aktualisiert:

ZEUBLITZ

Ortsporträt Zeublitz: Luderstock trifft „slawische Ecke“

In der Nähe von Zeublitz befindet sich der „Luderstock“. Die alte Eiche ist ein Naturdenkmal. Foto: Andreas Motschmann

Nicht jeder am Obermain weiß, dass der mit etwa 50 Einwohnern kleine Ort Zeublitz in der Gemeinde Altenkunstadt eine sehr lange Geschichte vorzuweisen hat. Ein Hortfund aus der späten Bronzezeit um 1200 vor Christus zwischen Strössendorf und Zeublitz ist einer der ersten archäologischen Belege für eine Besiedlung. Im Jahr 1928 hatten Dipl.-Ingenieur Deinzer und Hauptlehrer Oswald aus Strössendorf am Zeublitzer Schafhutrangen ein Lappenbeil und zwei Knopfsicheln entdeckt.

Das obere Maintal war immer ein Durchgangsland gewesen. Völker kamen, ließen sich nieder, manche zogen sich auch wieder zurück. Bevorzugte Wohnplätze lagen vor den Hochwassern des Mains sicher auf den Terrassenkanten. Germanen lösten nach der Zeitenwende die keltische Epoche im oberen Maintal ab.

Im Jahr 1136 noch „Ciblice“ genannt

Neben den Franken sickerten nach 600 vom Osten her zunehmend Slawen ins obere Maintal ein. Die „slawische Ecke“ liegt rund um Zeublitz. Als älteste Ortsbezeichnungen sind uns „Ciblice“ aus dem Jahr 1136 überliefert. Ortsnamenforscher sind sich sicher, dass das slawische „cibule“ für „Zwiebel“ im Ortsnamen von Zeublitz enthalten ist. Auch die Anlage des Dorfes erinnert an die traditionelle Bauweise als „slawischem Rundling“.

Ebenso verweisen die benachbarten Orte und Berge auf slawische Namensgebung, so zum Beispiel die Ortsnamen Trebitzmühle und die Bergnamen Külmitz, Kreibitzen und Kordigast. Im Namen des Nachbarortes Strössendorf soll der slawische Personenname Strez enthalten sein. Die Geschichtsforscher gehen davon aus, dass sich die slawische Bevölkerung im Verlauf des Mittelalters nach und nach mit den fränkischen Siedlern vermischt hat.

Vor fast 1000 Jahren erste urkundliche Erwähnung

Aus dem Jahr 1034 ist die erste urkundliche Erwähnung für Zeublitz überliefert: Dem Kloster Michelsberg in Bamberg wurden zwei Herrschaftsgüter, nämlich „Betestat“ und „Cibilze“, vermacht. 1136 gehört das Dorf „Ciblice“ immer noch zum Besitz des Klosters Michelsberg. Erst 300 Jahre später geriet es im Jahr 1350 unter Langheimer Einfluss. Im ältesten Urbar des Zisterzienser-Klosters wird Zeublitz mit den Schreibweisen „Zeiblicz“ und „Czeyblic“ erwähnt.

„Zweieinhalb Stunden oberhalb von Lichtenfels“

Eine Dorfbeschreibung aus dem Jahr 1801 von Johann Baptist Roppelt, einem Benediktinermönch im Kloster Banz, dokumentiert die jahrhundertelangen Herrschaftsverhältnisse und Zugehörigkeiten: „Zeublitz liegt zweieinhalb Stunden oberhalb von Lichtenfels und eine halbe Stunde unter Burgkunstadt, hat ein Gemeinde-Hirtenhaus, eine Gemeinde-Schmiede und elf andere Häuser und Städel. Alle hohe und niedere Gerechtsame sind Fürstlich, der todte und lebendige Zehend gehört dem Kloster Langheim. Der Ort pfarrt nach Altenkunstatt.“

Diese Rechtsverhältnisse galten bis zum Jahr 1803, als das Kloster Langheim im Rahmen der Säkularisation aufgehoben wurde. Im Jahr 1818 wurde Zeublitz zusammen mit Spiesberg und der Trebitzmühle eine selbstständige politische Gemeinde. Der Gemeindesitz wurde nach Zeublitz verlegt, weil Zeublitz mit 14 Anwesen mit 78 Einwohnern der größte Ort war. Seit 1972 ist Zeublitz ein Gemeindeteil von Altenkunstadt.

Schulbesuch in Burgstall, Pfaffendorf, Wolfsloch und Altenkunstadt

Eingerahmt: Durch den Zeublitzer Dorfbrunnen auf eine der Fachwerkschönheiten des Ortes geschaut. Foto: Markus Drossel

Laut Pfaffendorfer Schulnotizenbuch haben Zeublitzer Kinder zu Beginn des 19. Jahrhunderts zusammen mit Kindern aus Spiesberg und Burgstall eine „Winckelschule“ in Burgstall besucht. Der Unterricht in solchen Privatschulen war den „offiziell bestallten“ Lehrern ein Dorn im Auge, wurde er doch von meist unqualifizierten Lehrern abgehalten. Von 1820 bis 1864 mussten die Zeublitzer Kinder die Schule in Pfaffendorf besuchen.

Ab 1864 führte dann der Schulweg der Zeublitzer Kinder über 100 Jahre hindurch nach Wolfsloch. Seit 1970 werden die Zeublitzer Kinder jeden Morgen mit dem Schulbus nach Altenkunstadt gefahren. Die Zeit, als man sich an kalten Wintermorgen „a bo haaßa Örbfl zwische die Henschich“ steckte, um damit den Schulweg anzutreten, ist für immer vorbei.

Als der technische Fortschritt die Zeublitzer Bauern erreichte

Mit der ersten Mähmaschine kehrte 1914 der technische Fortschritt bei den Zeublitzer Bauern ein. Nach Kriegsende 1945 fanden zahlreiche Flüchtlinge und Heimatvertriebene in Zeublitz eine erste Unterkunft. Im Vergleich zu anderen Gemeinden im Landkreis Lichtenfels lag ihr Anteil im Jahr 1950 sehr hoch, nämlich bei 45,1 Prozent der Einwohner.

Erst 1994 wurde ein Turmhügel aus dem Hochmittelalter zwischen Zeublitz und der Trebitzmühle als solcher identifiziert. Er liegt an einem steil nach Süden abfallenden Hang. Der vollständig erhaltene Kernhügel mit einem Durchmesser von 16 Metern wurde auf dem höchsten Punkt der Hangkante aufgeschüttet.

Blick auf dem Turmhügel zwischen Zeublitz und der Trebitzmühle. Foto: Andreas Motschmann

Ausschlaggebend für die Platzwahl dürfte die Altstraße gewesen sein, die südlich des Mains von Altenkunstadt über Strössendorf und Burgstall Richtung Hochstadt führte. Auf einem solchen Hügel stand meistens ein Wohnturm, um die Gegend besser kontrollieren zu können.

Von Andreas Motschmann

Weitere Artikel