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MAINLEUS / ALTENKUNSTADT

Die Mainleuser „Brandstifter“ setzen Handwerker unter Strom

Die Mainleuser „Brandstifter“ setzen Handwerker unter Strom
Wenn die Firma „Schief & Krumm“ (Hans Kausich, li., und Roland Schuberth) anrückt, dann ist das Chaos perfekt. Darüber sind der Junggeselle Siegfried Klein (Michael Schmidt/re.) und seine Zukünftige Katrin Niedlich (Simone Grieß) nicht erfreut. Foto: Stephan Stöckel

Wenn die Handwerker der Theatergruppe „Die Brandstifter“ Hand anlegen, dann bricht auf der Bühne das Chaos aus. Aus der blitzsauberen Wohnung eines braven Biedermanns mit Putzfimmel wird eine unbewohnbare Abrissbude. In dieser wimmelt es nur so von seltsamen Gestalten, bei deren ulkigen Aktionen kein Auge mehr trocken bleibt. So geschehen bei der Premiere der Komödie „Liebeslust und Wasserschaden“ aus der Feder von Hans Schimmel am Samstagabend im ausverkauften „Fränkischen Hof“ in Mainleus. Sie lebte von Tempo, Timing, überdrehten Figuren und jeder Menge Slapstickeinlagen.

Dass Michael Schmidt aus Altenkunstadt, ein Meister der Grimasse, in der Rolle eines schrulligen Junggesellen, der zum lallenden Alkoholiker mutiert, voll aufgehen würde, das war für viele schon bevor sich der Vorhang geöffnet hatte klar wie Kloßbrüh, wie der Franke sagen würde. Dass auch ein Handwerker-Duo von der Firma „Schief und Krumm“, gespielt von Hans Kausich aus Danndorf und Roland Schuberth aus Willmersreuth, wie einst das berühmte Komiker-Gespann „Laurel & Hardy“ auf der Bühne agieren würde, das war für viele die Überraschung des Abends.

Reimender Postbote und männermordender Vamp

Grübelnd kratzte sich Kausich, der Herr mit der Strubbelfrisur, am Kopf, um dann mit zwerchfellerschütternden Erkenntnissen aufzuwarten: „Die Schutzheilige der Elektriker ist Heidi Kabel.“ Auf der Bühne standen Figuren mit Marotten, wie der reimende Postbote mit dem Faible fürs Hochprozentige, dem Gerd Sack Leben einhauchte oder der männermordende Vamp mit der Körbchengröße XXL, gespielt von Silvia Wagner.

Im Unterschied zu „Dick & Doof“ flogen keine Sahnetorten herum. Vielmehr verwandelte Regisseur Peter Wagner aus Danndorf das schmucke Heim des ersten Akts in eine Bruchbude. Die Handwerker agierten als Zerstörer, was für einen zusätzlichen Lacheffekt bei den 220 Besuchern sorgte, darunter auch etliche aus dem östlichen Landkreis Lichtenfels. Eine Schlagbohrmaschine und ein Vorschlaghammer ertönten und Roland Schuberth glotzte als Handwerker mit staubverschmierter Schutzbrille aus dem Loch in der Wand. Der Durchbruch war vollendet.

Wie er zustande gekommen war, verriet Regisseur Peter Wagner dem Autor bei einem Rundgang hinter den Kulissen. „In den Fenstereinsatz eines vorgefertigten Wandelements hat Herbert Laschinsky, die von ihm einzeln angefertigten Holzteile wie Puzzleteile eingefügt“, erklärte der leidenschaftliche Theatermacher. Er legte selbst mit Hand an. Voller Elan pumpte er einen Druckluftbehälter auf. „Damit blasen wir Mehl auf die Bühne.“

Wenn der Strom ausfällt, finden die Paare zusammen

Hans Kausich wird zum Mister 20 000 Volt, der mit schmerzverzerrtem Gesicht, sich schüttelnd und zitternd vor dem Publikum stand. Die Zuschauer lachten nicht nur Tränen. Sie wurden regelrecht elektrisiert von dem Handwerkerchaos auf der Bühne. Ein lautes Getöse - und das Licht im Saal ging aus. Auf der Theaterbühne, auf der die eingefleischten Junggesellen das Sagen hatten, bahnten sich erste Liebschaften an. Einem Kurzschluss sei Dank.

Das Theaterstück produzierte nicht nur handwerkliche Missgeschicke am laufenden Band, sondern bescherte dem Markt Mainleus mit Michael Schmidt in der Rolle des Siegfried Klein auch einen neuen Kämmerer – zumindest in der Fantasiewelt der Theatergruppe. „Nachdem wir Anfang des Jahres mit dem Ehrenwappen der Marktgemeinde Mainleus ausgezeichnet worden waren, stand für mich fest: Ich kann meine Hauptfigur nicht zum Chefbuchhalter einer x-beliebigen Firma werden lassen“, plaudert Regisseur Peter Wagner aus dem Nähkästchen. Das ironische Dankeschön war Teil einer kurzweilig inszenierten Komödie, mit der die „Brandstifter“ einmal mehr ihre Klasse unter Beweis stellten.

Von Stephan Stöckel

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