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BURGKUNSTADT / KULMBACH

Silvesterparty in der Grabkammer mit Theatergruppe Bumerang

Silvesterparty in der Grabkammer mit Theatergruppe Bumerang
Die Proben der Theatergruppe „Bumerang“ für das neue Stück „Silversterpyramide“ laufen auf Hochtouren. Ruth (Vanessa Soldner, re.) erklärt Eva (Julia Weiß) ihre feministischen Ansichten. Foto: Stephan Stöckel

„Ja is denn jetzt schon Silvester?“ Beim Blick auf den neuen Spielplan der Kulmbacher Theaterbühne „Das Baumann“ könnte einem diese Frage in den Sinn kommen, denn das neue Stück der fränkischen Theatergruppe „Bumerang“ heißt „Silvesterpyramide.“ Ausgedacht hat sich die Tragikomödie, die am 21. September ihre Premiere feiert, Silvan Wagner aus dem Burgkunstadter Ortsteil Ebneth, der das Ensemble 1995 gegründet hatte. Auch beim neuesten Stück führt er wieder Regie.

Seinen Titel trägt das Werk zu Recht, schließlich spielt es an Silvester 1929 in einer ägyptischen Pyramide. In einer Grabkammer, die der Phantasie Wagners entsprungen ist. Aber wer weiß, vielleicht wird sie ja eines Tages doch noch entdeckt. In ihr begraben liegt die Pharaonin Meritaton. „In meinem Stück geht es um die fiktive Auffindung der Mumie einer Person, die aller Wahrscheinlichkeit nach gelebt hat“, erklärt Wagner. Dies gehe aus Inschriften hervor, die man gefunden habe.

In der Burgkunstadter Werkstatt entsteht eine ägyptische Grabkammer

Damit die vier Aufführungen authentisch wirken, bauen die Akteure sogar eine kleine Grabkammer im Dachgeschoss einer ehemaligen Fabrik „Am Bauershof“ in Burgkunstadt. Silvan Wagner und die beiden Schauspielerinnen Julia Weiß aus Maineck und Vanessa Soldner aus Ansbach sind gerade dabei, ein gelbes Tuch aufzuhängen. Darauf prangt eine ägyptischen Gottheit, halb Mensch, halb Vogel. Es soll außerdem noch mit Hieroglyphen verziert werden.

Auf dem Boden verstreut liegt ägyptische Dekoration, die aus Privathaushalten und Internetbörsen stammt. Albert Spörlein aus Bojendorf hat einen hölzernen Sarkophag gezimmert, der noch ägyptisch dekoriert werden muss. Plastikkegel wurden mit Gips und goldener Farbe in kleine Statuetten verwandelt. „Sie repräsentieren die Diener eines Pharaos“, erklärt Weiß. Und die schwarzen Katzen? „Sie waren im alten Ägypten heilig“, ergänzt die Expertin. Die Ägypter nahmen jede Menge Dinge mit ins Jenseits oder wie es Silvan Wagner formuliert: „Das Grab des bekannten Pharaos Tutanchamun war ein Ramschladen mit viel Gold.“

Silvesterparty in der Grabkammer mit Theatergruppe Bumerang
Konzentriert verfolgt Regisseur Silvan Wagner aus Ebneth die Proben. Aus seiner Feder stammt die Tragikomödie „Silversterpyramide“.

Vier völlig unterschiedliche Lebensentwürfe treffen in der Zeit der Ägyptomanie am Vorabend der Nazi-Diktatur in einer Grabkammer aufeinander, was für eine explosive Mischung sorgt: Die Archäologen Michael Fegelein (Silvan Wagner) und Ruth Stein (Vanessa Soldner) feiern zusammen mit ihrem Financier Baron Karl von Klenk (Jörg Weißmann) und seiner Verlobten Eva (Julia Weiß) Silvester. In weiteren Rollen zu sehen sind Franziska Engel aus Weismain (Pharaonin Meritaton), Anna-Maria Vorbrugg aus Nürnberg (Mutter des Barons) und Eva Wagner aus Ebneth (ehemalige Geliebte von Ruth).

„Wir beobachten fassungslos eine Wiederholung der Geschichte, haben aber zugleich die Hoffnung, dass sich unsere Befürchtungen vielleicht nicht bewahrheiten.“
Silvan Wagner, Regisseur und Autor

Die intellektuelle Jüdin Ruth trifft in dem Stück, in dem es gruselig, heiter und nachdenklich zugeht, auf die geistig sehr eingeschränkte Eva. Und der Baron ist in seiner politischen Haltung noch in der Monarchie verhaftet. Die Zuschauer wissen, was die Figuren auf der Bühne nach 1933 erwarten wird. Für den Autor gibt es in dem Stück aber auch Anlass zur Hoffnung, dass sich einzelne Schicksale dennoch zum Guten wandeln.

Dieses Gefühl zwischen Hoffnungslosigkeit und Hoffnung spiegele ein wenig die heutige Situation angesichts des Rechtsrucks in der Gesellschaft wieder, so Wagner. „Wir beobachten fassungslos eine Wiederholung der Geschichte, haben aber zugleich die Hoffnung, dass sich unsere Befürchtungen vielleicht nicht bewahrheiten oder aber diese problematische Zeit irgendwann endet“, meint der 43-Jährige. Und zitiert aus dem Schauspiel: „Wie drückt es doch Ruth am Ende des Stückes so schön aus: „Es gibt immer eine Zeit nach der Zeit.“

Die Aufführungen

Meritatons Grabkammer öffnet ihrer Pforten am Kulmbacher Theater „Das Baumann“ am Samstag, 21. September; Freitag (27.), Samstag (28.) (jeweils um 20 Uhr) und Sonntag (29.) um 17 Uhr.

Karten sind im Vorverkauf und an der Abendkasse erhältlich. Wegen der begrenzten Platzanzahl wird gebeten, Tickets über das Internet zu ordern.

Von Stephan Stöckel

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