WEIDHAUSEN / LICHTENFELS

Trotz Sanierung: Munzer muss schließen

Obwohl der Insolvenzverwalter dass Unternehmen wieder für wettbewerbsfähig hält, muss der insolvente, deutschlandweit bekannte Polstermöbler fm Munzer in Weidhausen endgültig schließen. Die Firma hatte am 24. Februar dieses Jahres Insolvenz angemeldet. 85 Beschäftigte zählte das Unternehmen zuletzt, darunter etliche aus dem Landkreis Lichtenfels.

„Das tut weh.“
Christian Dahm, Geschäftsführer Verband bayerische Holzwirtschaft/Kunststoffindustrie

„Wir haben die Firma in den vergangenen drei Monaten saniert, unter anderem durch eine neue Struktur bei den Arbeitsabläufen“ , so Insolvenzverwalter Dr. Jochen Zaremba. „Dank der Sanierung hätte das Unternehmen nach einem vorhersehbaren Jahresverlust 2017 bereits 2018 wieder schwarze Zahlen geschrieben.“ Voraussetzung wäre gewesen, dass ein Investor in das Familienunternehmen einsteigt. Zaremba beziffert den momentanen Investitionsbedarf mit 1,5 Millionen Euro. Leider sei es trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen, einen Investor zu finden. Zaremba vermutet hinter dieser Fehlanzeige eine grundsätzliche Entwicklung. Die Möbelbranche orientiere sich nach Osten. „Es gibt kaum noch Investoren, die in ein deutsches Unternehmen einsteigen“, so Zaremba.

FM Munzer habe, wie er bei seiner Arbeit festgestellt habe, einen „ausgezeichneten Ruf“. Mit einer Reklamationsquote von unter drei Prozent zum Beispiel sei der Möbelhersteller in Deutschland Spitze. Besonders tragisch sei die endgültige Schließung, weil die zuletzt 85 Mitarbeiter des Unternehmens mit aller Energie für das Überleben gekämpft hätten. Und dies, obwohl sie in der zurückliegenden Zeit in der Firma bereits einige Entbehrungen hingenommen hätten. Diese treuen und zuverlässigen Mitarbeiter wären der Stamm gewesen, der die Firma wieder auf Kurs hätte bringen können.

In einer Betriebsversammlung am vergangenen Mittwoch hatte Zaremba die Mitarbeiter informiert. 38 von ihnen musste sofort gekündigt werden. 45 Mitarbeiter werden zur Ausproduktion noch für kurze Zeit an Bord bleiben, so munzer-Geschäftsführer Uwe Scharunge. „Das tut weh“, sagte der Geschäftsführer des Verbandes der bayerischen Holzwirtschaft und Kunststoffindustrie, Christian Dahm, am Montag dieser Redaktion über das Aus für das oberfränkische Unternehmen. „Wir haben kein Anschluss-Unternehmen gefunden“, so der Geschäftsführer weiter.

„Dank der Sanierung hätte das Unternehmen nach einem vorhersehbaren Jahresverlust 2017 bereits 2018 wieder schwarze Zahlen geschrieben.“
Dr. Jochen Zaremba, Insolvenzverwalter

Dahm sieht Oberfranken dennoch nach wie vor als Kernregion der deutschen Polstermöbelindustrie. Er weist allerdings darauf hin, dass veränderte Produktionsmöglichkeiten und eine nach wie vor vorhandene „Geiz-ist-geil“-Kundenmentalität die Situation vor allem für die mittelständischen Unternehmen erschwert haben. Der Markt für die Möbelhersteller sei umkämpft. Dass im benachbarten Ausland preiswerter Möbel hergestellt werden können, die dann auf dem deutschen Markt auch noch vermarktet werden, sei kein hausgemachtes Problem. Mit Zuschüssen aus EU-Töpfen würden preiswertere Produktionsstätten unterstützt. Dagegen seien die heimischen Unternehmen machtlos. Oberfränkische Unternehmen sollten dennoch weiter auf Qualität und Spezialisierung setzen.

„Wir hoffen darauf, dass die Einkaufsgemeinschaften und Verbände uns noch eine Chance geben – Munzer ist ein flexibles und kreatives Unternehmen mit qualitativ hochwertigen Produkten und einer super Belegschaft“: Dies hatte Geschäftsführer Uwe Scharunge noch Anfang Mai betont. Damals stand der Besuch der Konzept Messe Einrichtungspartnerring VME in Bielefeld bevor. „Wenn wir nicht gänzlich von osteuropäischen Herstellern abhängig sein wollen, die uns die Preise für Möbel diktieren, müssen wir in Deutschland produzieren“, so Scharunge weiter.

Für Munzer waren weltbekannte Markenbotschafter wie Biathlon-Olympiasiegern Magdalena Neuner und Tischtennis-Ass Timo Boll aktiv.