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WALLERSBERG

Die bewegte Geschichte der Kapelle Sankt Katharina

Die bewegte Geschichte der Kapelle St. Katharina
Der Chorraum von St. Katharina bei Wallersberg stammt noch aus dem späten Mittelalter. Foto: Günter Dippold

Seit die Kapelle Sankt Katharina in den Jahren zwischen 2013 und 2018 von Grund auf saniert wurde, bildet sie wieder ein Schmuckstück der Jurahochfläche bei Wallersberg. Sie steht ein Stück abseits vom Dorf auf einer kleinen Erhebung, umgeben von mächtigen Linden.

Obwohl das kleine Gotteshaus im Kern wohl auf das 14. Jahrhundert zurück geht, ist es erst in der Reformationszeit in Schriftquellen nachzuweisen. In einem um 1540 geschriebenen Brief ist die Rede von der „Capeln bey Wallerß-berg zu sant Katharine gnant, welche die Graffen von Tründingen gestift“.

Trifft diese Angabe zu, so wäre das Kirchlein während der Herrschaft der Grafen von Truhendingen über das Amt Arnstein entstanden. Die Truhendinger waren mit dem letzten, 1248 verstorbenen Andechs-Meranier, verschwägert und traten dessen Erbe auf dem Jura an. Der Bamberger Bischof brachte die Burg Arnstein und den umgebenden Raum dann in den 1380-er Jahren an sich.

Namen stammt nicht von Wallfahrten

Eine kurze Beschreibung der Wallersberger Kapelle liegt aus dem Jahr 1658 vor. Der Arnsteiner Pfarrer Pankraz Raimer berichtet, St. Katharina habe kein regelmäßiges Einkommen. Es bestand also keine eigene Kirchenstiftung, die durch verliehenes Geld oder verpachtete Grundstücke hätte Einnahmen erzielen können. Die Kapelle sei, so der Pfarrer, „vordeßen andächtig erbauet worden zur Wahlfahrt, dahero dan der ort den nahmen hat“.

Die Annahme, dass der Ortsname „Wallersberg“ von hierbeiströmenden „Wallern“, also Wallfahrern, herkomme, erweist sich jedoch als falsch. Bei der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes im Jahr 1326 wird er als „Beltreichesperge“ bezeichnet, 1338 dann als „Weltrichsberge“, 1360 als „Waldersperg“. Demnach dürfte der Ortsname auf den Personennamen „Waltrich“ zurückgehen; mit Wallfahrt hat er nichts zu tun.

Das bedeutet aber nicht, dass die Katharinenkapelle nicht vor der Reformation auswärtige Gläubige angezogen habe. In dem erwähnten undatierten Brief aus der Zeit um 1540 wird berichtet, einst habe die Katharinenkapelle „ser feine Kirchencleinetter“ (Kirchenkleinodien) gehabt. Das bezieht sich gewiss auf die Jahre vor der Glaubensspaltung. Da aber „von keinem Einkomen oder Nutzung darzu gehörig“ etwas bekannt war, muss die wertvolle Ausstattung durch Spenden finanziert worden sein.

Weiter heißt es im Brief, es werde nun, Jahrzehnte nach der Reformation, mit der Kapelle „ubel [...] umbgangen, auch [...] seldten besungen“ – es fanden also kaum noch Gottesdienste in ihr statt, weil kaum jemand teilnahm und erst recht niemand eine Messe stiftete. 1658 notierte Pfarrer Raimer, die Kapelle habe ein „Plätzlein gerings herumb“. Die kleine Anhöhe, auf der das Kirchlein steht, war zwar nicht befestigt. Sie diene dennoch „im fall der Noth“ als Friedhof. Es seien dort zu Pestzeiten viele Tote aus Wallersberg und Mosenberg beigesetzt worden.

Gottesdienste in St. Katharina fanden „nach Belibung“ des Arnsteiner Pfarrers statt – das heißt: unregelmäßig. Die Kirchweih wurde am Sonntag nach dem Fest Kreuzerhöhung (14. September) begangen, und selbstverständlich feierte man auch das Patronatsfest der heiligen Katharina am 25. November.

Um 1700 wird baufällige Kapelle saniert

Gründlich wiederhergestellt wurde die baufällig gewordene Kirche St. Katharina ums Jahr 1700. Das Langhaus mit seiner Holzdecke dürfte aus dieser Zeit stammen. Die Kapelle erhielt bei dieser Gelegenheit wohl eine neue Ausstattung.

Jedenfalls trägt das Gemälde des barocken Altars eine Inschrift, die auf das Jahr 1702 verweist. Eine wesentliche Veränderung erfuhr das Kirchlein 1913 durch die Errichtung eines Vorbaus aus Sichtsandstein an der Westfassade.

Eine Sage berichtet, zu Füßen der Kapelle sei eine Quelle entsprungen, deren Wasser heilende Wirkung besessen habe. Sie sei versiegt, nachdem im Dreißigjährigen Krieg ein schwedischer Soldat eine giftige Substanz hineingeworfen habe. Eine andere Sage macht für das Verschwinden der Quelle einen Wallersberger verantwortlich, der das Heilwasser für teures Geld verkauft habe.

Von Günter Dippold

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