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BURGKUNSTADT

Baur-Neujahrsempfang: Einer der drei begehrtesten Arbeitgeber

Beifall für ein gutes Geschäftsjahr gab's beim Neujahrsempfang der Baur-Gruppe auf Kloster Banz. Foto: Gerhard Herrmann

Es war der Abend von Albert Klein. Mit überwältigendem Beifall wurde der Vorsitzende der Baur-Geschäftsführung beim traditionellen Neujahrsempfang des Unternehmens auf Kloster Banz begrüßt, nachdem bekannt gegeben worden war, dass Patrick Boos im Juli seine Nachfolge antreten wird. Grund zum Beifall war allein schon das trotz kleiner Wermutstropfen positive Geschäftsergebnis, das mit einem Außenumsatz von mehr als 810 Millionen Euro nochmals um rund zwei Prozent über der Rekordbilanz des vergangenen Jahrs liegt.

Mehr noch galt der Applaus jedoch Klein selbst, der als unermüdlicher Manager die Baur-Gruppe in den vergangenen 18 Jahren auf Erfolgskurs gebracht hat. Zusammen mit seinen Vorgängen Richard Krekeler und Marc Opelt ist es ihm gelungen, Baur vom traditionellen Katalog-Versender zum modernen Online-Händler umzubauen.

Dabei hatte Klein, der wie kein anderer in der Führungsetage des Unternehmens mit der Region verwurzelt ist und in Weismain wohnt, stets die Mitarbeiter im Blick. Ist Baur mit 4200 Beschäftigten, davon rund 3800 in Oberfranken, doch der größte Arbeitgeber der Region. In den vergangenen beiden Jahren wurden 400 neue Stellen geschaffen. „Ohne Sie würde ich heute nicht hier stehen“, dankte er den Mitarbeitern denn auch für ihr Engagement.

„Auf eine spannende, aber auch anstrengende Zeit bei Baur“ blickte er zurück. Dabei seien ihm der Unternehmensgründer Friedrich Baur mit seinem Leitspruch „Im Mittelpunkt des Denkens und Handelns sollte immer der Mensch stehen“ und Dr. Michael Otto mit seiner Werte-Orientierung Vorbilder gewesen. „Bitte setzt das Lebenswerk Friedrich Baurs fort“, appellierte er an seinen Nachfolger Patrick Boos und die Geschäftsführer Olaf Röhr und Hans-Christian Müller, der ab März den Bereich Marke & Vertrieb verantworten wird. „Wir Manager sind keine Unternehmer, sondern Verwalter des Gelds und Guts unserer Gesellschafter“, betonte er. Angesichts der zunehmend schwieriger werdenden Bedingungen im Handel wegen der wachsenden Konkurrenz, zunehmender Unsicherheiten und steigender Logistikkosten müsse die Baur-Gruppe neue „Rentabilitätswege“ finden. Als Stichworte nannte er „Inspiration, Sortimentsausbau und Kundenbindung.“ Auch neue Arbeitsweisen, wie das Anywhere-Office, bei dem die Mitarbeiter nicht nur zu Hause arbeiten können, oder der neue CoWorking-Flügel im Weismainer Verwaltungsgebäude, der den Mitarbeitern „Freiraum“ zur Kreativität bieten soll, trügen dazu bei.

„Ganz wichtig ist uns die Übertragung von Verantwortung auf echte Experten: unsere Mitarbeiter.“
Albert Klein, Vorsitzender der Baur-Geschäftsführung

Denn die Baur-Gruppe, die 90 Prozent ihres Umsatzes online erwirtschaftet (Umsatzplus von sechs Prozent im vergangenen Jahr), setzt auf Digitalisierung und einen Kulturwandel im Unternehmen. Das bedeute auch Veränderungen in der Zusammenarbeit. „Ganz wichtig ist uns dabei die Übertragung von Verantwortung auf echte Experten: unsere Mitarbeiter.“ Dieser im englischen als empowerment bezeichnete Ermutigung der Mitarbeiter werde bei Baur fränkisch #embaurment genannt.

Dass das Ziel, der attraktivste und mitarbeiterfreundlichste Arbeitgeber in der Region zu sein, erreicht wurde, bestätigten drei Bewertungen in der Wirtschaftspresse. So sei Baur zu den besten drei Arbeitgebern im Versand- und Onlinehandel in der Studie „Deutschlands begehrteste Arbeitgeber“ des FAZ-Instituts gekürt worden. Der E-Commerce-Dienstleister Empiriecom wurde von Focus Business unter die „Top Arbeitgeber Mittelstand 2019“ gekürt, und die „Wirtschaftswoche“ hat Baur als „wertvollsten Arbeitgeber der Region Lichtenfels“ eingestuft.

Unito unter den Erwartungen

Während das Kernunternehmen Baur sich im aktuellen Geschäftsjahr trotz der Kaufzurückhaltung während der Sommermonate gut behauptet habe, blieb die österreichische Tochter Unito unter den hohen Wachstumserwartungen. Zufrieden zeigte sich Albert Klein mit den Ergebnissen der Baur-Logistik, die in Altenkunstadt ab März mit dem Vertrieb für das Startup About You größere Mengen abwickeln werde. Für den Standort Sonnefeld sei eine neue Nutzung vorgesehen. „Unser festes Ziel ist es, den Logistikstandort Oberfranken und die damit verbundenen Arbeitsplätze für unsere Unternehmensgruppe zu sichern und auszubauen“, betonte Klein.

Einen kleinen Schatten auf die guten Ergebnisse der Dienstleistungssparte werfe Baur Fulfillment Solutions (BFS), das den Umsatz gesteigert habe und „knapp schwarze Zahlen“ schreibe. Hier solle das Geschäft durch eine neue Organisation und die Konzentration auf den Logistikstandort Weismain profitabler gestaltet werden. Vom Tisch ist der angedachte eigene Standort für den Kunden S. Oliver in Nordrhein-Westfalen. Umso erfolgreicher entwickele sich der E-Commerce-Dienstleister Empiriecom, der eine erfolgreiche Tech-Firma geworden sei und Anwendungen für Baur, Unito und andere Gesellschaften kreiere.

Das Geschäftsjahr 2019/19

Netto-Umsatz: rund 810 Millionen Euro (Vorjahr: 757 Millionen Euro)

Mitarbeiter: 4200, davon 3800 in Oberfranken (Vorjahr: 4069, davon 3664 in Oberfranken).

Die Baur-Gruppe gehört zur Otto Group. Der Unternehmensverbund konzentriert sich auf den Online-Handel und handelsnahe Dienstleistungen. Kernunternehmen ist Baur mit dem Onlineshop www.baur.de

Albert Klein hat bei Baur seit 18 Jahren für gute Ergebnisse gesorgt. Foto: Gerhard Herrmann
Politik und Wirtschaft im Gespräch (v. re.): Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner, Bundestagsvizepräsident Hans-Peter Friedrich, IHK-Präsidentin Sonja Weigand und IHK-Hauptgeschäftsführerin Gabriele Hohenner. Foto: Gerhard Herrmann
Mitreißend: „The Young ClassX“ brachten das Publikum beim Neujahrsempfang zum Jubeln. Foto: Gerhard Herrmann
Neue technische Anwendungen wie Voice-Commerce waren beim Neujahrsempfang auszuprobieren: „Siri, sag mir mal die Telefonnummer des Baur Versands.“ Foto: Gerhard Herrmann

Von Gerhard Herrmann

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