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WEISMAIN

Fünfbeinige Schweine und sprechendes Duschgel

Wortwitz: Andrea Limmer bei ihrem Auftritt in Weismain mit Das Schweigen der Limmer. Foto: Roland Dietz

„Wir bringen es auf die Bühne“ lautet der Leitspruch des Museums- und Kulturvereins Weismain. Mit dem neuen Programm der niederbayerischen Kabarettistin Andrea Limmer brachten sie wieder etwas Besonderes brachten sie am vergangenen Wochenende wieder etwas Besonderes auf im Schönbornsaal auf die Bühne. Mit Wortwitz, hintersinnigen Betrachtungen und Spielfreude begeisterte das blonde Energiebündel zahlreiche Zuschauer.

„Man hat bei uns nur zwei Optionen, du säufst oder du ziehst weg.“
Andrea Limmer, Kabarettistin, über Niederbayern

„Ich war schon hier im temperamentvollen Weismain“, begrüßte sie ihre sichtlich amüsierten Gäste. Mit ihrem neuen Programm „Das Schweigen der Limmer“ habe sie schon so manchen verwirrt, gesteht die Kabarettistin. „Wenn du sprichst, atmest du mit den Hintern“, höre sie immer wieder. Daher habe sie begriffen: „Wenn du schweigst, passiert dir nichts, es ist viel gesünder, und du hast nichts zu tun mit dem Watschnbaum.“ Ohnehin werde viel zu viel geredet, sogar ihr ihr Duschgel heiße „Body-Talk“ – offenbar, weil es mit der Haut kommuniziere. „Ich bin 1,95 Meter – also postfaktisch gesehen“, nimmt sich die 1,54 große Niederbayerin selbst auf die Schippe. Die „niederbayerische Urschreimeditation“ endet für sie in „Blabla“, das auch das Publikum mitträllern muss.

Doch für ihr Publikum bricht sie ihr Schweigen. Und um den Irrsinn der Welt zu kommentieren. Etwa die „Kindergeneration Rücksitz“, die von ihren Eltern bis einen Meter vor die Schule, den Kindergarten und zur Klavierstunde gefahren werden. Natürlich wegen deren Sicherheit. „Manche Kids haben ihre Beine nur noch als Accessoires, damit sie auf Bildern mit Mama, Papa, Oma und Opa nicht so seltsam aussehen“, meint Andrea Limmer.

Wortwitz: Andrea Limmer bei ihrem Auftritt in Weismain mit Das Schweigen der Limmer. Foto: Roland Dietz

Auch ihre niederbayerische Heimat kommt nicht gut weg: „Man hat bei uns nur zwei Optionen, du säufst oder du ziehst weg.“ Ihre Nachbarin habe die Aussage „Unser Dorf soll schöner werden“ falsch verstanden und als Beitrag dazu ihren Mann um die Ecke gebracht. „Früher haben die Kinder bei uns gelacht, heute strahlen sie“, hat sie festgestellt. Allerdings habe sich die Befürchtung, der Fleck auf ihrer Haut sei durch die Strahlung des nahe gelegenen Kernkraftwerkes OHU verursacht worden, als grundlos erwiesen: es war nur ein Nutella-Fleck. „Also alle sechs Wochen Waschen, ob es nötig ist oder nicht“, empfahl die Kabarettistin dem Publikum. „Wenn wir bei uns Monopoly spielen, bekommen wir sofort Hartz IV.“

Mit grotesken Ideen, wie einer „fünfbeinigen Haxensau“, die nicht durch Gentechnik, sondern als Folge der Belastungen durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl entstanden sei, sorgte sie dafür, dass dem Publikum das Lachen im Halse stecken blieb. Dafür habe die Region jetzt eine Touristenattraktion. „Jeden Tag steht ein Blöder auf, trifft eine Blöde, sie legen sich wieder hin und machen den nächsten Blöden“, erklärt sie derb. So nimmt sie die Zuschauer mit auf eine skurrile Fahrt durch eine anscheinend immer grotesker werdende Welt.

Vom Märchenprinz mit Bausparzins

Auch über ihr Privatleben gibt die „Limmerin“ gerne Auskunft. Ihr Freund Obstie sei 42 Jahre alt und studiere gefühlt im 70. Semester. Als er sie fragte, ob sie beim Orgasmus an ihn denke, habe sie geantwortet: „Klar, du bist ja nie dabei.“ Das Thema Torschlusspanik bringt sie mit dem Lied vom „Märchenprinz mit dem Bausparzins“ über einen Mann, der nur eine Liebesnacht verbringen will, auf den Punkt. Für Stimmung sorgte sie auch mit witzigen Liedern, die sie mit der Ukulele begleitete.

Von Roland Dietz

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