BURGKUNSTADT

Michaela May und die ganz großen Gefühle

Von Michaela May waren beim Kultursonntag, „Liebe und weitere Katastrophen“ zu erfahren.

Der vogteieigene Flügel hat einem Podest Platz gemacht. Darauf steht ein Tisch mit einer Leselampe. Zwar gehören Lesungen bei den Kultursonntagen nicht gerade zu den Publikumsmagneten, doch diesmal ist es anders. Michaela May zählt zu den beliebtesten Fernsehschauspielerinnen Deutschlands, die auf eine beachtliche Karriere zurückblicken kann. Sie spielte die Klara in der Romanverfilmung „Heidi“, wirkte in „Münchner Geschichten“ und in „Monaco Franze“ mit sowie in unzähligen Krimis und Fernsehserien. Als Kommissarin Jo Obermaier in der Krimireihe „Polizeiruf 110“ wurde sie mit dem Deutschen Fernsehpreis und dem Adolf-Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet.

Dem Dauerthema Gefühle und Beziehungen widmete sich Michaela May in Burgkunstadt näherte sich unter dem Thema „Liebe und weitere Katastrophen“ aus einem weiblichen Blickwinkel. Mit „weiteren Katastrophen“ war nicht etwa der Sturm gemeint, der am Sonntagnachmittag auch um die ehrwürdigen Mauern der Alten Vogtei fegte und eine Terrassentür aufdrückte, oder der Feuerwehreinsatz, der wegen eines Fehlalarms bei Regens Wagner für ein Aufgebot von mehreren Löschfahrzeugen sorgte. „Ein sehr energetischer Ort“, stellte Michaela May schmunzelnd fest.

Ein Schäferstündchen vor welthistorischer Kulisse

Gefragt war Michaela May nach der Lesung auch bei einer kleinen Autogrammstunde.

Michaela May findet schnell einen Draht zu ihren Zuhörern und begeistert durch ihre natürliche Art und ihre erfrischende Herzlichkeit. Im ersten Teil der Lesung ist mit „Der Welt den Rücken“ ein wunderbarer Text von Elke Heidenreich zu hören. Protagonistin ist die Studentin Franziska, die ihr „erstes Mal“ nicht mit einem unerfahrenen Jüngling, sondern mit einem erfahrenen Mann erleben möchte. Nach langem Warten kommt es mit einem 35-jährigen Schlosser aus Ulm dazu. Zu einem Zeitpunkt als die Welt während der Kuba-Krise für kurze Zeit am Rande eines Atomkrieges stand. Erst Jahrzehnte später sollten sie sich wieder begegnen, wieder wird es zu einem einschneidenden Erlebnis, nur, dass es diesmal der Mauerfall ist, den die beiden nicht mitbekommen. Michaela May liest mit einfühlsamer Betonung, Stimmlage und Gestik und haucht so dem Text Leben ein. Ihr Vortrag ist so lebendig, dass nicht mal der Sturm und die Sirene der Feuerwehr eine Unterbrechung verursachen können.

Mit ihrem Akkordeonspiel gibt Maria Reiter der Lesung die richtige Würze. Darunter Songs von Frank Sinatra, das Lied „Guantanamera“, ein Tango und Melodien aus dem Film „Doktor Schiwago“. Maria Reiter versteht es, ihrem Instrument Töne zu entlocken, die dem Gehörten erst den richtigen Rahmen verleihen.

So kann es gehen, wenn die große Liebe den Marotten des Partners nicht standhält. Doris Dörrie hat es in der Erzählung „Mit Messer und Gabel“ beschrieben. Am Ende führt die Marotte sogar zu einem Mord.

Akkordeonspielerin Maria Reiter gab der Lesung die richtige Würze.

Zauberhaft war die Geschichte von Elke Heidenreich, in der zunächst offen blieb, um welche Wesen es sich handelte. Bis sich schließlich beim Zuhörer die Erkenntnis breit machte, dass es Kater waren, die nicht lange lebten, weil sie allesamt überfahren wurden. Jetzt lebt die Protagonistin mit Katzen zusammen, denn Kater kommen ihr nicht mehr ins Haus.

In Axel Hackes „Der Mantel der Liebe“ wird geschildert, wie es gehen kann, wenn die Liebe allzu sehr strapaziert wird. Dann ist zwar der lang ersehnte Mantel da, dafür aber wechselt der Ehemann zur Vorbesitzerin.

Zum Schluss gibt es noch zwei Kurzgeschichten, deren Verlauf nur allzu gut bekannt sein dürfte. Darin geht es um einen Streit aus nichtigen Anlass, der in ein regelrechtes Zerwürfnis ausartet.

Eine Reise von Europa nach Südamerika

Am nächsten Kultursonntag, 7. April, entführen Rudi Zapf und Ingrid Westermeier auf eine Reise von „Europa nach Südamerika“.