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MAINROTH / MAINKLEIN

Von „Mouglinde“ nach „Rode“ auf geschichtsträchtigem Pfad

Von „Mouglinde“ nach „Rode“ auf geschichtsträchtigem Pfad
An der historischen Gerichtsstätte auf den Hügeln über Mainklein erklärte Carmen Blüchel-Spindler (2. v. li.) die geschichtliche Bedeutung der vorgefundenen historischen Pflasterung. Foto: Ingrid Kohles

Auf geschichtsträchtigen Wegen waren 17 Wanderer unterwegs von „Mouglinde“ nach „Rode“ unter der fachkundigen Führung von Karlheinz Kohles. Beim Startpunkt am Feuerwehrhaus in Mainklein begrüßte Ingrid Kohles die Wanderschar und erklärte, was es mit dem Namen „Mouglinde“ auf sich hat. Sprachforscher erkennen im heutigen Wort „Main“ die indogermanische Sprachwurzel der Worte „Mi“, „Mei“ oder „Moi“, die Kelten nannten den Fluss „Moinos“. Das zweite Wort im ursprünglichen Ortsnamen wurde im Jahre 1251 „glinde“ geschrieben, das führt auf die Spur des slawischen Hauptwortes „Lehm“. Der ehemalige Leiter der Bezirksgruppe Burgkunstadt des Geschichtsvereins CHW, Johann Baptist Müller, deutete den Ortsnamen Mainklein auf „Siedlung auf lehmigem Boden am Main gelegen“.

Das Ziel der ersten Etappe des historischen Weges war die historische Gerichtsstätte im Waldstück „Steinach“. Hier, auf dem oberen Hügel bei Mouglinde hielt Bischof Heinrich von Bilversheim am 8. April 1251 eine öffentliche Gerichtsversammlung ab. Hierbei ging es um das Erbe des 1248 kinderlos verstorbenen Herzog Otto II. von Meranien. Dieser letzte männliche Spross des Geschlechts Andechs-Meran hatte ein Gut zu Mouglinde und ein Lehen zu Dizou (Theisau) an Ramung I. von Blassenburg vererbt und dieser schenkte es weiter an das Kloster Langheim.

In der „Alemania Franconica“ erwähnt

Diese Gerichtsversammlung wurde in der Urkunde „Alemania Franconica“ dokumentiert. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung von Mainklein und Theisau. Schreinermeister Josef Spindler, der die uralte Pflasterung in seinem Wald gefunden hatte, und seine Tochter Carmen waren extra dorthin gekommen, um die geschichtliche Bedeutung für die zwei Orte zu erläutern. Danach ging es durch den Häckergrund weiter in Richtung Mainroth. Nach der Überquerung des Häckergrundbaches, der vormals als Zwistelbach bezeichnet wurde, folgte die Gruppe der Flurbereinigungsstraße bergan auf die Höhe über Mainklein und weiter Richtung Stengleinsleite und den Pfarrwald.

Von „Mouglinde“ nach „Rode“ auf geschichtsträchtigem Pfad
Die Kaffeepause genossen die Wanderer mit einem herrlichen Rundblick auf die Kiesweiher zwischen Mainklein, Maineck und Mainroth. Der Ort ist im Hintergrund des Gruppenbildes gut zu erkennen. Links steht Wanderführer Karlheinz Kohles. Foto: Ingrid Kohles

Kurz vor dem Eintritt in das Waldstück wurde eine Kaffeetafel aufgebaut und bei der wohlverdienten Rast ließen sich die Wanderer Kaffee und Kuchen schmecken. Vom Rastplatz aus hat man einen besonders guten Rundblick auf das Maintal und die Kiesweiher. Ingrid Kohles nutzte die Gelegenheit, um den geplanten Verlauf der Ortsumgehung von Mainroth zu erläutern.

Als nächstes führte Karlheinz Kohles die Wanderer über die Höhen des Flurstücks „Eltschig“ zum Heimkehrerkreuz an der Kreisstraße Mainroth-Gärtenroth. Am Samstag, 15. Oktober 1955, hatte hier die Einweihungsfeier der neu errichteten Straße zwischen Mainroth und Gärtenroth stattgefunden. Gleichzeitig wurde das große Holzkreuz am Wegrand enthüllt und vom Pfarrer Johann Böhmer gesegnet. Das Kreuz war eine Spende das damaligen Bürgermeisters August Vonbrunn als Dank für seine eigene Rückkehr aus dem 1. Weltkrieg und die Heimkehr der Söhne Mainroths aus beiden Weltkriegen. Das Gelände, auf dem das Feldkreuz seinen Platz gefunden hatte, stellte Maurermeister Bernhard Göhl zur Verfügung. In Mainroth angekommen war die Pfarrkirche St. Michael das vorerst letzte Ziel der Wanderung. Als profunde Kennerin der Mainrother Kirchengeschichte löste Ingrid Kohles hier ihren Mann wieder ab. Seit den archäologischen Untersuchungen des Jahres 2015 weiß man, dass an Stelle der heutigen wuchtigen Sandsteinkirche bereits zwei Vorgängerkirchen standen. Eine vermutlich wesentlich kleinere Holzkirche wird auf etwa 800 nach Christus datiert.

Der Bau einer steinernen Kirche wird in das frühe 12. Jahrhundert eingeordnet. Als Mainroth um 1120 erstmals urkundlich erwähnt wurde, stand hier vermutlich noch die hölzerne Kirche. Im Jahr 1122 verkaufte Konrad von Zähringen den Ort an Bischof Otto I. von Bamberg. Fürstbischof Otto dürfte es gewesen sein, der die steinerne Kirche als Wehrkirche erbaute, um sein Reich nach Osten hin zu schützen.

Dem Erzengel Michael geweiht

Die Kirche ist dem Erzengel Michael geweiht, der über dem Hochaltar thront. Die Seitenaltäre sind Maria, der Muttergottes, und Wendelin, dem Schutzpatron der Bauern und Hirten geweiht. Eine Turmbesteigung bis zu den Kirchenglocken bildete den Abschluss der Führung. Rechtzeitig vor dem Halbstundenschlag waren alle wieder im Langhaus angelangt, denn der Glockenschlag in unmittelbarer Nähe der Glocken ist doch sehr laut. Nach einer Brotzeit im Biergarten führte der Rückweg auf dem Main-Radweg mit seiner einmaligen Apfelbaumallee zurück nach Mainklein. (koh)

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