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ALTENKUNSTADT

Viele fühlen sich im Stich gelassen

Bei auf den letzten Platz war der Saal in der Gastwirtschaft „Zum Preußla“ in Altenkunstadt beim Symposium zur Vogelgrippe besetzt. FOTO: Dieter Radziej Foto: Dieter Radziej

Nicht nur aus Oberfranken, sondern auch weit darüber hinaus waren die Rassegeflügelzüchter am Donnerstagabend nach Altenkunstadt gekommen, um bei einem Symposium zur Vogelgrippe klar „Flagge“ zu zeigen. Selbst das Präsidium des Verbandes der Deutschen Rassegeflügelzüchter war vertreten und unterstützte die gemeinsamen Bemühungen der Zuchtfreunde. Dabei wurde deutlich, dass die monatelange Stallpflicht in vielen Zuchten negativen Auswirkungen hinterlassen hat.

Vom überwältigenden Besuch in der Gastwirtschaft „Zum Preußla“ zeigte sich Kreisvorsitzender Andreas Scheumann erfreut, der gleich den wichtigsten Punkt dieses Symposiums, die Vogelgrippe, in den Mittelpunkt stellte. Aufklären, verstehen und richtig handeln, sollte dabei die Devise lauten, wobei er verdeutlichte, dass manche Entscheidung hinsichtlich dieser Viruserkrankung als überzogen empfunden worden ist, viele Rassegeflügelzüchter geschädigt und verärgert habe und es den Mitgliedern schwer falle, ihren Tieren unter dem Gesichtspunkt der Aufstallpflicht in einem natürlichen Umfeld noch Entwicklungsmöglichkeiten zu geben.

Hals-über-Kopf-Entscheidungen

Auch der Präsident des Bundes der Deutschen Rassegeflügelzüchter, Christoph Günzel, kritisierte, dass es besonders in Bayern und Sachsen hinsichtlich der Geflügelpestverordnung manche Hals-über-Kopf-Entscheidung gegeben habe. Vor allem die Rassegeflügelzüchter an der Basis hätten mehr Sicherheit erwartet und dass frühzeitig gegen den „Seuchenzug“ etwas unternommen werde. Zwar wurde die Stallpflicht jetzt aufgehoben, er glaube jedoch kaum, dass sich die Entwicklungsrückstände vor allem beim Groß- und Wassergeflügel in diesem Jahr noch wettmachen lassen. Dafür sei die Zeit schon zu weit fortgeschritten.

Auf entsprechende Aktivitäten des Verbandes hinsichtlich der Vogelgrippe, die bis in das Maximilianeum in München reichten, verwies Landesvorsitzender Georg J. Herrmann, wobei insbesondere die Anliegen der Klein- und Kleintierhalter vorgetragen wurden. Alle Rassegeflügelzüchter hätten es sich gewünscht, dass sie frühzeitig und umfassend informiert worden wären und eine Risikobewertung erhalten hätten.

Ein Grußwort sprach Bezirksvorsitzender Andreas Vogel, der vor allem dem Hauptinitiator und Organisator der Veranstaltung, Andreas Scheumann, dankte, während Erster Bürgermeister Robert Hümmer den Mitgliedern zuerkannte, dass es hinsichtlich der Stallpflicht sicherlich noch viele offene Fragen gebe.

Unterschiedliche Virenstämme

Breiten Raum nahmen die Ausführungen des Tierschutzbeauftragen des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter, Dr. Michael Götz, ein, der aufzeigte, wie komplex das Thema „Geflügelpest und Vogelgrippe“ ist. Zumal es unterschiedliche Vogelgrippen-Viren gebe. Dr. Götz versuchte klar zu machen, wie verschieden die Infektionswege dieses Virus, das durch wild lebende Vögel und Wasservögel eingeschleppt wurde, sein können. Erfolgte die Ausbreitung durch Futtermittel? Oder auf den weltweiten Transportwegen? Oder durch Ausbringen des Geflügelmistes oder durch Abfälle auf den Feldern? Alles Fragen, die noch offen im Raum stehen, betonte Dr. Götz. Impfstoffe seien dabei für Hobby-Züchter keine Lösung, denn auch das Virus verändert sich ständig.

Bezeichnend sei, dass vor allem bei der Massentierhaltung die Ansteckungsgefahr besonders hoch sei. Anhand von 80 derartigen Fällen ergaben die Untersuchungen, dass alleine 50 davon in der wirtschaftlichen Geflügelhaltung aufgetreten sind, es bundesweit die verbleibenden Ansteckungen bei den privaten Rassegeflügelzüchtern gab und das Virus in Vogelparks und zoologischen Gärten registriert werden konnte. Zusammenfassend warf Dr. Götz die Frage auf, ob bei der Vogelgrippe vielleicht nicht rechtzeitig genug reagiert wurde beziehungsweise die Quarantänemaßnahmen zu spät eingesetzt haben.

„Sollte die Stallpflicht

noch öfters angeordnet werden, dann gibt es keine Zukunft mehr für die Rassegeflügelzucht.“

Andreas Vogel, Bezirksvorsitzender

Ergänzend dazu ging Helge Pfeffer vom Aktionsbündnis des Landesbundes für Vogelschutz aus seiner Sicht auf die Ausbrüche der Vogelgrippe ein, wobei er die erforderlichen hygienischen Maßnahmen erwähnte.

Unter dem Beifall der Mitglieder stellte Bezirksvorsitzender Andreas Vogel fest: „Sollte die Stallpflicht noch öfters angeordnet werden, dann gibt es keine Zukunft mehr für die Rassegeflügelzucht. Sie könnte dann nur noch begraben werden.“ Das Herz jeden Züchters tue weh, wenn er miterleben muss, dass seine Hühner oder sein Groß- und Wassergeflügel monatelang auf engstem Raum ohne Wasserfläche, Tageslicht und Sonne verbringen müssen. Es gebe keine Ausstellungen mehr. Und viele der Rassetiere müssten geschlachtet werden, da ganz einfach die Zukunftsperspektiven fehlten. Andreas Vogel wörtlich: „Das Vereinsleben wird regelrecht abgewürgt.“ Zudem kritisierte er die staatliche Informationspolitik in Sachen „Vogelgrippe“ deutlich.

Zu wenig Gehör gefunden

Die anschließende Diskussion brachte eine Fülle von Wortmeldungen. Vor allem die Ausbreitung des Virus war ein Thema. Auch die Frage, wie es in Großzuchtanlagen gelangen kann, in dies es nicht einmal ein Spatz schafft, und welche weiteren Infektionswege möglich sind, wurde engagiert besprochen. Nicht nur den Verband sahen die Mitglieder in der Pflicht, sondern auch die heimischen Abgeordneten, wobei die Rassegeflügelzüchter in ihren bisherigen Bemühungen nicht immer bei jeder Gruppe Gehör gefunden hätten.

Die länderunterschiedliche Handhabung der Stallpflicht war ebenso ein Punkt in der Aussprache wie die gesetzliche Gleichstellung der Rassegeflügelzuchten mit Zoos, wenn sie Wassergeflügel halten. Zumal sich Rassetiere in natürlicher Umgebung gesund und robust entwickeln können und deshalb gegen Erkrankungen wesentlicher unempfindlicher seien wie beispielsweise das Wirtschaftsgeflügel. Es sei in gewisser Hinsicht auch eine kulturelle Aufgabe, meinte ein Redner, alte und seit Jahren bestehende Rassen für die Nachwelt zu erhalten.

Es gebe noch viel zu tun an der Basis und im Verband, bekräftigte Kreisvorsitzender Andreas Scheumann, der sich zufrieden mit dem Verlauf des Symposiums zeigte und alle Anwesenden bat, weiterhin vernünftig und sachlich mit dem Thema „Vogelgrippe“ umzugehen.

Von unserem Mitarbeiter Dieter Radziej

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