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WEISMAIN

Andrea Göldner ist die Herrin über Weismains Gedächtnis

Andrea Göldner ist die Herrin über Weismains Gedächtnis
In ihrem Element: Andrea Göldner bei der Sortierung der Bände in der neu umgestalteten Bücherei im Untergeschoss des Kastenhofs. Foto: Roland Dietz

Nicht nur wegen der Corona-Pandemie und dem Lockdown hat sich der Arbeitsalltag von Andrea Göldner, der Leiterin des Nord-Jura Museums, des Stadtarchivs und der Tourismusinformation komplett geändert. Hinzu kommt noch der bevorstehende Umzug der Stadtverwaltung, die wegen der Sanierung des historischen Rathauses in die Räume im Kastenhof übersiedelt. Vieles hat sich geändert, liegt auf Eis oder geht etwas langsamer weiter. Gefordert ist sie nicht nur beim Umzug der Verwaltung, sondern auch bei der Verlegung der Bücherei in die Räume der Tourismusinformation.

Dennoch nimmt sie sich gerne Zeit, wenn Anfragen von Urlaubern kommen oder Bürger Informationen wünschen. Es sei wohl das ungewöhnlichste Jahr in ihrem Berufsleben gewesen, meint sie mit Blick auf die Corona-Pandemie. Sie und die 16 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen der Weismainer Stadtbücherei Sankt Martin blicken mit gemischten gefühlen auf das vergangene Jahr zurück. Besonders die monatelangen Schließungen und die mit der Corona-Pandemie einhergehenden Hygienemaßnahmen haben die Arbeit in der Bücherei stark beeinträchtigt.

„Endlich habt ihr wieder offen.“
Eine Leserin nach dem Ende des ersten Lockdowns

Im Frühjahr 2020 war der 11. März der letzte Ausleihtag. Als sich im Mai abzeichnete, dass Bibliotheken wieder öffnen dürfen, ging das Bücherei-Team Ende des Monats mit einem Hygiene-Konzept an den Neustart, das zuvor mit den Trägern, der Stadt und der katholischen Kirchenstiftung, abgestimmt worden war. Zum Schutz der Mitarbeiterinnen hatte der städtische Bauhof zwei große Plexiglasscheiben auf der Ausleihtheke montiert und auf dem Boden markierten Pfeile die idealen Laufwege, damit die Leser ungefährdet und mit genügend Abstand die Bücherei besuchen konnten.

Andrea Göldner ist die Herrin über Weismains Gedächtnis
Die umgestaltete Bücherei im Untergeschoss des Kastenhofs. Foto: Roland Dietz

„'Endlich habt ihr wieder offen', hörten wir Mitarbeiterinnen nicht selten und die Freude darüber, dass das breite Medienangebot der Weismainer Bücherei nun endlich wieder zur Verfügung stand, war groß“, berichtet sie. „Alle waren voller Freude und Enthusiasmus.“ Mit Wehmut erzählt sie, dass am 1. Dezember schon wieder Schluss mit dem Ausleihdienst war, nachdem die Infektionszahlen wieder anstiegen: „Dass alle öffentlichen Büchereien bis auf Weiteres schließen mussten, war für uns kein Trost.“

Die langen Schließzeiten schlugen sich natürlich auch in der Jahresstatistik nieder. So war das Büchereiteam lediglich 689 Stunden lang ehrenamtlich im Dienst, während in den Vorjahren knapp 900 Stunden zusammengekomen waren. Die Zahl der Entleihungen ging von 14 656 im Jahr 2019 auf 12 405 zurück. Von 308 Lesern, die die Einrichtung nutzten, kamen 254 aus Weismain und 54 aus der Umgebung. 568 Medien wurden neu in den Bestand aufgenommen. Über eine umfangreiche Auffrischung der Hörspielabteilung durften sich die Kinder freuen. Jetzt gibt's auch die beliebten Tonie-Figuren. Eine Möglichkeit, die Leser trotz geschlossener Bücherei mit Literatur zu versorgen, wäre ein Click & Collect-Service. Voraussetzung hierfür ist ein Online-Katalog, den sich das Bücherei-Team schon lange wünscht und der sich bisher wegen des fehlenden Internetzugangs nicht verwirklichen ließ. Die Möglichkeit, diesen zu schaffen, versprach das vom Deutschen Bibliotheksverband (dbv) betreute Soforthilfeprogramm „Vor Ort für alle“, das sich besonders an Kommunen im ländlichen Raum mit bis zu 20 000 Einwohnern richtet. Die Weismainer Bücherei bewarb sich erfolgreich um eine finanzielle Unterstützung: Für die Schaffung des Internetzugangs und für die Einrichtung von zwei Benutzerarbeitsplätzen wurde eine Förderung in Höhe von 4125 Euro gewährt, zu dem die Träger noch einen Eigenanteil beisteuerten.

Im neuen Online-Katalog stöbern und Bücher bestellen

Andrea Göldner ist die Herrin über Weismains Gedächtnis
Einblick in die Stadtgeschichte: Andreas Göldner beim CHW-Vortrag zum Weismainer Fasching. Foto: Roland Dietz

Jetzt ist der Online-Katalog im Netz präsent und kann von jedermann über die Homepage der Stadt Weismain aufgerufen werden. Leser können ihre Konten selbst verwalten, Medien vormerken oder nach Lust und Laune im Buchbestand stöbern. Zum Einloggen wird die Lesernummer und ein Passwort benötigt, das sich aus den ersten drei Buchstaben des Nachnamens und dem Geburtsdatum zusammensetzt (zum Beispiel SCH06.08.1982).

Außerdem hat die Stadtbücherei ab sofort eine eigene E-Mail-Adresse: Elektronische Post erreicht das Ausleihteam direkt über buecherei@stadt-weismain.de.

Das Jahr 2021 hat mit weiteren Veränderungen für die Bücherei begonnen: Mitte letzten Monats wurden alle Bücher, Möbel und Medien in die Räume des Weismainer NordJURA-Museums umgeräumt. Der Umzug wurde erforderlich, weil die Stadtverwaltung die Büchereiräume während der Zeit der Rathaussanierung als Ausweichquartier benötigt. Sobald der Lockdown beendet ist und öffentliche Bibliotheken wieder öffnen dürfen, können sich Besucher also auf ein neues Ambiente freuen. Momentan wird für die Büchereiräume ein angepasstes Hygiene-Konzept erarbeitet, und es sind noch einige technische Einrichtungen abzuschließen.

„Wenn der Ausleihbetrieb wieder starten kann, geben wir dies rechtzeitig bekannt“, verspricht Andrea Göldner. In ihrer Stimme schwingt Hoffnung und Vorfreude mit. Wegen der Pandemie sind Besichtigungen des Museums bei Öffnungen vom Lockdown nur mit gewisser Einschränkung möglich. Damit der Umzug der Verwaltung pünktlich beendet ist, begleitet Andrea Göldner die Arbeiten. Sie ist unter anderem mit der Sichtung von älteren Akten fürs Archiv tätig.

Für die RadtourPur sieht's schlecht aus, Ferienprogramm wird schlanker

Andrea Göldner ist die Herrin über Weismains Gedächtnis
Andrea Göldner beim Start der von ihr geplanten RadtourPur 2018. Foto: Roland Dietz

Die Terminplanung ist dagegen vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie abhängig. So wird es nach dem Stand der Dinge wohl schwierig, die RadtourPur abzuhalten. Auch beim Jugendsommerferienprogramm werden wohl Einschränkungen erforderlich. Weil der Fasching abgesagt wurde, hielt Göldner ihren schon vor längerer Zeit erstellten CHW-Vortrag über die „Weismainer Fastnacht“ nochmals online. Über 400 Interessierte sahen das Video, das im Internet noch abzurufen ist, bereits. Außerdem nutzt Andrea Göldner die Zeit mit weniger Publikumsverkehr, um eine Broschüre über die Stadtgeschichte und den dritten Band zur Weismainer Stadtgeschichte auf den Weg zu bringen.

Von Roland Dietz

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