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MAINROTH

„Fliegergrab“: Erinnerung an die Gräuel des Krieges

„Fliegergrab“: Erinnerung an die Gräuel des Krieges
Das Mahnmal liegt den Mainrothern am Herzen. Deshalb beschlossen die Aktiven der Feuerwehr, den Gedenkstein und das Umfeld am Roten Stein zu säubern. Foto: Ingrid Kohles

Einer nicht alltäglichen Aufgabe widmeten sich die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr mit der Säuberung des Mahnmals „Fliegergrab“. Das Mahnmal im stillen Wald am Roten Stein hat für die Einwohner Mainroths ein besondere Bedeutung, denn es erinnert augenfällig an die letzten Kriegstage und die Gräuel des Zweiten Weltkriegs.

Als im April 1945 die amerikanischen Streitkräfte in den Ort einmarschierten, forderten sie, den Dorfberg zu sprengen und damit die Durchgangsstraße zu sprengen. Nur mit Mühe und viel Überzeugungskraft konnte der damalige Bürgermeister August Vonbrunn diesen Plan verhindern.

Gefecht im April 1945

Weil die abziehenden deutschen Truppen am 11. April 1945 die Brücke über den Main bei Rothwind, die alte hölzerne Mainbrücke bei Maineck und die Holz-Metallbrücke zwischen Main-klein und Theisau gesprengt hatten, schlugen die aus Richtung Burgkunstadt anrückenden Amerikaner am 13. April ihr Lager auf den Mainwiesen von Mainklein bis Rothwind auf. Hier kam es am gleichen Tag vor Mainroth zu einem Gefecht zwischen den US-Truppen und drei deutschen Jägern des Luftgeschwaders 300.

Zwei Jäger konnten unter Beschuss abdrehen, der dritte verlor immer mehr an Höhe und donnerte zwischen Mainroth und Rothwind in ein Waldstück. Der Pilot, der 20-jährige Fähnrich Waldemar Klüpfel aus Miltenberg am Main, war vermutlich schon vor dem Absturz tot. Die Amerikaner beauftragten einige Männer damit, ihn beim Wrack seiner Maschine zu begraben. Am 4. März 1950 wurde der Fähnrich in seine Heimat überführt und dort beerdigt. Geblieben ist der Stein mit den Propellern, den sein Vater an der Absturzstelle errichten ließ.

Propellerblatt entwendet

Als im Januar 2018 die Nachricht die Runde machte, dass das Fliegergrab geschändet und dabei das linke Propellerblatt entwendet wurde, konnte man es in Mainroth kaum glauben. Es war nicht der materielle Schaden von etwa 100 Euro, der die Menschen erschütterte, sondern die Tatsache, dass man nicht einmal vor diesem Mahnmal für den Frieden haltmacht. Die polizeilichen Ermittlungen ergaben nichts.

Nun haben die Mainrother beschlossen, das Fliegergrab wieder so herrichten zu lassen, wie es vorher war. Ein neuer Propellerflügel ist nahezu fertig – er muss jetzt noch der Farbe des zweiten Flügels angepasst, quasi auf „alt“ lackiert werden.

Neuer Propellerflügel ist fast fertig

Deshalb haben die Brandschützer beschlossen, das Mahnmal und das nähere Umfeld zu säubern. Dieses Vorhaben erforderte das ganze Equipment. Das benötigte Wasser für den Kärcher wurde mittels einer langen Schlauchleitung herangebracht.

Während der Arbeiten wurde auch über den tragischen Tod des jungen Fähnrichs gesprochen. Dabei stellten die Helfer fest, dass sie zufällig genau den Absturztag für ihre Säuberungsaktion gewählt hatten.

Von Ingrid Kohles

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