MICHELAU

Mit Atemschutz und Ganzkörperanzug

Von der Hebebühne aus, geschützt durch Ganzkörperschutzanzüge und Atemmaske, werden die Nester des ...

„Das Schützenfest ist durch den Eichenprozessionsspinner nicht gefährdet“, darin sind sich Matthias Lorenz und sein Mitarbeiter Christopher Busch von der Firma Matthias Lorenz einig. Gemeinsam bekämpften sie ihn am Dienstag an der Mainfeldhalle.

Die Schützenfamilie dürfte diese Nachricht mit Erleichterung hören, denn die ersten Wagen sind schon am Festgelände eingetroffen. Vehement sprechen sich beide Fachleute gegen die Überlegung aus, die betroffenen Eichen zu fällen und durch andere Baumarten zu ersetzen.

„Es gibt Menschen, die sind anfällig, bei denen treten Atemprobleme auf, aber oft wird die Gefahr übersteigert wahrgenommen. “
Matthias Lorenz und Christopher Busch, Baumpfleger

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass sich die beiden Baumpfleger umfangreich schützen, um nicht mit den Gifthaaren der Raupen in Kontakt zu kommen. Zum weißen Ganzkörperschutzanzug gehören Gummihandschuhe und ein Atemschutz, damit die Gifthaare bei der Bekämpfung nicht versehentlich eingeatmet werden. Dennoch sind sie bestrebt, die Gefahren die von den Eichenprozessionsspinnernestern ausgehen zu relativieren: „Es gibt Menschen, die sind anfällig, bei denen treten Atemprobleme auf, aber oft wird die Gefahr übersteigert wahrgenommen. Wenn in der Flur die Gräser blühen, dann verursacht das bei Allergikern ebenfalls Hautausschläge und Atemprobleme.“

Gegen das Fällen der Eichen

Die geplante Bekämpfungsaktion diene lediglich dazu, dass nicht eines der Nester vom Baum fällt und ein Kind daran herumspielt. Für eine völlige Überreaktion halten es beide, wenn ernsthaft darüber nachgedacht wird, die zum Teil gut gewachsenen Eichen zu fällen. „Was ist die Alternative?“, fragt Christopher Busch. Der Fachagrarwirt für Baumpflege weiß, wovon er redet, wenn er fragt: „Ist es die Esche mit dem Eschentriebsterben, was zu Totholz in der Krone führt, ist es die Rosskastanie, die die Rosskastanienkrankheit hat? Lautet die Antwort dann ,lieber gar keinen Baum?‘“

Aus der Sicht des Baumpflegers lautet sein Urteil: „Die Eiche ist innerorts einer der besten Bäume, die es gibt.“ Sie bietet als Habitat einer Vielzahl anderer Lebewesen den Lebensraum. Die Eiche ist der widerstandsfähigste Baum, den die Deutschen haben, und Eichen in dieser Stärke, wie sie hier in der Nachbarschaft zum Schützengelände stehen, wird der Naturfreund in Zukunft immer seltener finden.

Vorbeugend Spritzmittel einsetzen

Bäume dieser Größenordnung haben einen hohen materiellen Wert. Sinnvoll wäre es, vorbeugend während der ersten Häutungsstadien Spritzmittel gegen den Eichenprozessionsspinner einzusetzen. Das biologische Schädlingsbekämpfungsmittel „Dipel ES“ mit dem Wirkstoff Bacillus thuringiensis ist das einzige Mittel, das für eine solche Bekämpfungsmaßnahme vom Umweltbundesamt zugelassen wird. Sein Einsatz zum Schutz der menschlichen Gesundheit bedarf jedoch aus wasser- und naturschutzrechtlichen Gründen einer sorgfältigen Abwägung.

Rund zwei Stunden dauerte die Bekämpfungsaktion, wobei zur Sanierungsmaßnahme auch das Entfernen von Totholz in den Kronen gehörte. So ganz los dürfte man das Problem Eichenprozessionsspinner im Gemeindegebiet nicht werden. Inzwischen wurden im Gemeindegebiet weitere befallene Eichen entdeckt, die in die Bekämpfungsaktion mit einbezogen werden müssen.