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ALTENKUNSTADT

Mit Liedern erfreuen sie viele Menschen in Altenkunstadt

Mit Liedern erfreuen sie viele Menschen in Altenkunstadt
Singen macht Spaß: Seit 47 Jahren bilden die 1895 beziehungsweise 1924 gegründeten Gesangvereine Lyra und Singgemeinschaft eine Chorvereinigung. Auftritte im Friedrich-Baur-Seniorenzentrum Sankt Kunigund (Bild) haben ihren festen Platz im Veranstaltungskalender. Foto: Bernd Kleinert

Der Chorgesang hat in Altenkunstadt eine lange Tradition. Aus dem gesellschaftlich-kulturellen Leben ist er nicht wegzudenken. Man schrieb das Jahr 1895, als der Gesangverein Lyra aus der Taufe gehoben wurde. Er feiert im kommenden Jahr seinen „125. Geburtstag“. 1924 entstand der Arbeitergesangverein, der sich nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in Sing- und Sportgemeinschaft und 1958 schließlich in Singgemeinschaft 1924 umbenannte. Er blickt heuer auf sein 95-jähriges Bestehen zurück.

Weil die Lyra keinen Dirigenten mehr hatte, schlossen sich die Gruppen 1972 zu einer Chorvereinigung zusammen. Aber nur auf gesanglicher Ebene. Ihre Eigenständigkeit haben beide Vereine behalten.

Ein Blick in die Chronik verdeutlicht die einstige Bedeutung des Chorgesangs. So sangen allein in der Singgemeinschaft in den Nachkriegsjahren rund 80 Frauen und Männer im gemischten Chor; 35 Mitglieder hatte der Männerchor.

Seit 49 Jahren ist Robert Wilm Vorsitzender der Lyra

„Zahlen, von denen man heute nur noch träumen kann“, bedauert Vorsitzender Georg Pitteroff, der seit 1985 an der Spitze des rührigen Vereins steht. Seit 49 Jahren steuert Robert Wilm das Vereinsschiff der Lyra. „Als ich 1970 zum Vorsitzenden gewählt wurde, war ich noch keine 21 Jahre alt und nach damaligem Recht nicht einmal volljährig“, erinnert er sich. Singgemeinschaft und Lyra bringen es gemeinsam auf 219 Jahre. Trotz des „biblischen Alters“ sind die Gesangvereine noch recht aktiv, wie ein Blick in den gefüllten Veranstaltungskalender zeigt. Ihren festen Platz haben dort sowohl der Auftritt beim jährlichen Kirchweihkonzert der evangelisch-lutherischen Kreuzberg-Kirchengemeinde wie auch die Mitwirkung beim Gottesdienst in der katholischen Kirche am Vorabend des Volkstrauertags.

„Singen macht nicht nur Spaß, es ist auch gesund. Außerdem sind wir eine supernette Familie.“
Larissa Eggloff, Dirigentin

Die Chorvereinigung erfreut die Besucher des Straßenfestes der Altenkunstadter Ortsvereine mit beliebten Liedern und zwei Mal im Jahr gibt sie für die Bewohner des Friedrich-Baur-Seniorenzentrums ein Konzert. Mittlerweile sind die Sänger im Seniorenheim stets gern gesehene Gäste. Die Geselligkeit pflegt man bei Ausflügen und gemütlichen Zusammenkünften. Seit 1997 ist Larissa Eggloff musikalische Leiterin der Chorvereinigung. Ihr Vorgänger, Chormeister Adolf Dietzel, schwang von 1961 bis 1996 in der Singgemeinschaft den Taktstock, ab 1972 dann in der Chorvereinigung. Für seine Verdienste wurde er von beiden Vereinen zum Ehrendirigenten ernannt.

Wie bei den meisten Gesangsgruppen pocht auch bei den Altenkunstadtern das „Schreckgespenst Nachwuchsmangel“ immer lauter an die Vereinstüren. In den vergangenen Jahren mussten sich etliche Mitglieder aus Altersgründen oder gesundheitlich bedingt von der aktiven Chorarbeit verabschieden. Todesfälle trugen dazu bei, dass sich die Reihen weiter lichteten. Die Lücken konnten nur vereinzelt wieder geschlossen werden.

„Unsere Dirigentin hat neues, modernes Notenmaterial zusammengestellt, um unseren Chor zu aktivieren und die Singstunden neu zu gestalten. Schließlich sollen sich auch junge Leute in unserer Mitte wohlfühlen können“, erklärt Georg Pitteroff. „Als ich vor 22 Jahren den Taktstock übernahm, waren wir ein riesengroßer Chor. Leider ist dieser in der Zwischenzeit erheblich geschrumpft“, bedauert Larissa Eggloff. Die Hoffnung, junge Leute zu gewinnen, hat sie mittlerweile aufgegeben: „Was haben wir um jungen Nachwuchs gekämpft!“ Die Dirigentin setzt stattdessen auf mittlere und ältere „Semester“. „Singen macht nicht nur Spaß, es ist auch gesund. Außerdem sind wir eine supernette Familie“, wirbt sie für den Chor.

Auftritte beim Straßenfest und in den Kirchen

Der Lyra-Vorsitzende Robert Wilm sieht im Sängermangel keinen Grund, den Kopf hängen zu lassen. „Die beiden Gesangvereine sollten versuchen, aus dem vorhandenen Stimmenpotenzial das Beste zu machen, damit sie auch weiterhin mit schönen Liedern den Menschen Freude bereiten können“, lautet sein Appell. Zum Resignieren bleibt den Aktiven auch gar keine Zeit, denn in den nächsten Wochen gibt es viel zu tun. Am 7. September singen sie beim 40. Altenkunstadter Straßenfest, am 12. Oktober in der evangelischen Kirche und am 16. November im katholischen Gotteshaus. Ein Tagesausflug führt am 3. Oktober nach Fladungen in der Rhön.

Mit Liedern erfreuen sie viele Menschen in Altenkunstadt
Georg Pitteroff steht seit 34 Jahren an der Spitze der Singgemeinschaft. Foto: Bernd Kleinert
Mit Liedern erfreuen sie viele Menschen in Altenkunstadt
Seit 49 Jahren steuert Robert Wilm das Vereinsschiff der Lyra. Foto: Bernd Kleinert

Von Bernd Kleinert

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