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ALTENKUNSTADT

Am 18. Mai ist die Altenkunstadter Wehr genau 150 Jahre alt

Am 18. Mai ist die Altenkunstadter Wehr genau 150 Jahre alt
Die Stützpunktwehr von Altenkunstadt verfügt nicht nur über zeitgemäße Räumlichkeiten, sondern auch über einen modernen Fahrzeugpark. Foto: Dieter Radziej

Für die Freiwillige Feuerwehr hätte 2021 ein ganz besonderes Vereinsjahr werden sollen: Am 18. Mai besteht sie seit genau 150 Jahren. Schon lange vorher haben die Verantwortlichen mit den Planungen für dieses Jubiläum begonnen. Aber wie bei so vielen anderen Festen auch kam Corona dazwischen: Schon im September vergangenen Jahres sagte die Wehr alle Feierlichkeiten ab.

Dabei waren die Vorbereitungen der Mitglieder des Vorstands und des Verwaltungsrates unter den beiden Festleitern Georg Fiedler und Ottmar Jahn bereits weit gediehen. Die Gemeinde Altenkunstadt stellte einen neuen Festplatz im Schul- und Sportzentrum in Aussicht; die Stützpunktwehr gab ihre Bewerbung für die Ausrichtung des Kreisfeuerwehrtages ab.

Landrat Meißner hätte die Schirmherrschaft übernommen

Als Hauptveranstaltung wurde ein Jubiläumfest vom 4. bis 7. Juni geplant. Landrat Christian Meißner sagte zu, die Schirmherrschaft zu übernehmen, Kapellen wurden engagiert, und die Wehr begann, mit schmucken T-Shirts bei den unterschiedlichsten Anlässen für das große Ereignis zu werben. Ein Fest-Logo war ebenfalls bald entworfen. Doch letztlich waren alle Bemühungen umsonst.

Im Vereinsleben der Gemeinde Altenkunstadt hat die Stützpunktwehr eine besonderen Stellenwert. Neben dem Rettungsdienst zählt die Freiwillige Feuerwehr zu den Organisationen, die von ihren Mitmenschen in besonderer Weise und in den unterschiedlichsten Lebenslagen benötigt wird und auf die immer Verlass ist. Gemeinschaftsgefühl, staatsbürgerliche Mitverantwortung, ein ausgeprägtes Pflichtgefühl und Hilfsbereitschaft prägen seit dem 18. Mai 1871, dem Gründungsdatum, die Mitglieder der Feuerwehr.

Die Saugdruckspritze wurde von einem Pferdegespann gezogen

Am 18. Mai ist die Altenkunstadter Wehr genau 150 Jahre alt
Nach dem Jubiläumsfestzug zum 125-jährigen Bestehen vor 25 Jahren: Ehrenkreisbrandinspektor Helmut Müller begrüßt die Gäste im Schul- und Sportzentrum von Altenkunstadt. Foto: Dieter Radziej

Vorsitzender wurde Lehrer Moses Vogel, während Wagnermeister Hornung als Hauptmann fungierte, wie früher der Kommandant bezeichnet wurde. 1889 erkannte das „Königliche Bezirksamt“, dass die vorhandene Feuerwehrspritze unbrauchbar geworden war, und genehmigte den Altenkunstadter Feuerwehrkameraden eine neue Saugdruckspritze. Sie wurde von Hand bedient und in der Regel von einem Pferdegespann zum Einsatzort gezogen.

Aus dem Jahr 1896 wird von einem besonderen Einsatz berichtet: Ein Großbrand legte eine Vielzahl von Wohn- und Nebengebäuden in der Gemeinde in Schutt und Asche. Auch 1907 richtete ein Brandunglück großen Schaden an.

Mit einem offenen Magirus Deutz zu Einsätzen bis nach Würzburg

1911 feierte die Wehr ihr 40-jähriges Bestehen. Es dauerte noch knapp ein Jahrzehnt, bis die erste Motorspritze in Betrieb genommen werden konnte. sie war zuerst im Gemeindehaus in der Theodor-Heuss-Straße und später in der Klostergasse untergebracht, bevor in der Langheimer Straße ein Feuerwehrhaus entstand.

Am 18. Mai ist die Altenkunstadter Wehr genau 150 Jahre alt
Die Freiwillige Feuerwehr Altenkunstadt im Jahre 1905. Foto: Repro: Dieter Radziej

Ein Meilenstein war das erste motorisierte Löschfahrzeug, das die Wehr während des Zweiten Weltkrieges nutzen konnte. Obwohl es sich um einen offenen Magirus Deutz handelte, der zudem mit Hartgummireifen ausgestattet war, fuhren die Einsatzkräfte nach den dortigen Bombenangriffen damit bis nach Nürnberg, Würzburg und Schweinfurt – bei Wind und Wetter und meistens bei Nacht und mit Tarnlicht. Zu diesen Einsätzen trafen sich die Wehren aus Lichtenfels, Bad Staffelstein, Coburg, Kronach und so weiter immer in der Korbstadt.

Erstes Tanklöschfahrzeug zum 80-jährigen Bestehen

Nach Kriegsende entfaltete sich das Vereinsleben von Neuem. Es konnte wieder Vorstand gewählt werden. Der damalige Erste Bürgermeister Georg Böhmer erklärte sich dazu bereit, an die Spitze der Wehr zu treten. Wenig später wurde das 80-jährige Bestehen gefeiert; zwar in einem bescheidenen Rahmen, blieb es aber doch besonders in Erinnerung: Die Wehr erhielt ihr erstes Tanklöschfahrzeug erhielt, in dem schon rund 800 Liter Wasser mitgeführt werden konnten.

Am 18. Mai ist die Altenkunstadter Wehr genau 150 Jahre alt
Dass es in den 150 Jahren seit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Altenkunstadt ein reiches Betätigungsfeld gab, beweist diese Aufnahme von einem Großbrand im Jahre 1939, als die historische Neumühle schwer beschädigt wurde. Foto: Repro: Dieter Radziej

Zu der Zeit, in der Andreas Spitzer als Kreisbrandinspektor fungierte, wurde ein Tragkraftspritzenfahrzeug angeschafft, Aktive begannen die Leistungsabzeichen abzulegen, und der Gemeinderat von Altenkunstadt beschloss, ein neues Feuerwehrgerätehaus in der Woffendorfer Straße zu bauen. Dieses konnte anlässlich des Jubiläumsfestes zum 100-jährigen Bestehen am 30. Mai 1971 eingeweiht werden. Höhepunkt des war neben dem großen Festzug und einer Schauübung eine „Große Bayerische Stadtparade“ mit Stars aus Film, Funk und Fernsehen.

Schon seit 30 Jahren gibt es eine Jugendfeuerwehr

Weitere wichtige Etappen in der Vereinsgeschichte waren die Anschaffung einer Atemschutzausrüstung, die Indienststellung neuer Fahrzeuge, die Funkalarmierung, die Fahnenweihe und die Einbeziehung des ersten Rettungssatzes im Landkreis Lichtenfels in den Feuerwehrdienst.

Bereits vor 30 Jahren wurde eine Jugendfeuerwehr gegründet. Auch eine Kindergruppe gibt es mittlerweile, um schon in ganz jungen Jahren das Interesse für den Feuerwehrdienst zu wecken. Bemühungen der Stützpunktwehr Altenkunstadt, die zweifellos als erfolgreich bezeichnet werden können.

Momentan wird die Feuerwehrgemeinschaft von Altenkunstadt von Kommandant Marco Weidner, stellvertretender Kommandant Andreas Leikeim, Vorsitzender Andreas Will und stellvertretender Vorsitzender Jürgen Klemenz geleitet. Die Wehr bedankt sich an dieser Stelle herzlich bei allen Gönnern, die die Planungen für das Jubiläum auf vielfältige Weise unterstützt und sie bereits mit Zuwendungen bedacht haben.

 

Von Dieter Radziej

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