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ALTENKUNSTADT

Altenkunstadt: Paukenschlag im Gemeinderat

Altenkunstadt: Paukenschlag im Gemeinderat
Die Altenkunstadter Wasserwacht mit (v. li.) Herbert Sachs, Monika Schmidt, Katharina Berthold und Franziska Brinschwitz demonstrierte für den Bau eines Lehrschwimmbeckens. Die SPD-Fraktion mit (v. re.) Almut Schuhmann, Frank Novotny und Karlheinz Hofmann stimmte dafür, den Beschluss über einen Bürgerentscheid zu vertagen. Foto: Stephan Stöckel

Elf große und kleine Mitglieder der Wasserwacht Altenkunstadt demonstrierten vor der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend in der Grundschulturnhalle für den Bau eines Lehrschwimmbeckens.

Der Schilderwald, an dem die Gemeinderäte vorbeiliefen, ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. „Bewegung macht beweglich!“, „Wir Kinder brauchen Schwimmtraining!“, lauteten zwei Argumente, mit denen sie den Ratsmitgliedern die Notwendigkeit ihres Anliegens vor Augen führten. „Ich war nie gegen das Schwimmbad gewesen. Allerdings brauchen wir Geld“, kommentierte Georg Deuerling von den Freien Bürgern der Ortsteile (FBO) die Protestaktion im Vorbeigehen.

„Das ist unglaublich. Mir fehlt der Glaube an die Demokratie.“
Robert Hümmer (CSU), Erster Bürgermeister

So wie er dachte auch eine knappe Mehrheit im Gremium, die für einen Paukenschlag sorgte. Mit elf zu zehn Stimmen wurde der Beschluss über die Durchführung eines Bürgerentscheides am Tag der Bundestagswahl am 26. September verschoben. Damit war die von Bürgermeister Robert Hümmer anvisierte Abstimmung über die Frage „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Altenkunstadt ein Schulschwimmbad mit öffentlicher Nutzung beim Schul- und Sportzentrum in Röhrig errichtet?“ vorerst vom Tisch.

Alle Fraktionen gegen die CSU

Alle Fraktionen mit Ausnahme der CSU hatten sich für eine Verschiebung des Tagesordnungspunktes ausgesprochen: Bündnisgrüne, Junge Wähler Union (JWU), SPD, FBO und Freie Wähler Gemeinschaft (FWG).

DLRG Burgkunstadt fordert Bau des Lehrschwimmbeckens
Nur im Sommer ist die Schwimmausbildung im Burgkunstadter Freibad Kunomare möglich. Foto: Roland Dietz

Den Stein ins Rollen gebracht hatte Sozialdemokrat Frank Novotny, der eine Abstimmung über die Vertagung beantragt hatte. Seine Begründung: „Die Angelegenheit ist noch nicht entscheidungsreif, da die Haushaltsberatungen noch nicht abgeschlossen sind. Man sollte nicht den zweiten vor dem ersten Schritte machen.“

„Dann machen wir es halt im Dezember“

Dem Bürgermeister trieb die Verschiebung der Entscheidung die Zornesröte ins Gesicht: „Das ist unglaublich. Mir fehlt der Glaube an die Demokratie.“ Erst gegen Ende der Sitzung, als er das Thema noch einmal aufgriffen hatte, legte sich sein Groll. „Dann machen wir es halt erst im Dezember. Damit habe ich kein Problem.“

Sein Stellvertreter Marco Weidner von der Jungen Wähler Union (JWU), der sich für eine Vertagung des Tagesordnungspunktes ausgesprochen hatte, gab dem Bürgermeister Recht, dass nach 17 Jahren endlich eine Entscheidung gefällt werden müsse. Diese könne in Form eines Ratsbegehrens, bei dem anschließend die Bürger abstimmen dürfen, oder eines Gemeinderatsbeschlusses geschehen. Doch zuvor, betonte Weidner, müsse erst ein solider Haushalt aufgestellt werden.

Die Bürgerversammlung, bei der das Gemeindeoberhaupt den Einwohnern vor ihrer Entscheidung noch einmal alle Zahlen für das Gemeinschaftsprojekt der Kommunen Alten- und Burgkunstadt sowie Weismain auf den Tisch legen wollte, wird es vorerst nicht geben. Und so nutzte Hümmer die Gemeinderatssitzung dazu.

So könnte das Altenkunstadter Lehrschwimmbecken nach den Vorstellungen des Vereins für kommunale Zusammenarbeit am Obermain aussehen. Einen Grundsatzbeschluss für eine „Unterstützung“ des Gemeinschaftsprojekt der drei Kommunen im östlichen Landkreis hat der Weismainer Stadtrat gefasst. Foto: red

Kosten für Lehrschwimmbecken von 5,9 auf 6,4 Millionen Euro gestiegen

Zunächst wies er auf die steigenden Baupreise hin. Sie hätten die Gesamtkosten des Projektes, das auf dem Schul- und Sportgelände des Altenkunstadter Ortsteiles Röhrig realisiert werden soll, seit 2019 von 5,9 auf 6,4 Millionen Euro steigen lassen. Der Anteil der Gemeinde Altenkunstadt hat sich laut Hümmer von 1,5 auf 1,7 Millionen Euro erhöht. Hümmer rechnete vor, dass die Einrichtung, die von der DLRG-Burgkunstadt betrieben werden soll, kostendeckend sei. Derzeit erhalten die Kinder in Michelau Schwimmunterricht.

Baywa verzichtet auf Solarpark bei Spiesberg

Während bei diesem Großprojekt das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, wurde ein anderes zu den Akten gelegt. Die Firma Baywa r.e. Solar Projects GmbH, eine Tochter der Baywa AG mit Sitz in München, zieht ihre Pläne für einen Solarpark im Ortsteil Spiesberg zurück, nachdem zahlreiche Bürger sich in einer Unterschriften gegen das Vorhaben ausgesprochen hatten. Dieser wäre doppelt so groß gewesen wie der Ort.

Von Stephan Stöckel

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