflaschen gefordert

Als momentan größtes Problem sieht Wolfgang Schneider die Einweg-Plastikgetränkeflaschen. Er forderte ein Verbot von diesen. Auch beim Umsetzen des Rauchverbots in der Gastronomie oder der Anschnallpflicht habe es einst zu Beginn große Diskussionen gegeben. Und jetzt seien alle froh darüber.

Edeka-Werner belohnt umweltbewussten Einkauf
Kreisbäuerin Marion Warmuth bei ihren beeindruckenden Ausführungen mit (v. li.) Gemeinderat Gunter Czepera, Wolfgang Schneider, dem Leiter des Bereichs Abfallwirtschaft im Landratsamt, Edeka-Marktleiter Christian Werner, Bürgermeister Robert Hümmer und der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner. Foto: Dietz

Christian Werner erklärte, dass in seinen fünf Märkten 40 000 Kunden im Monat einkaufen. Es entstünden dabei zwölf Prozent Restmüll. Biomüll lasse sich im Jahr 2018 auf 600 000 Euro beziffern, die Hälfte davon erhalte die Tafel. Es wäre für ihn leichter, alles in Müll umzuwandeln, da eigentlich zu viele Bürokratische Hürden wie die Gewerbeabfallentsorgung entstünden.

Eis in der Waffel oder im Plastikbecher?

In seinen Märkten käme bereits 70 Prozent aus der Obst- und Gemüseabteilung ohne Verpackung aus. Jeder Kunde habe die Möglichkeit, ohne Verpackung einzukaufen. Dies entscheide er selbst. Auch an der Metzgerei-Theken sei Einkaufen in Frischhalteboxen möglich. In seinen Märkte werde nun ein Belohnkonzept für Kunden eingeführt, die mit Mehrwegboxen bei Frischwaren sowie Stofftaschen oder Jutebeuteln bei Obst einkaufen.

Bürgermeister Robert Hümmer zeigte auf, dass in den Wertstoffhöfen der Kommunen Restmüll in fast allen Formen gebracht werden kann. Jeder könne etwas tun. Es gehe schon damit an, ob man ein Eis in eine Waffeltüte oder in einen Becher geben oder Blumen in Plastik oder Papier einpacken lässt.

Edeka-Werner belohnt umweltbewussten Einkauf
Bei der Diskussion über Verpackung, Abfall und Recycling: (v. li.) Wolfgang Schneider, der Leiter des Bereichs Abfallwirtschaft im Landratsamt, Edeka-Marktleiter Christian Werner, Bürgermeister Robert Hümmer und Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner. Foto: Roland Dietz

Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner erklärte, dass Anreize statt Verbote im gesamten Bereich wichtig seien. Der Plastik in den Weltmeeren stamme zu 50 Prozent aus drei asiatischen Flüssen. Hier müsse Entwicklungs- und Aufklärungshilfe gewährleistet werden. Zeulner forderte, die Getränkeindustrie müsse dazu angehalten werden, wieder mehr auf Pfandflaschen aus Glas zu setzen. Wichtig wäre es auch, schon Kindern stärker aufzuzeigen, wie Müll vermieden werden kann.

Müll auf Feldern und Straßenrändern gesammelt

Einen Schritt weiter ging Kreisbäuerin Marion Warmuth. Sie hatte einen ganzen Eimer Plastikunrat aus Feldern und Straßenrändern mitgebracht, den sie nach kurzer Zeit zusammengesammelt hatte. Nicht nur die Tiere in den Meeren hätten mit Plastikmüll zu kämpfen, auch in der Landwirtschaft gelange dieser ins Futter der Tiere und so in das Lebensmittelsystem. Lebensökonomie und alles, was mit Müllvermeidung zu tun hat, forderte sie als Schulfach. Alle vom Kleinkind bis zu den ältesten Generationen müssten sensibilisiert werden, dass es so wie im Moment nicht weitergehen kann.

Mit vielen Vorschlägen und sehr lebhaften Diskussionen hatte der Abend aufgezeigt, wie wichtig es ist, dass etwas geschehen muss.

 

Von Roland Dietz

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