Lake Placid (dpa)

Bobsport trauert um Olympiasieger Holcomb

Bob-Olympiasieger Steven Holcomb ist tot. Er starb mit nur 37 Jahren. Der Amerikaner musste abseits der Eisrinne viel kämpfen. Noch bei der WM im Februar in Königssee war er dabei.

Steven Holcomb
Der US-amerikanische Bob-Olympiasieger Steven Holcomb wurde tot aufgefunden. Foto: Urs Flueeler

Bei den Bob-Weltmeisterschaften in Königssee vor wenigen Monaten klatschte Steven Holcomb unter tosendem Beifall jeden einzelnen Fan im Zielauslauf persönlich ab. Niemand ahnte damals, dass es ein Abschied für immer sein würde.

Mit erst 37 Jahren ist der Viererbob-Olympiasieger von 2010 gestorben. Holcomb sei am Morgen des 6. Mai leblos in seinem Zimmer im olympischen Trainingszentrum in Lake Placid im US-Bundesstaat New York gefunden worden, teilte das Olympische Komitee der USA (USOC) mit. Über die Todesursache wurden keine Angaben gemacht.

«Es ist unfassbar und sehr tragisch. Bis jetzt weiß man auch noch nichts Näheres, warum es dazu gekommen ist», sagte der deutsche Zweier- und Viererbob-Weltmeister Francesco Friedrich über den Amerikaner mit dem Spitznamen «Holcy». «Es ist sehr traurig, da Holcy ein so respektvoller Mensch an und außerhalb der Strecke war. Er war einfach der coole, nette, liebe Amerikaner, den alle geliebt haben. Er wird mir sehr fehlen.» IOC-Präsident Thomas Bach würdigte Holcomb als «Sport-Legende». «Er wurde von seinen Konkurrenten und jedem im olympischen Sport sehr geschätzt. Unsere Gedanken sind jetzt bei seiner Familie und seinen Freunden», erklärte Bach.

Holcomb nahm an drei Olympischen Winterspielen teil und gewann in Vancouver im Vierer die Goldmedaille - die erste eines US-Teams in dieser Disziplin seit 1948. Bei den Spielen in Sotschi holte er 2014 jeweils Bronze im Zweier- und Viererbob. Zudem gewann er vier WM-Titel. Bei den Weltmeisterschaften im Februar in Königssee war er im Zweierbob Siebter und im Vierer Fünfter geworden, dennoch wurde er als Liebling der Szene frenetisch gefeiert. Auch für die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang im kommenden Jahr war er vorgesehen.

«Die gesamte olympische Familie ist schockiert und traurig über den unbeschreiblich tragischen Verlust von Steven Holcomb», sagte USOC-Chef Scott Blackmun. «Steve war ein unglaublicher Athlet und ein noch besserer Mensch, und seine Beharrlichkeit und seine Leistungen waren für uns alle eine Inspiration.»

Holcombs Teamkollege Nick Cunningham meinte: «Der einzige Grund, warum die USA irgendwie im Bobsport erwähnt werden, ist Steven Holcomb. Er war das Gesicht unseres Teams. Er war das Gesicht für unseren Sport.» Jeder Pilot habe ihn beobachtet, «weil er so gut» gewesen sei. «Es ist ein riesiger Verlust, ein riesiger Verlust nicht nur für unser Team, sondern für die gesamte Bob-Gemeinde.»

Holcomb litt lange unter der Augenkrankheit Keratokonus und kämpfte während seiner Laufbahn teils mit starken Sehstörungen. In seiner Autobiografie «But now I see; My Journey from Blindness to Olympic Gold» 2012 schrieb er über Depressionen und berichtete über einen Suizidversuch 2007, als ihm wegen der Augenprobleme das Karriereende drohte.

Durch eine Operation 2008, bei dem ein Objektiv hinter die Iris des Auges gesetzt wurde, wurde er geheilt. Seinen Fahrstil, der bis dahin mehr auf «Fühlen» basierte, musste er mit funktionierendem Sehvermögen wieder ändern.

Dennoch besiegte er 2010 in Vancouver den erfolgreichsten Bobfahrer der Welt, André Lange, und wurde Olympiasieger. «Es war mir ein Vergnügen, mit dir zu kämpfen, dich zu treffen und dich zu kennen, du warst wie ein Freund. Du bist ein toller Mensch und du wirst für immer eine Legende sein», schrieb der ehemalige Viererbob-Weltmeister Manuel Machata über seinen einstigen Konkurrenten.