MICHELAU

„Aber wenn scho, dann gescheit“

Der Kindergarten hat sich in einen exotischen Zoo verwandelt.

„Michlaa, Kruet naa!“ Die Korbmachergemeinde im Faschingstaumel, das kann man nur einmal im Jahr, zum Höhepunkt des Faschings, am Faschingsdienstag erleben. Dann holen Groß und Klein das Lasso raus und verwandeln sich in Cowboy und Indianer oder andere illustre Gestalten. Fantasievoll maskierte Gruppen mit einem Dutzend Wägen bahnen sich ihren Weg durch die Korbmachergemeinde vorbei an froh gelaunten Zuschauern, die sich den Konfettiregen aus den Haaren schütteln.

Es war schon der 35. Gaudiwurm der an der Johann-Puppert Schule seine Aufstellung nahm. Der Faschingsbrauch ist ein Vermächtnis des verstorbenen Schulleiters und stellvertretenden Bürgermeisters Herold Gagel, der damit seinen Nachfolgern ein nicht immer leichtes Erbe hinterließ, fällt doch der Umzug voll in die Ferienzeit. So stellte die Schule auch in diesem Jahr keine eigene Gruppe und teilnehmende Schüler schlossen sich kurzerhand dem Michelauer Hort „M.i.S.T“ an.

Doch das war nur eine Randerscheinung in dem Gewimmel und Gewusel. Es sind die vielen kleinen Gruppen, die neben dem offiziellen Gemeindefahrzeug mit Bürgermeister Helmut Fischer und seinen Räten, den Michelauer Gaudiwurm zum Leben erwecken. Viele dieser Gruppen sind seit Jahren dabei und begeistern stets aufs Neue durch ihre fantasievollen Einfälle.

Die „Hodd Hobbers“

So gefielen in diesem Jahr die „Hodd Hobbers“ als verwegene Ballonfahrer, und nur der entsprechende Ballast an den Körben verhinderte, dass die mutigen Damen über die Dächer der Korbmachergemeinde schwebten. Als „Zirkus Michlaa“ empfanden anscheinend die Bewohner der Hüllreuthstraße die örtlichen Verhältnisse und die Gruppe Schug wollte endlich als „Whatsapp-Group“ die Michelauer Gemeinde in Sachen Internet zukunftsfähig machen.

Vom Gemeindewagen aus versuchte man da zu beschwichtigen. „Dies Jahr gabs ka Kabbelei drum beleibt die Seite frei“ hieß es da auf der großen Schautafel. Doch von wegen in Michelau gäbe es nichts zu meckern. Die Antwort kam entsprechend verschlüsselt von D.E.S.C. dem Disziplinlosen Engel Supporters Club: „K1Moto isd au 1 Moto.“

Noch deutlicher wurde man beim Kaninchenzüchterverein: „Barriere Frei! Dou semme dabei! Aber wenn scho, dann gescheit.“ Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen „Unnera Gemaaräät senn kanna Brückenbau-Äxperten“, denn „Der Brückenbau in Michelau freut die Bürger wie die Sau.“ Da mussten auch die Räte eingestehen: „Bahnhofstraße: 3 Sterne Bau, Raslesbrücke: Supergau.“

Auch in Michelau ist eben nicht alles Gold was glänzt, und so hatte man auf dem Gemeindewagen in Sachen Kamellen Zurückhaltung geübt. Man kann ja nie wissen, was die ganzen Bauvorhaben von barrierefrei bis „brückenneu“ noch kosten werden.

Kiloweise Süßigkeiten

Mehr als ausgeglichen wurde dieses Defizit durch die Rewe Goldbären-Bande. Der Trecker nebst Hänger gehörte zu den am meisten belagerten Wagen des ganzen Umzugs, flogen doch von dort die Süßigkeiten gleich kiloweise in die Menge.

Anscheinend haben die Michelauer genug mit sich selbst zu tun, denn ihr Horizont beschränkte sich beim diesjährigen Umzug auf die lokalen Begebenheiten, sieht man einmal vom mahnenden Hinweis auf das Bienensterben ab, mit dem einige aufgedrehte Jung-Bienen der Wood-Crew ans Gewissen der Öffentlichkeit appellierten. Bundespolitik, Donald Trump, Erdogan und Co. scheinen weit weg zu sein. Was soll man sich auch von derartigen Clowns die Faschingsstimmung vermiesen lassen.

Die „Hodd Hobbers“, kurz vor dem abheben.
Die Wood-Crew machte mit Kanone auf das Bienensterben aufmerksam.
Auch gruselige Gestalten tummelten sich in den Michelauer Straßen.
Beste Stimmung herrschte auch bei diesen Damen.
Ein gemütliches Plätzchen bei dem ganzen Faschingstrubel.