ALTENKUNSTADT

Gemeinde soll bauen, der Provider soll mieten

Autonomes Fahren, Drei-D-Druck, Telemedizin oder das vernetzte Haus – die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Dem Glasfasernetz kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. In Altenkunstadt sind bereits 3,6 Prozent der Haushalte an das superschnelle Internet angeschlossen. Doch für Diplom-Ingenieur Siegbert Reuther, Fachmann für Breitbandausbau, steht fest: „Es müssen 100 Prozent werden. Flächendeckendes Glasfasernetz in jedes Haus ist die Basis-Infrastruktur der Digitalisierung und damit Grundlage für den künftigen Wohlstand.“ Dem Gemeinderat zeigte er in seiner jüngsten Sitzung in einem Vortrag auf, wie das in Altenkunstadt gelingen könnte.

Sein Vorschlag: Ein providerneutrales öffentliches digitales Straßennetz, das von der Gemeinde gebaut wird. Die Zeit bis zum nächsten staatlichen Förderprogramm sollte für den Wissensaufbau genutzt werden. Ein eigenes Netz sei kostengünstiger als ein fremdes, rechnete er vor: Bei ersterem bezifferte er die Kosten für Altenkunstadt auf rund zehn Millionen Euro, bei letzteren auf rund 18 Millionen. Provider könnten das Gemeindenetz pro geschaltete Glasfaser mieten und so für Einnahmen sorgen. Außerdem ziehe ein Glasfasernetz, so der Experte, Leute aus der IT-Branche an, was die Steuereinnahmen sprudeln lasse.

Andere Lösung

Bei einem Besuch in Niedersachsen hatte Jan Riedel von den Freien Bürger der Ortsteile (FBO) von einer anderen Möglichkeit erfahren. „Das Unternehmen ,Deutsche Glasfaser‘ erschließt dort Dörfer komplett, wenn sich 40 Prozent der Einwohner für einen Anschluss entscheiden“, berichtete der Gemeinderat. Reuther will sich erkundigen, ob das in Bayern auch der Fall ist.

Die allgemeine Preisentwicklung erhöht die Kosten für das geplante Lehrschwimmbecken in Altenkunstadt: Einer aktuellen Schätzung des Architekturbüros Lauer + Lebok zufolge werden die drei Kommunen Alten- und Burgkunstadt sowie Weismain nicht 4,6 sondern 5,83 Millionen Euro in die Hand nehmen müssen. „Ich würde den Stadträten empfehlen, etwas draufzulegen, allerdings kommt das auf die Höhe an“, hatte Burgkunstadts Bürgermeisterin Christine Frieß im Obermain-Tagblatt erklärt. Die Altenkunstadter Gemeinderäte nahmen sie beim Wort. Sie forderten Bürgermeister Robert Hümmer (CSU) auf, sich dafür einzusetzen, dass Burgkunstadt seinen Anteil auf ein Drittel der Baukosten erhöht. „Ich werde dementsprechend handeln“, sicherte dieser zu.

Der Hort in der Altenkunstadter Grundschule platzt aus allen Nähten. „In Absprache mit Schulleiter Stefan Kern wurde beschlossen, den Handarbeitsraum als weitere Räumlichkeit für die Einrichtung zu nutzen“, teilte Hümmer mit.

Kein Nachtragshaushalt

In den vergangenen Jahren war er zu dieser Zeit schon längst in trockenen Tüchern. Die Rede ist vom Altenkunstadter Haushalt. 2018 lässt das Zahlenwerk noch auf sich warten. „Wann kommt es?“, fragte Jan Riedel von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) den Bürgermeister. „Sobald wir den Bescheid über die geplante Sanierung der Grundschule haben“, erwiderte das Gemeindeoberhaupt. Riedel erinnerte daran, dass laut Bayerischer Gemeindeordnung ein Haushalt bereits im Dezember des vorigen Jahres verabschiedet werden müsse. Er schlug vor, nicht länger abzuwarten, sondern den Haushalt endlich zu verabschieden. Nach Eingang des Bescheides könne man immer noch einen Nachtragshaushalt aufstellen. „Ich wollte einen Nachtragshaushalt, aber die Mehrheit im Gremium leider nicht“, erwiderte der Bürgermeister.

Vor drei Jahren ist der FC Altenkunstadt von der B- in die A-Klasse aufgestiegen. Der zweiten Mannschaft des FC Baiersdorf gelang nun ebenfalls dieses Kunststück. Hümmer erklärte auf Nachfrage Riedels, dass auch in diesem Fall ein Eintrag ins Goldene Buch der Gemeinde erfolgen werde.

Einstimmig bestätigte der Gemeinderat Alexander Schnapp als Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Spiesberg und Michael Schneider als seinen Stellvertreter.