SCHNEY

Sieg dank kontrollierter Offensive

Oberfränkische Schachmeisterschaften Schloss Schney
Rebecca Salyards richtet es sich ein. Die Redakteurin von TV Oberfranken holte sich kurz Schiedsrichter Ingo Thorn ...

Schach

Schluss, Ende, aus – die Schachtage in Schney sind Geschichte. Zumindest die 30. im Jahr 2018. Mit André Wilfert gewann am Sonntag ein für den FC Marktleuthen spielender Hofer die Einzelmeisterschaft der Erwachsenen. Bilanzen und Ereignisse rund um ein sportliches Highlight am Obermain:

Sieben Runden an vier Tagen schlauchen. Schach kostet Kraft und Nerven, das macht es zum Sport. Auf derlei Aspekte ging auch Vize-Landrat und Michelaus Bürgermeister Helmut Fischer bei dem kleinen Abschiedszeremoniell in der Franken-Akademie auf Schloss Schney ein, als er die Sieger ehrte. Der Mann, dem er den gläsernen Pokal in die Hände gab und auf dem demnächst auch dessen Siegername verzeichnet steht, war André Wilfert.

Feinwertung gibt den Ausschlag

Punktgleich mit dem Sonneberger Christopher Hartleb stand er nach fünf Siegen und zwei Remis an der Spitze der 43 Spieler zählenden Tabelle. Was Wilfert aber doch von Hartleb absetzte, war die Feinwertung. Gelöst und eine Weile ungläubig gab sich Wilfert nach Erreichen seines großen Ziels. Sollte er wirklich glauben, Sieger geworden zu sein? Der 45-jährige Dozent einer Altenpflegeschule nimmt seit 14 Jahren in Schney teil, jetzt hat er seinen „Jugendtraum“ erstmalig erreicht. „Mir bedeutet der Gewinn ganz viel“, so der Mann, der nach Bekanntgabe seines Sieges zunächst an einen Assauer-Effekt glauben wollte, also daran, wenige Minuten später die eigentliche Wahrheit vom Nicht-Gewinn einer Meisterschaft mitgeteilt zu bekommen. Doch Schiedsrichter oder Turnierdirektor hätten ihm auch nur bestätigen können, was in der Tabelle schwarz auf weiß stand.

Kompromissloses Vorgehen

Dass Wilfert zwischen dem 3. und 6. Januar schachlich einigermaßen kompromisslos vorgegangen ist, zeigt seine Punkteausbeute von sechs Zählern aus sieben Begegnungen. Doch wie würde er selbst seinen Schachstil beschreiben? „Kontrollierte Offensive“, erklärt er witzelnd mit Verweis auf Otto Rehagels einstiger Spielauffassung bei Werder Bremen. Doch neben allem Witz gab es auch ernsthafte Seiten des Erfolges, die in der Trainingsvorbereitung bestanden. „Ich habe einen immens großen Aufwand betrieben“, gesteht der Sieger ein. Geschult habe er in den vergangenen drei Monaten „zu jeder freien Minute“ unter anderem sein Positionsspiel, las Bücher eines Großmeisters und erfuhr so eine Vervollkommnung als Spieler. „Jeder greift gerne an, aber von Verteidigung habe ich keinen Schimmer gehabt“. Nun aber habe er „auf Ideen geachtet, auf die ich sonst nicht geachtet habe“.

Eine Fertigkeit, die blieb, auch wenn ihm vor Runde 5 in der Nacht nur drei Stunden Schlaf vergönnt waren. Seine Frau, so Wilfert, sei über seinen Trainingsaufwand „nicht begeistert“ gewesen. Doch nun habe er sein Ziel ja erreicht und dieser würde weniger werden. Oder doch nicht? Immerhin ist Wilfert nun für die bayerische Meisterschaft qualifiziert. Bei dem Gedanken muss der humorvolle Mann, der kein Problem damit hat, für ein Siegerbild mit Pokal gar ulkige Posen einzunehmen, schon wieder schmunzeln.

Was wird von den 30. Schachtagen in Schney sonst bleiben? Da wäre beispielsweise der Trend, wonach im Hauptfeld sogar wieder drei Frauen auftauchten. Oder dass die Kategorien U18, U16, U12 usw. mitunter recht dünn besetzt waren. Da wäre aber auch die Erkenntnis, dass ein Favorit nicht zwangsläufig gewinnen muss.

Als solcher galt wegen seiner Ranglistenpunktzahl Michal Michalek vom SV Seubelsdorf. Doch der Lokalmatador sollte sich letztlich auf Platz 16 wiederfinden. Vor allen Dingen dürfte bleiben, dass die oberfränkische Einzelmeisterschaft in Schloss Schney mediale Beachtung beim Fernsehen fand. TV Oberfranken entsandte mit Redakteurin Rebecca Salyards eine Interviewerin und Filmerin, die sich vom Geschehen einfangen ließ.

Handy klingelte bei Aydin Yigit

Und es wird womöglich die Erinnerung an den Pechvogel Aydin Yigit vom PTSV SK Hof bleiben. Bei ihm klingelte am dritten Spieltag das Handy, was regelkonform einen sofortigen Partieverlust nach sich zog. „Ich habe gedacht, ich habe es ausgeschaltet. Noch dazu habe ich gedacht, ich habe es leise gestellt. Ich war geschockt“, so der Hofer. Sein Schock ist vergangen, auch er denkt schon an Schney 2019. Mehr unter www.schney.schachbezirk-oberfranken.de

Oberfränkische Schachmeisterschaften Schloss Schney
Ein Sieger mit Sinn für Humor: André Wilfert zeigte aber auch Kampfgeist und gute Vorbereitung.